Barcelona – für das Wohl der Kinder

Pino und André Degiorgio sind sportlich, keine Frage. Die beiden Brüder machen so ziemlich alles mit dem Fahrrad, und das sieht man ihnen auch an. Jetzt haben sie aber eine derart verrückte Idee, dass man ein wenig an ihrem Verstand zweifeln muss: Sie wollen mit ihren Rädern von Gerresheim bis nach Barcelona fahren.

Am 19. Juli geht es los, in höchstens 20 Tagen wollen sie ihr Ziel in Spanien erreicht haben. „Wir schaffen das. Vor drei Jahren bin ich zusammen mit meinem Vater schon einmal bis nach Süditalien geradelt. Das war eine ähnliche Distanz, rund 1600 Kilometer“, erzählt Pino. Als er sich mit seinem Bruder darüber unterhielt, dass man sich doch unbedingt einmal Barcelona anschauen müsse, reifte die Idee, ein weiteres Abenteuer auf zwei Rädern in Angriff zu nehmen. „Wir haben uns einen Schnitt von 100 Kilometern am Tag vorgenommen. Am Anfang können es mehr werden, spätestens in den Alpen natürlich eher weniger“, sagt André. Für Barcelona selbst bleiben voraussichtlich nur zwei Tage, zurück geht’s per Flugzeug.

Über das Portal Airbnb wollen sich die gebürtigen Gerresheimer mit italienischen Wurzeln (der Vater kommt aus Bari, die Mutter ist Deutsche) auf ihren Etappen kurzfristig eine Unterkunft von lokalen Gastgebern besorgen. Pino, Erzieher im Kindergarten, und André, der auf dem Abenteuerspielplatz in Mörsenbroich arbeitet, haben sich insgesamt nur drei Wochen Urlaub genommen, „viel schief gehen darf unterwegs also nicht“, sagt der 28-jährige André, der ein 30 Jahre altes Rennrad fährt, während sein ein Jahr jüngerer Bruder die Reise mit einem Crossbike antritt. „Vor drei Jahren hatte ich bei der Tour nach Italien noch Satteltaschen am Rad, die wogen gefüllt vier Kilogramm. Jetzt nehmen wird nur das Nötigste in Rucksäcken mit: ausreichend Wasser und einmal Klamotten zum Wechseln. Gegessen wird vor Ort an den jeweiligen Etappenzielen“, erzählt Pino Degiorgio.

Beide haben allein schon wegen ihrer jeweiligen Berufe ein großes Herz für Kinder. Daher wollten sie unbedingt ihren schweißtreibenden Abenteuertrip mit einer Spendenaktion für das im Ortsteil angesiedelte Kinderhospiz Regenbogenland verbinden. „Die ursprüngliche Idee war, dass pro gefahrenem Kilometer gespendet werden soll. Aber wir wollten auch niemanden künstlich unter Druck setzen, Hauptsache es wird überhaupt gespendet, egal welcher Betrag“, betont André. Bis zur Abreise wollen die Brüder für ihr Anliegen werben und bei Firmen im Ort anklopfen.

Pino und André Degiorgio sind keine Radsport-Profis, wissen aber, worauf es ankommt, wenn man sich große Ziele setzt. „Die Psyche ist genauso wichtig wie die Physis“, sagt Pino, der bei der „Tor-Tour“ mit seinem Vater nach Italien vor drei Jahren auch den einen oder anderen Rückschlag verkraften musste. „Das Wetter in den Alpen war hundsmiserabel, das war kein Genuss. In Italien waren die Straßen zum Teil sehr schlecht. Als wir mal nicht mehr weiterwussten, hat uns die Polizei gesagt, wir sollten ruhig über die Autobahn fahren, das wäre das Sicherste. Und dann gab’s noch einen tödlichen Motorradunfall. Damals hätte man mir eine Million Euro geben können, ich hätte eine solche Tour freiwillig nie wieder gemacht“, sagt Pino.

Doch inzwischen ist viel Zeit vergangen, und Pino will seinen Bruder ja nicht demotivieren, sondern anspornen. „Wir werden das ganz locker angehen, wollen kein Wettrennen veranstalten, sondern vor allem ankommen. Und natürlich möglichst viel Geld für die Kinder sammeln“, so André Degiorgio.