Bald wird die Kirche leer geräumt

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Eine ungewöhnliche Aktion der evangelischen Gemeinde zur Passionszeit: Sie räumt die Kirche aus, um neue Perspektiven zu bieten.

Düsseldorf..  Karger und ungewöhnlicher geht es kaum noch: ab dem 17. Februar räumt die Evangelische Christus-Kirchengemeinde die Bänke aus ihrer Kirche am Oberbilker Markt. „Am Veilchendienstag räumen wir für sieben Wochen aus. Wir möchten mit diesem Projekt den Besuchern in der Passionszeit ermöglichen, die Kirche sich auf unterschiedliche Weise neu zu erschließen“, sagt Pfarrer Lars Schütt von der Evangelischen Christus-Gemeinde.

Kirchenbänke haben einen ganz eigenen Charme, doch sie machen auch den Raum eng und legen fest. Am vollsten waren sie übrigens immer dann, wenn Heino, der bekanntlich gleich um die Ecke aufgewachsen ist, seine vorweihnachtlichen Konzerte gab

„Was passiert, wenn wir die gesamte Passionszeit von sieben Wochen auf die Kirchenbänke verzichten, uns frei bewegen, neue Perspektiven und Standpunkte einnehmen? Wie erleben wir den Raum, die Musik, die Sprache? Wie begegnen wir uns gegenseitig, uns selbst und Gott?“, fragt Schütt. Das Projekt ist mit zahlreichen Gottesdiensten und Aktionen verknüpft, die Schütt und seine Kollegin, Pfarrerin Sabine Reinhold vorbereitet haben.

Verzichten

Wer fastet, hat die Chance, sich selbst zu überraschen: Fällt es mir leicht, auf Schokolade zu verzichten? Ist mein Leben anders, wenn ich keinen Rotwein trinke? Was entdecke ich, wenn ich jeden Tag einen Psalm lese? „Ich lade alle ein in der Passionszeit, sieben Wochen probehalber auf etwas zu verzichten und Entzug und Entdeckung miteinander zu teilen“, sagt Pfarrerin Sabine Reinhold. Ihre Fastenerlebnisse teilen können Interessierte ab Freitag, 20. Februar, an insgesamt sechs Freitagnachmittagen jeweils um 15 Uhr in der Christuskirche, Kruppstraße 13. Um 15.45 Uhr lädt Reinhold dann jeweils zu einer kurzen Passionsandacht ein. Bibelteilen der Passionsgeschichte Die Methode des Bibel-Teilens ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Auf sehr einfache und niederschwellige Weise kommt eine Gruppe von Menschen ins Gespräch über einen Bibeltext.

Ab Freitag, 20. Februar, jeweils um 15.45 Uhr, haben Interessierte bis Ostern Gelegenheit dazu in der Christuskirche.

Vier junge Leute haben sich von der diesjährigen Jahreslosung „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ inspirieren lassen und eigene Texte dazu verfasst. In einem poetischen Abendgottesdienst am Sonntag, 22. Februar, tragen sie ihre prosaischen, poetischen, ernsthaften, traurigen und witzigen Texte vor.

Dazu erklingt Klavier- und Saxophonmusik. Beginn ist um 18 Uhr in der Christuskirche.

Wer gern gärtnert, der kann unter dem Motto „Handanlegen“ ab Montag, 23. Februar, 15 Uhr, einen Ostergarten an der Christuskirche anlegen. „Nach und nach entsteht eine Landschaft: Jerusalem, die Grabhöhlen, Golgatha. Jede Woche etwas mehr. Immer zu anderen Zeiten, damit jeder mal Hand anlegen kann an unserem Kreuzweg“, sagt Schütt. Donnerstags ab 26. Februar, jeweils um 12.30 Uhr, heißt es „Evangelium statt Gericht“ in der Christuskirche. Als Alternative zu einem schnellen Essen in der Mittagspause erhalten die Mittagsgäste „Nahrung für die Seele, Gesang und Gebet to go“ in der Christuskirche.

„Meditation to go in der leeren Kirche“ heißt es ab Sonntag, 1. März, um 18 Uhr in der Christuskirche, Kruppstraße 13, an jedem Sonntag bis Ostern. Wer möchte, kann sich die leere Kirche völlig selbstständig erschließen. Das Pfarrerteam schickt die Besucher mit einem zufällig ausgesuchten Bibelvers durch den Raum. Anschließend besteht die Gelegenheit, das, was die Einzelnen bewegt hat bei dem Rundgang, mit anderen zu teilen oder mit einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin das Gespräch zu suchen.

Das gesamte Programm des Projekts der Christuskirche „7 Wochen ohne Kirchenbänke“ in der Passionszeit ist auf der Homepage www.christuskirche-duesseldorf.de zu finden und unter der Nummer 72 30 62 zu bekommen.