Aufklärung oder Horror?
08.11.2009 | 11:44 Uhr 2009-11-08T11:44:00+0100Dirk Piper stellt plastinierte Tiere und Embryonen aus - und wird dafür von Konkurrent Gunther von Hagens und der Kirche kritisiert.
Nein, Zurückhaltung ist Dirk Pipers Sache nicht. Bei Kritik an seinem Kunsthandwerk – an der Plastination und deren Präsentation – geht der 46-Jährige gegen Kirche und Konkurrenten in die Offensive. Sicher auch, weil es der Eigenwerbung dient. Noch bis Ende Januar gastiert er mit seiner Ausstellung „Dirk Pipers Art of Bodies“ im Düsseldorfer Süden – in der Tiefgarage des Burg-Wächter-Castellos.
Gerichtsstreit mit Gunther von Hagens
Zuletzt sorgte der Plastinator aus Hamm durch die juristische Auseinandersetzung mit Gunther von Hagens für Schlagzeilen. Der Anatom („Körperwelten“) gilt als Erfinder der Plastination (siehe Infokasten unten) und hatte Piper als einen „billigen Trittbrettfahrer“ bezeichnet, der „Dauerpräparate von schlechter Qualität“ zeige. Vor dem Landgericht Hannover erwirkte Piper eine einstweilige Verfügung, die von Hagens diese Aussage verbietet. Vor fünf Jahren hatte Piper, damals als Veranstalter unterwegs, vergeblich versucht, „Körperwelten“ nach Deutschland zu holen. Von Hagens Absage motivierte ihn, sich „bei den besten Plastinatoren der Welt ausbilden zu lassen“, etwa bei von Hagens einstmals rechter Hand in China.
Was die beiden außer dem Konservierungsverfahren eint, ist die Aufregung über ihre Ausstellungen – für manche Kritiker ein bisschen Horrorshow, für andere unethische Grenzüberschreitungen. Drum hatte Piper, der mehrheitlich Tiere zeigt, nach eigener Aussage „74 Pfarrer und Pastoren aus Düsseldorf und Umgebung schriftlich“ zur Diskussion in seine Ausstellung eingeladen. Keiner sagte ab, keiner kam.
Superintendent sieht Menschenwürde verletzt
Piper wettert: „Ich kann niemanden ernst nehmen, der kritisiert, was er nicht gesehen hat.“ Wo doch die katholische Kirche selbst Mumien – also konservierte Leichen – ausstelle, argumentiert der gelernte Betriebsschlosser und Schmerztherapeut. Er will in Düsseldorf demnächst übrigens auch noch einen plastinierten Leichnam ausstellen, der zuvor zehn Tage im Wald verwest war. Die Maden, mit denen er den Körper dekorieren will, sollen aber lebendig sein.
Ulrich Lilie, Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf, sagt, er habe die Einladung Pipers gar nicht bekommen. „Ich wäre ihr aber auch nicht gefolgt.“ Er hat gegen die konservierten Tiere nichts einzuwenden, sieht aber die Menschenwürde verletzt, „weil menschliche Embryonen und Leichenteile konserviert und zur Schau gestellt werden, ohne dass damit der Wissenschaft gedient ist“. Vielmehr befriedigten die Plastinate der Ungeborenen eine „Form des Voyeurismus“.
Christlicher Träger der Ausstellungshalle betont Unterschied zu "Körperwelten"
Was Dirk Piper freilich bestreitet: „Kein Tier und kein Mensch sind für diese Ausstellung gestorben. Alle Körper wurden mir von Universitäten zur Verfügung gestellt.“ Art of Bodies sei „eine wissenschaftliche Präsentation zu Lehrzwecken“. Und der abgesperrte Bereich, in dem die Humanplastinate zu sehen sind, „ist nur Besuchern ab 16 Jahren zugänglich“.
Plastinationspräparate werden an Universitäten bei der anatomischen Ausbildung von Ärzten eingesetzt.
Das Konservierungsverfahren, bei dem Zellflüssigkeit im Vakuum durch Kunststoff ersetzt wird, ist eine Methode der Histologie (ein Teilgebiet von Anatomie und Pathologie). Der ehemalige Hochschullehrer Gunther von Hagens gilt als Erfinder des Verfahrens, weil seine Arbeitsweise die Plastination großer organischer Präparate ermöglicht. Durch Harz oder Silikon entstehen Präparate, die natürlicher wirken als in Formaldehyd konservierte Organe oder Wachsmodelle.
Die Kritik der Kirchen weist auch Wolfgang Frommann zurück. Er ist Vorsitzender des Rheinisch-Bergischen Vereins Freie Christliche Schulen und entscheidet als Träger mit, was in der Mehrzweckhalle in Reisholz gezeigt wird: „Art of Bodies“ rücke anders als von Hagens „Körperwelten“ tierische Plastinate in den Vordergrund.
"Art of Bodies" bald im Freizeitpark
Ein zweiter Unterschied: Dirk Pipers Ausstellung zeige nichts, „was nicht auch in Anatomie-Schulbüchern abgebildet wird“, argumentiert Frommann.
Obendrein „schauen sich ja nur ohnehin Interessierte die Ausstellung an“. Wobei: Auch Schulklassen haben sich zur Visite angemeldet. Und 2010 will Dirk Piper seine selbst ernannte Körperkunst „in einem Freizeitpark ausstellen“.
09:55
Leider jetzt auch bei uns in Stralsund! Und nun auch noch mit Hitlers Knochen - als ob es so nicht schon pervers genug wäre!
Ich hoffe, keiner geht hin!
19:08
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18:51
Einfach nur zum Kotzen.
18:17
Wie kaputt muß eine Gesellschaft sein, in der sich Menschen Leichen angucken?