Auf offener Straße erstochen

Wegen Totschlags an einem 50-jährigen Kontrahenten wurde beim Landgericht jetzt Anklage gegen einen 59-Jährigen erhoben. Mehrfach hatte es Streit zwischen den beiden Männern gegeben, bevor es im Oktober 2014 vor einem türkischen Café am Kündgensweg zum tödlichen Finale kam. Zwar schlug das Opfer dabei nach Beleidigungen des Angeklagten zuerst mit einer Eisenstange um sich, erst danach zog der 59-Jährige ein Messer. Doch von Notwehr will die Anklage dennoch nichts wissen. Der Mann habe die Attacke des Kontrahenten mehrfach provoziert. So soll die Polizei den Angeklagten wegen Bedrohung des späteren Opfers bereits eine Woche vor der Tat gesucht haben.

Und Gerüchte besagen, der 59-Jährige habe bereits ein Tötungsdelikt in der Türkei begangen. Beim Streit der Männer soll es um die Frau des Angeklagten gegangen sein, die sich von ihm getrennt hatte. Die Schuld daran gab der Angeklagte dem späteren Opfer. Immerhin habe dieser Lkw-Fahrer die Frau zur Trennung ermuntert. Dafür, so die Anklage, habe der 59-Jährige seinen jüngeren Landsmann öffentlich beleidigt.

Das Opfer hatte wegen Bedrohung bereits im April Anzeige gegen den Angeklagten erstattet, eine zweite Anzeige erhob er genau eine Woche vor der Bluttat. Die Polizei hatte nach dem 59-Jährigen gesucht, um ihn zur Räson zu bringen, ihn aber nicht angetroffen. Die nächste Begegnung der Kontrahenten in Lierenfeld endete an dem Nachmittag im Oktober dann tödlich. Laut Anklage soll der 59-Jährige das Opfer wieder beschimpft haben, bis der Beleidigte eine Eisenstange holte, ihn damit verfolgte und ihm damit auf den Kopf schlug. Daraufhin habe der Angeklagte ein Messer gezogen und mehrfach zugestochen, bis das Opfer zusammenbrach. Dem Verletzten gelang es zwar, sich noch einmal hoch zu rappeln, doch als er wieder zusammenbrach, soll der Angeklagte dem Wehrlosen noch drei Mal in den Rücken und zwei Mal in die Seite gestochen haben. Trotz Not-OP ist das Opfer verblutet. Die Anwälte der Opferfamilie wollen über türkische Behörden Informationen einholen, ob der Angeklagte schon 1979 in seiner Heimat einen Menschen getötet hat. Ob die Anklage zu dem aktuellen Fall vom Landgericht zugelassen wird und wann der Prozess beginnen könnte, ist noch ungewiss.