Auf dem vermüllten Abstellgleis

Derendorf..  Mit dieser Dauerbaustelle hat sich die Deutsche Bahn auf ein schier endloses Abstellgleis manövriert. Immer noch türmen sich am Haltepunkt Derendorf, dessen Umgestaltung eigentlich Mitte 2014 abgeschlossen sein sollte, Schutt und Unrat. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Denn die Bahn kündigte jetzt an: Vor 2016 werden die Arbeiten für die neue Bahnsteigkante nicht fortgesetzt.

„Das ist eine Unverschämtheit erster Güte. Wenn man hier ständig Dreck und Absperrgitter ertragen muss, ist die jüngste Fahrpreiserhöhung ein glatter Hohn“, ärgert sich Erika Berthold, die als Pendlerin hier fast täglich ein- und aussteigt. „Müll zieht weiteren Müll an. Deshalb sieht es hier so ätzend aus. Man darf doch zumindest erwarten, dass die Deutsche Bahn hier häufiger sauber machen lässt“, klagt Anwohner Thomas Breuer.

„Schon sehr viele Monate müssen Fahrgäste mit dem Provisorium eines S-Bahnhofs Derendorf leben, zu dem eine Zeit lang das Nichtvorhandensein einer Uhr, fehlende Fahrplanhinweise, ein defekter Aufzug, Dreck und sogar nicht haltende Züge gehörten“, sagt Autor Thomas Bernhard, der den Haltepunkt ebenfalls häufig nutzt. „Wie wohltuend nahmen Fahrgäste und Besucher der Stadt dann ab Sommer 2014 wahr, dass sich an manchen Wochentagen mehr als drei Arbeiter darum bemühten, die Bahnsteige wieder flott zu machen“, so Bernhard.

Hoffnung keimte auf

Nach einiger Zeit hing dann auch eine Uhr am Bahnsteig und dann folgten sogar Leuchtbänder mit Fahrgast-Informationen – ab und zu war nur eine blaue Leuchtfläche zu sehen. Aber das nahmen „die leidgeprüften Pendler als ertragbar hin, denn wenigstens hingen schon mal die blauen elektrischen Info-Anzeigen“, blickt Bernhard zurück. Die Hoffnung keimte auf, dass in diesem Jahr nun endlich ein gepflegter Bahnsteig präsentiert wird. Umso enttäuschter und wütender sind jetzt alle, die – Tag ein, Tag aus – den Zügen entsteigen oder auf die roten S-Bahnen warten: Plakativ bittet nun die Deutsche Bahn um Verständnis, dass frühestens 2016 die Umgestaltung beendet werden kann! Ein Grund: „Erschwernisse im Baugrund“, heißt es. Experten hatten festgestellt, dass hier das Erdreich nicht über die nötige Festigkeit verfügt. Deshalb muss für den Umbau ein komplettes Gleis für längere Zeit gesperrt werden. Das ist mit größeren logistischen Problemen für den S-Bahn-Verkehr verbunden.

Über dieses Erkenntnisse verfügt die Bahn aber schon seit vergangenem Herbst. Eine Lösung scheint dennoch nicht in Sicht zu sein. Ob sich das innerhalb eines Jahres ändert? Viele Pendler am Haltepunkt haben da so ihre Zweifel.