Auf dem Fahrrad in ein neues Leben

Mohamed (vorn) ist jetzt stolzer Besitzer eines wieder fit gemachten Fahrrades.
Mohamed (vorn) ist jetzt stolzer Besitzer eines wieder fit gemachten Fahrrades.
Foto: Stephan wappner
Was wir bereits wissen
Die Zukunftswerkstatt Düsseldorf repariert Fund-Fahrräder und schenkt sie Flüchtlingen. Das schafft Mobilität und spart Kosten.

Düsseldorf..  Mohamed ist 19 und ein schlauer Kerl, der unter normalen Umständen sein Leben sicher allein gemeistert hätte. Doch jetzt braucht er Hilfe. In seiner syrischen Heimat gab’s für ihn keine Zukunft mehr. Acht Monate ist es her, da ist der junge Mann mit seiner Familie vor Mord und Totschlag geflohen und in Deutschland angekommen. Zurzeit wohnt er noch in einem kleinen Hotel in Bilk, in ein paar Tagen geht’s in die neue Unterkunft nach Eller. „Es ist ein komplett neues Leben, in das ich hier in Düsseldorf aber zum Glück mit meiner kompletten Familie gehen kann“, sagt Mohamed im fließenden Englisch. „Wir alle fangen jetzt bei Null an!“

Bei Null anfangen heißt auch, wieder mobil zu werden. Die Zukunftswerkstatt Düsseldorf (ZWD) hat jetzt zum ersten Mal Fahrräder aus dem städtischen Fundbüro aus eigenen Mitteln repariert und sie Flüchtlingen geschenkt. Die symbolische Übergabe der zehn Bikes fand Montagvormittag auf dem Marktplatz vor dem Rathaus statt.

2000 Räder im Fundus der Stadt

2000 Exemplare sind derzeit bei der Stadt gelagert. „Davon sind natürlich nicht alle wieder herzustellen, da man ja auch an die Verkehrssicherheit denken muss“, sagt Armin Weiß von der ZWD. Die Idee dazu hatte Bürgermeister Günter Karen-Jungen bei der obligatorischen Fahrradversteigerung des Fundbüros im Frühjahr und sprach die beiden zuständigen Dezernenten Stephan Keller (Verkehr) und Burkhard Hintzsche (Soziales) an. „So wird die Mobilität unserer Flüchtlinge verbessert, und es müssen keine Fahrscheine von dem ohnehin gering bemessenen Geld gekauft werden“, so Karen-Jungen.

Die Verteilung der Räder übernimmt indes die Diakonie, die in vielen Unterkünften die Betreuung organisiert. „Viele unserer Flüchtlinge kennen sich in Düsseldorf schon gut aus, aber mit dem Fahrrad kann man eine Stadt noch ganz anders und intensiver erkunden“, sagt Sozialarbeiterin Eileen Stiehler. Gerade Räder für Kinder seien in den Unterkünften vonnöten. Das erleichtere den Schulweg, „und das ist für viele Familien auch ein Schritt in die Normalität.“

Das Projekt soll fortgesetzt werden, bei den zehn Fahrrädern soll es nicht bleiben. „Die Nachfrage ist hoch, wir würden natürlich gerne den kompletten Bedarf abdecken, auch wenn das schwierig wird“, sagt Weiß. Er macht sich bereits Gedanken über ein weiteres Folgeprojekt. „Auch die Verkehrserziehung ist wichtig“, sagt er. „Mit dem Rad sollte man schließlich auch sicher unterwegs sein. Man darf zudem nicht vergessen, dass viele Flüchtlinge noch gar kein Fahrrad fahren können.“

Mohamed kann es bereits. Er setzt sich auf den Sattel seines neuen Bikes, tritt in die Pedale und fährt eine Runde über den Marktplatz. Die Sonne scheint. Das Leben geht weiter.