Das aktuelle Wetter Düsseldorf 14°C
Prozess

Architektenmord: Angeklagter schweigt

29.09.2012 | 07:00 Uhr
Architektenmord: Angeklagter schweigt
Stanislav G. soll nicht ertragen haben, dass seine Ex-Frau einen neuen Partner hatte und soll diesen getötet haben.Foto: Jean-Charles Fays/dapd

Der Steinboden des Hausflurs ist schwarz-grau gesprenkelt, hat ein schönes Ornament in Rottönen. Gleich hinter der schweren Haustür aus Holz breitet sich eine riesige Blutlache aus. Hier starb am 1. März der Architekt (41), der gerade heim zu seiner Freundin wollte. Deren Ex-Mann soll hinter der Haustür mit einer Axt gewartet und auf ihn eingeschlagen haben. Gestern begann der Prozess um den brutalen Mord vor dem Landgericht, bei dem auch Fotos des Tatorts zu sehen waren.

Der Angeklagte Stanislav G. (36) ist ein schmächtiger Mann mit einem schmalen, strengen Gesicht. Zu hören ist er nicht, denn er schweigt, sagt auch nichts zu seinen persönlichen Daten. Das Gericht verliest Lebensläufe, die er wohl in Internet-Portalen veröffentlicht hat.

Beste Noten hatte der gebürtige Russe, als er erst in Moskau, dann in Aachen Politik studierte. Anschließend hatte er wohl mehrere Stellen, die aber kaum seiner Qualifikation entsprachen. Bekannt ist auch, dass er verheiratet war, eine kleine Tochter hat. Das Paar trennte sich, die Frau fand in dem späteren Opfer einen neuen Partner und war zu ihm in die Platanenstraße gezogen. Sie wartete im zweiten Stock, als er im Hausflur starb.

Die Polizei nahm Stanislav G. in Luxemburg fest, wo er inzwischen wohnte. Beim Verhör dort soll er zugegeben haben, zum Tatzeitpunkt in Düsseldorf gewesen zu sein. Aber er sei niemals in dem Haus an der Platanenstraße gewesen. Zu der Vernehmung sollte gestern ein Kripobeamter aussagen. Doch die Verteidiger legten Widerspruch ein: Ihr Mandant sei von einem Sondereinsatzkommando völlig überrascht, in Socken abgeführt und nicht ordnungsgemäß belehrt worden. Daher dürfe die Aussage nicht verwertet werden.

Fingerabdrücke des Angeklagten

Das Gericht stellte die Entscheidung über die Verwertbarkeit zurück, beschäftigte sich mit den Spuren am Tatort. Ein Beamter berichtete von Blutspritzern an der Wand und Tropfen durch den Flur – am Ende führt eine Tür in den Garten, eine andere in den Keller. Neben der Kellertür fand man Fingerabdrücke des Angeklagten.

Ein Mieter des Hauses (46) berichtete, wie sein Sohn den Architekten entdeckte. Das Kind wollte sein Sportzeug aus der Waschmaschine im Keller holen, machte aber kehrt, berichtetet von einem Mann auf dem Boden. Der Vater fand dann den Schwerverletzten in der Blutlache, noch röchelnd: „Mir war nicht klar, was passiert war. Ich dachte, er wäre schlimm gestürzt.“ Er klopfte eine Nachbarin heraus, die einen Krankenwagen alarmierte. Der 41-Jährige war nicht mehr zu retten. Die Nachbarin (45) schilderte, dass sie kurz zuvor mehrere dumpfe Geräusche gehört hatte, „irgendwie hektisch“, „als wenn jemand gegen die Tür stößt“. Beim Telefonieren habe sie nicht weiter darauf geachtet.

Katharina Rüth



Kommentare
Aus dem Ressort
Kreativ im Kollektiv
Musik
Die Düsseldorfer Band Colektivo vereint Deutschrap mit lateinamerikanischen Klängen. Ihren Klang haben die Musiker über die Jahre präzisiert und vor allem auf Bühnen an Rhein und Ruhr präsentiert.
Tücken und Gefahren in der dunklen Jahreszeit
Herbst
Der Herbst ist da mit all seiner bunten Blätter-Farbenpracht. Doch wenn die Tage kürzer werden, erhöht sich das Unfallrisiko auf den Straßen. Der ADAC bietet daher in Reisholz kostenlose Fahrzeug-Checks an. Und gegen die aufkommende Herbst-Depression bietet die VHS Düsseldorf einen Gute-Laune-Kurs...
Düsseldorfer Flughafen baut für den XXL-Flieger A380 um
Luftverkehr
Der Airbus A380 könnte schon bald in Düsseldorf landen. Mit großen Umbauarbeiten bereitet sich der Flughafen auf die Ankunft des größten Passagierflugzeugs der Welt vor. Bisher machte der Monsterjet im Linienbetrieb einen Bogen um die Landeshauptstadt. Ein neuer Verbindungsanbau wird derzeit gebaut.
Landgericht Duisburg kassiert Nazi-Devotionalien ein
Nazi-Symbole
Nazi-Plakate hingen über seinem Bett, er trank aus einer Hitler-Smiley-Tasse und wollte in zwei Duisburger Bunkern angeblich ein Museum über Luftangriffe auf Duisburg eröffnen. Verurteilt wurde ein 43-jähriger Düsseldorfer vom Landgericht Duisburg schließlich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.
Düsseldorfs Höhenretter sind die besten in Deutschland
Meisterschaft
Berge gibt es in Düsseldorf keine, trotzdem sind die Höhenretter der Landeshauptstadt bereits zum fünften Mal Deutscher Meister. Bei einem Wettbewerb zwischen 14 Berufsfeuerwehren schlugen sie alle anderen Wachen klar. Und waren mehr als doppelt so schnell im Lösen ihren Aufgaben wie die Kölner.
Fotos und Videos
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Bierpreise in Bundesliga und Region
Bildgalerie
Bierpreise
Meisterschaft der Bodypainter
Bildgalerie
Körperbemalung