Anpassung nicht verpassen!

Zum 1. Juli dieses Jahres werden die Pfändungsfreigrenzen um gut 2,7 Prozent erhöht. War bislang ein Nettobetrag von 1.049,99 Euro unpfändbar, steht Betroffenen (Personen ohne Unterhaltsverpflichtungen) künftig ein Freibetrag in Höhe von 1.079,99 Euro zur Verfügung. Wer Unterhaltsverpflichtungen erfüllt, erhält einen entsprechend höheren Freibetrag.

Die auf einem Pfändungsschutzkonto ( so genanntes P-Konto) geschützten Freibeträge steigen ebenfalls zum 1. Juli 2015, und zwar von bislang 1.045,04 Euro auf dann 1.073,88 Euro.

Die neuen Pfändungsfreigrenzen gelten dabei ohne Übergangsregelung und müssen automatisch, sowohl von Arbeitgebern bei Lohnpfändungen und Lohnabtretungen, als auch von den Kreditinstituten bei einem Pfändungsschutzkonto beachtet werden.

Per Gericht oder Vollstreckungsstelle öffentlicher Gläubiger festgesetzte individuelle Freibeträge muss der Schuldner selber ändern lassen. Die neue Pfändungstabelle erfasst alle Arbeitseinkommen und pfändbaren Sozialleistungen, die nach dem 1. Juli 2015 zur Auszahlung gelangen.

Durch die Erhöhung kann zum Beispiel ein allein stehender Schuldner ohne Unterhaltspflicht bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.300 Euro jetzt 1.141,72 Euro von seinem Lohn behalten. Ist er für eine Person unterhaltspflichtig, kann nichts gepfändet werden.

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, die neuen Pfändungsfreibeträge automatisch zu berücksichtigen, und zwar auch bei schon länger laufenden Pfändungen und Abtretungen.

Vorsorglich empfiehlt es sich daher, dass sich von Pfändung oder Abtretung betroffene Schuldner beim Arbeitgeber oder Sozialleistungsträger erkundigen, ob die neue Pfändungstabelle bekannt ist und angewendet wird.

Aber Achtung: Es gibt keine Automatik bei Gerichtsbeschluss oder Bescheid! Für Pfändungen, bei denen der unpfändbare Betrag vom Gericht oder durch einen vollstreckenden öffentlichen Gläubiger individuell bestimmt wurde, wirken die neuen Pfändungsfreigrenzen leider nicht automatisch.

Hier ist möglichst schnell beim Vollstreckungsgericht zu beantragen, dass der Beschluss abgeändert wird und die Freigrenzen angehoben werden. Hat der öffentliche Gläubiger den Freibetrag per Bescheid bestimmt, muss bei diesem eine entsprechende Änderung beantragt werden.

Hierbei ist dann übrigens Eile geboten, denn die alten Beschlüsse und Bescheide gelten genau so lange, bis dem zuständigen Kreditinstitut eine anders lautende Entscheidung zugeht.

Internet; www.vz-nrw.de