Anna Marén traf am Kap ihre zweite Familie

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Was wir bereits wissen
19-jährige Düsseldorferin verbrachte in einem Freiwilligenprogramm fünf Wochen in Südafrika. Ein Erafhrungsbericht.

Düsseldorf..  Nachdem Anna Marén Ziesener ihr Abitur erfolgreich absolviert hatte, wollte sie einmal etwas ganz anderes tun. „Nicht irgendwo rumreisen und Geld auf den Kopf hauen. Ich wollte etwas Gutes tun und an das andere Ende der Welt. Da lag Freiwilligenarbeit in Südafrika natürlich nahe“, erinnert sich die 19-jährige Düsseldorferin. „Es war einfach ein Land, das mich reizte, von dem es die unterschiedlichsten Ansichten gibt und vor allem ein Land, welches man nicht innerhalb von einem einwöchigen Kurzurlaub erkunden kann. Die Leute, die einmal da waren, waren jetzt noch am Schwärmen – auch wenn der Besuch schlappe 20 Jahre zurück lag.“

Ihr Wunschprojekt an einer Schule in Kapstadt fand sie mit Unterstützung von www.VoluNation.com im Internet. Fünf Wochen verbrachte sie dort.

Mit den Schwächeren Stoff aufgeholt

Ihr Arbeitstag an einer Grundschule begann um acht Uhr morgens und endete zwischen 13.30 und 15 Uhr. „Ich half in Klassen aus, wenn der Lehrer krank oder anders beschäftigt war, unterstützte die Lehrer beim Unterrichten, half schwächeren Schülern und half, organisatorische Dinge zu erledigen. Dabei waren in einer Klasse durchschnittlich 40 Kinder, manchmal sogar mehr. Das war eine ganz schöne Herausforderung. Von daher war es für die Lehrer sehr angenehm, wenn ich organisatorische Dinge erledigte, mich um Rabauken gekümmert habe, aber vor allem, wenn ich mit den Schwächeren Stoff aufgeholt habe. Denn gerade diese leiden unter den großen Klassen“, berichtet sie.

Ein weiteres Problem ist, dass man in Südafrika eine Klasse nicht wiederholen muss. Dies geschieht auf freiwilliger Basis, sagt sie. „Und so bin ich in der dritten Klasse sogar einem Jungen begegnet, der so gut wie gar nicht laut vorlesen konnte. In solchen Fällen ging ich mit den Schülern, meist einer Gruppe von drei bis fünf Schülern auf den Schulhof oder in einen Mehrzweckraum und übte mit ihnen separat. Eine Gruppe ist immer besser, damit sich keiner eingeschüchtert fühlt.“

Kurz vor den großen Sommerferien freute sie sich darüber, dass sie mit ihrer Klasse sogar Sportstunden organisieren durfte. „Der Renner war natürlich Fußball bei den Jungs und Fangspiele mit und ohne Ball bei den Mädchen. Besonders faszinierend fand ich, wie motiviert, glücklich und vor allem konzentriert die Kinder auf einmal waren. Im Unterricht in der Klasse war es oftmals chaotisch und die Kinder waren nicht voll bei der Sache, aber hierbei waren alle voll dabei“, erzählt sie strahlend.

Während der Zeit mit den Kindern hat sie eine Menge dazugelernt. „Man lernt die kleinen Dinge immer mehr zu schätzen, vor allem die, die man nicht kaufen kann. Das fröhliche Lächeln eines Kindes, wenn es in Zusammenarbeit mit dir nach einer halben Stunde Mühe endlich eine Aufgabe gelöst hat, sei sie noch so klein, entschädigt dich anschließend wieder für alles.“

An den Wochenenden und Nachmittagen blieb genügend Zeit, gemeinsam mit anderen Freiwilligen das Land näher kennen zu lernen. Kapstadt, das Kap der Guten Hoffnung und die traumhaften Strände waren ein Muss. Besonders die Menschen in Südafrika haben es ihr angetan. „Sie sind unglaublich freundlich und helfen gerne weiter. Ich habe noch nie so viel mit wildfremden Leuten gesprochen wie in Kapstadt.“

Der Abschied fiel ihr sehr schwer. „Ich konnte es mir am Anfang auch nicht vorstellen, dass mir die Kinder einmal so wichtig werden, aber spätestens nach der zweiten Woche fängt man an, es zu begreifen. Wenn du dich wirklich auf das Projekt, die anderen Freiwilligen und deine Ansprechpartner vor Ort einlässt, viel Zeit mit ihnen verbringst und die unterschiedlichsten Dinge mit ihnen erlebst, dann werden die Kinder aus deinem Projekt irgendwann deine Kinder und die Leute aus dem Freiwilligenhaus zu deiner zweiten Familie, deiner südafrikanischen Familie.“

Eines Tages wird Anna Marén auf jeden Fall zurückreisen.