Anlieger kämpfen um ihren Kö-Kiosk

Große Umwälzungen gehen in der Innenstadt über die Bühne. Die großen Veränderungen sind augenfällig, die kleinen werden schnell übersehen. So ging es auch den Kö-Anliegern, die in dieser Woche in ihrem Verein „Kö-Kulturerbe“ die Restaurierung des Pavillons am Nordende des Boulevards beschließen wollten. „Als wir uns näher mit dem Thema beschäftigten, erhielten wir eine erstaunliche Auskunft“, sagt Peter Wienen, Vorsitzender der Anliegergemeinschaft. „Der Pavillon soll verschwinden und nach der Wiederherstellung des Corneliusplatzes nicht wieder aufgebaut werden.“

Das wollen die Kö-Anlieger nicht hinnehmen. „Das kann doch nicht wahr sein“, sagt Hans Paffrath. Der Galerist sitzt dem Kulturerbe-Verein vor, der sich bereits bei der Restaurierung der Kö-Brücken hervorgetan hat. „Die Pavillons der Kö gehören zur Mitte der Stadt und zur Geburtsstunde der Königsallee, wie wir sie heute kennen. Dieses historische Erbe sollten wir nicht einfach so verspielen.“

Tatsächlich jedoch macht niemand der Stadt einen Vorwurf. „Die Pläne sind bekannt gemacht und vorgelegt worden“, sagt Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement. „Es gab keine Einsprüche.“ Vermutlich ist bei Betrachtung des detailreichen Plans einfach niemandem aufgefallen, dass der Pavillon nicht mehr eingezeichnet war. Denn die Kö wird, wenn die U-Bahn-Baustelle abgebaut wird, im Übergangsbereich zum Hofgarten völlig neu gestaltet.

Vor allem gibt es dann die Möglichkeit, mit dem Fahrrad in den Park zu fahren. Dafür wird der Radweg, der heute an der Kreuzung Theodor-Körner-Straße endet, auf die andere Straßenseite verlängert – und just da steht der Pavillon neben der Normaluhr. Deswegen wurde bereits die Kündigung ausgesprochen. Die müsse jedoch nicht endgültig sein, sagt Blome, dies zu entscheiden, sei aber Sache der Stadtplanung. Fachdezernent Gregor Bonin ist aufgeschlossen und sieht sogar Spielräume. „Wenn man den neuen Pavillon etwas versetzt, könnte es klappen. Wir werden dies jetzt prüfen.“ Niemand wolle ein historisches Erbe auf der Königsallee aufgeben, wenn es anders gehe.

Darüber würde sich vor allem Ralf Eisele freuen. „Wir betreiben den Pavillon seit elf Jahren“, sagt er, vier Arbeitsplätze hingen von seiner Existenz ab. Der Pavillon führt rund 1620 Presseobjekte, um die 150 internationale Titel sind ebenfalls im Programm – aber er ist viel mehr als eine Verkaufsstation. „Wir sind hier eine wichtige Schnittstelle zwischen Schadowstraße, Kö und Altstadt. Die Touristen fragen, wo es zur Altstadt und zum Rhein geht, wo welches Geschäft ist und vieles mehr.“ Prospekte der städtischen Tourismustochter DMT liegen für die Düsseldorf-Besucher ebenso bereit wie Pläne der Kö-Anlieger. „Wir sollten froh sein, dass wir diesen Pavillon haben“, sagt Wienen. „Wir werden für seinen Erhalt kämpfen.“

Wir Düsseldorfer haben uns so sehr an die Baustellen gewöhnt, dass wir uns kaum mehr vorstellen können, wie schön das Nordende der Kö ohne monstergroße Silos und aufgestapelte Container aussehen kann. Aber es wird so kommen: Die Menschen werden nicht vor der großen Werbewand sitzen und auf Autos schauen, sondern rund um den Brunnen auf dem Corneliusplatz, den Magnolienbäume und Blumenbeete schmücken. Hinter dem Platz geht es in den Hofgarten – ein Weg, den schon in einem Jahr auch keine Straßenbahn mehr stört. Zu diesem schönen Ambiente gehört auch der Pavillon, den es dort seit mehr als 100 Jahren gibt. Zeitungen, was Süßes, Softdrinks – und Auskünfte für Touristen. Das hat Charme und gehört erhalten.

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