Angst um die Krawatten?

Verkleidete Frauen feiern am 12.02.2015 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) vor dem Rathaus Karneval. Mit der Weiberfastnacht oder Altweiberfastnacht beginnt die heiße Phase des Straßenkarnevals. Immer am Donnerstag vor Rosenmontag stürmen die Frauen die Rathäuser und übernehmen symbolisch das Regiment. Foto: Maja Hitij/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Verkleidete Frauen feiern am 12.02.2015 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) vor dem Rathaus Karneval. Mit der Weiberfastnacht oder Altweiberfastnacht beginnt die heiße Phase des Straßenkarnevals. Immer am Donnerstag vor Rosenmontag stürmen die Frauen die Rathäuser und übernehmen symbolisch das Regiment. Foto: Maja Hitij/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Was wir bereits wissen
Viele Möhnen hatten am Donnerstag rund ums Düsseldorfer Rathaus ihre Schere vergessen. Der Schlips war trotzdem nicht sicher.

Düsseldorf..  Ein Senfglas, eine Sonnenblume und ein Zebra trinken zusammen drei große Gläser Altbier. Daneben eine Gruppe Marienkäfer. Sie versuchen, für jeden Punkt auf ihrem Rücken mindestens einen Schnaps zu trinken. Unter dem Konfettiregen vor der großen Bühne tanzten, feierten und trankengestern auch weit nach 11.11 Uhr Figuren und Kreaturen aller Art. Überhand hatten – ganz klar – die Frauen. Traditionell übernehmen die Möhnen an Altweiber die Macht in der Stadt und schneiden den Männern ihr bestes Stück – die Krawatte – ab.

Keine Grenzen in Sachen Kreativität

Möhnen fanden sich gestern wie jedes Jahr in der Altstadt zuhauf. Die Kreativität der Kostüme kennt keine Grenzen. Je schriller und bunter, desto besser. Mit Heiterkeit und Glitzer waren sie alle bestens ausgestattet. Doch auf Fragen nach der Schere antworteten einige verlegen oder verwirrt. „Nee, dat machen wir nich“, heißt es von einigen Möhnen aus Lohausen. Es gäbe ohnehin kaum Schlipse zum Abschneiden.

Die Gruppe Marienkäfer kommt aus Oberhausen, die Mädels zeigen sich verwirrt: „Macht man das heutzutage noch auf der Straße?“ fragt die 29-jährige Maria. Sie ist mit ihrer Schwester Stefanie und einigen Freundinnen in der Stadt. Gesehen haben sie das Schlipsabschneiden bisher kaum in der Altstadt. Sie kommen jedes Jahr zum Karneval nach Düsseldorf: „Es klingt klischeehaft, aber die Stimmung hier ist einfach einzigartig.“ Mit dem Straßenkarneval in ihrer Heimat könne man den Trubel in der Landeshauptstadt nicht vergleichen. „Bei uns gibt es auch Umzüge, aber im Alltag flippen die Leute weniger aus. Hier steht die ganze Stadt Kopf.“

Fünf Hippies aus dem Ruhrgebiet geben zu, dass sie lieber etwas trinken wollen, als Männern wegen einer Krawatte nachzulaufen. In ihren Gürteln haben sie kleine Schnapsfläschchen aufbewahrt. „Altweiber muss man einfach nach Düsseldorf.“ Denn nach Köln könne man ja nicht fahren. „Dieses komische Bier aus schmalen Gläsern schmeckt einfach nicht.“ Den Möhnen-Brauch finden sie aber gut: „Das schadet den Herren gar nichts, wenn wir mal für einen Tag die Stadt übernehmen.“

Die Scheren schneiden nach wie vor auf den Straßen zwischen Burgplatz, Marktplatz und Carlsplatz. Veronika und ihre Freundinnen sind extra für Altweiber aus Kiel angereist. Sie haben nicht nur gefleckte Kuhkostüme an, sondern auch eine Schere dabei. „Die habe ich von der Arbeit ausgeliehen, die darf nicht verloren gehen“, so die 35-jährige Veronika. „Bisher kam das Utensil aber nicht zum Einsatz, wir haben noch keinen Schlips gefunden.“ Sie waren zwar noch nie zum Karneval in Düsseldorf, eine Schere haben sie an Altweiber aber jedes Jahr dabei.

Tatsächlich waren auf den Straßen der Düsseldofer Altstadt gestern nur wenige Herren mit Schlips unterwegs. Zu vielen der ausgefallenen Kostüme ist eine Krawatte aber auch undenkbar. „Ich bin ein Senfglas, habt ihr schonmal ein Senfglas mit Krawatte gesehen?“ sagt der 22-jährige Marko zu seiner Verteidigung. Auch seine Freunde, ein lebensgroßes Bierglas und zwei Mitglieder der Comic-Verbrecherbande „Panzerknacker“ können sich keinen Schlips zu ihrer Verkleidung vorstellen...