Angeklagter räumt Schüsse auf Frau (22) am Düsseldorfer Hauptbahnhof ein
21.11.2011 | 14:43 Uhr 2011-11-21T14:43:00+0100
Düsseldorf/Bochum. Er schoss am Düsseldorfer Hauptbahnhof um sich, nahm eine junge Frau (22) als Geisel und schoss ihr auch noch in den Kopf - was sie zum Glück überlebte. Montag begann vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen einen 48 Jahre alten Bochumer, der wohl psychisch krank ist.
Er schoss am Düsseldorfer Hauptbahnhof um sich, nahm eine junge Frau (22) als Geisel und schoss ihr auch noch in den Kopf - was sie zum Glück überlebte. Montag begann vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen einen 48 Jahre alten Bochumer, der wohl psychisch krank ist.
„Es ist nicht mehr wie früher.“ So fasst die 22-Jährige zusammen, was sich für sie seit dem 31. Mai 2011 verändert hat. Dem Tag, an dem sie die Geisel des verwirrten Amokläufers am Hauptbahnhof in Düsseldorf war und er sie fast erschoss. Am Montag sagte sie vorm Landgericht aus. Dort wird dem Schützen (48) seit gestern der Prozess gemacht.
Die Studentin kann nur schluchzend von den schrecklichen Minuten erzählen, gestützt von ihrem Bruder neben ihr. Sie hatte mit Kopfhörern an einer Haltestelle am Bahnhof gesessen, die Aufregung um sich herum nicht bemerkt: Der Angeklagte hatte in der Bahnhofshalle auf Polizisten geschossen - ohne zu treffen -, war dann auf den Vorplatz gelaufen. Dort hatte er einen Jungen (13) ergriffen, der sich aber befreien konnte.
In Todesangst geschrien
Dann ging er zu ihr. „Plötzlich stand ein Mann vor mir, mit einer Waffe“, erinnert sie sich. Er habe verlangt, dass sie aufsteht, gesagt: „Du bist jetzt meine Geisel“, sie umgedreht und ihr die Pistole an den Hinterkopf gedrückt. „Ich habe sie die ganze Zeit gespürt!“
Dann erst habe sie die Polizisten gesehen, die auf ihn zielten. Die forderten, dass er die Waffe hinlegt. Er habe die gleiche Forderung an sie gestellt. „Ich habe in Todesangst geschrien, dass sie die Waffen hinlegen. Das haben sie nicht gemacht. Da hat er abgedrückt!“ Sie bricht mit Weinkrämpfen zusammen.
Die Pistole war zum Glück nur ein Nachbau einer historischen Waffe. Dank ihrer geringen Schlagkraft blieb die Kugel vor dem Knochen stecken, sonst wäre der Schuss tödlich gewesen. Jetzt hat sie mit den psychischen Folgen zu kämpfen: „Man sieht in jedem Menschen jemanden, der eine Pistole ziehen könnte.“
Der Angeklagte bleibt bei diesen Schilderungen ungerührt. Blickt unter seinem Kappenschirm im Saal herum. Er hat bereits seine Rechtfertigung abgegeben: Er habe seine Sammlerwaffen nach Düsseldorf zur Reparatur bringen wollen. Als die Polizisten ihn ansprachen, „habe ich Panik gekriegt. Ich habe mich spontan entschlossen, den Halbverbrecher raushängen zu lassen.“ Mit der Frau habe er sich im Wartehäuschen verschanzen wollen, aus Angst vor den Schüssen der Polizei. „Ich habe durch die Haare neben ihrem Ohr geschossen. Es sollte auch nur ein Warnschuss sein.“ Leider habe sie ihren Kopf bewegt.
Der 48-Jährige soll an Schizophrenie leiden
Der 48-Jährige soll an Schizophrenie leiden, war schon länger in der Psychiatrie. In den 90er Jahren fiel er in Dortmund auf, weil er überall Graffiti an eine „Claudia“ ansprühte. Aktuell hat er sich nicht von einer Psychiaterin begutachten, verlangte, dass sie vom Prozess ausgeschlossen wird. Das Gericht lehnte ab.
02:03
hatte großes Glück.
Ich denke, dass man den Angeklagten einweisen sollte. In einer Klinik ist er am besten aufgehoben.
20:05
"Aktuell hat er sich nicht von einer Psychiaterin begutachten."
Ansonsten: gut, dass die junge Frau überlebt hat. Ich wünsche ihr viel Kraft, dieses Trauma zu verarbeiten. Zumindest hatte sie einen guten Schutzengel.
15:17
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.