Angeklagter beleidigt psychiatrischen Gutachter

Mit groben Beleidigungen, wüsten Pöbeleien und einem aggressiven Auftritt hat der 44-jährige Angeklagte im Landgerichtsprozess um einen Mordanschlag auf die Hellseherin „Esmeralda“ gestern für einen Eklat gesorgt. Zuvor hatte er sein Geständnis wiederholt, wonach er die 68-Jährige im Mai 2014 an deren Wohnungstür durch Messerstiche und –schnitte schwer verletzt hat. „Die Tat tut mir leid“, so der Angeklagte. „Eine Strafe dafür ist gerecht.“ Doch als ein Psychiater dann den 44-Jährigen als narzisstische und hysterische Person beschrieb, rastete der Angeklagte aus. Er wurde vom Prozess ausgeschlossen, die Verhandlung ging ohne ihn weiter.

Laut Gutachten des Psychiaters muss der Angeklagte wegen des Mordversuchs nicht nur mit einer Haftstrafe rechnen, sondern womöglich auch mit der Unterbringung in einer Psychiatrie-Klinik. Denn bei der hier angeklagten Bluttat sei der Angeklagte wegen einer Persönlichkeitsstörung wohl nur eingeschränkt schuldfähig gewesen – und es müsse bei ihm wegen dieser „schweren, dauerhaften Erkrankung“ auch künftig mit gewalttätigen Attacken gerechnet werden. Daher plädierte der Experte auf eine zusätzliche Unterbringung und Behandlung des 44-Jährigen in einer forensischen Klinik-Abteilung.

Der Angeklagte hatte zuvor sein Geständnis noch erweitert. Er habe „ausgeprägte Instinkte“, sagte er – und habe daher genau gewusst und gefühlt, dass seine damals neue Freundin Vanessa schwanger gewesen sei – und dass Esmeralda trotzdem mit „schwarzer und weißer Magie und mit Voodoo“ erreicht habe, dass Vanessa nicht beim Angeklagten geblieben, sondern doch zu ihrem langjährigen Partner zurückgekehrt sei. Inzwischen habe sie Zwillinge zur Welt gebracht, was aber verheimlicht würde.

Die Frau hatte dagegen als Zeugin versichert, dass sie nicht schwanger war, keine Kinder hat. Der Gutachter geht davon aus, dass beim Angeklagten zwar „kein Hinweis auf wahnhafte Störungen“ vorliege, dass dessen hysterische Persönlichkeit aber zu Dramatisierungen neige und dazu, die „eigene Großartigkeit“ zu betonen. Hier fiel der Angeklagte dem Gutachter erneut und diesmal mit Flüchen und Beleidigungen ins Wort, wurde dafür ins Hausgefängnis abgeführt. Mitte Februar will das Landgericht zu einem Urteil kommen.