Am Anfang gab’s nur einen Haufen Holz

Das Zentrum auf einen Blick: (von links) Glockenturm und Tempel, das Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäude und das „Haus der Begegnung“ (rechts) Unten das Arztkönigstor am Eingang des Gartens.
Das Zentrum auf einen Blick: (von links) Glockenturm und Tempel, das Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäude und das „Haus der Begegnung“ (rechts) Unten das Arztkönigstor am Eingang des Gartens.
Foto: Eko-Haus
Was wir bereits wissen
Eko-Haus: Das Zentrum der Japanischen Kultur feiert dieses Jahr 30-jähriges Bestehen

Düsseldorf. Einen besonderen Geburtstag feiert dieses Jahr das Eko-Haus der Japanischen Kultur. Vor 30 Jahren wurde der Verein für ein dem Shin-Buddhismus geweihtes Zentrum gegründet, das sich heute als integraler Bestandteil der Düsseldorfer Kulturlandschaft darstellt. Ein Publikumsmagnet, der weit über Stadt- und Landesgrenze hinaus bis in Ausland wirkt. Grund für den Priester und Direktor des Hauses Takao Aoyama und seine Mitarbeiter, das diesjährige Garten- und Nachbarschaftsfest am Samstag, 4. Juli, mit dem runden Geburtstag zu feiern.

Die Geschichte der Tempelanlage begann, als Yehan Numata (1897-1994) während seines USA-Studiums auf viele Vorurteile gegenüber Japanern gestoßen war. Darunter hat er sehr gelitten, so dass in ihm der Gedanke reifte, die buddhistische Kultur den Menschen im Westen nahezubringen. Sein Traum von einem japanischen Kulturzentrum bekam Auftrieb durch den Antiquitätenhändler Karl Bengs. Der hütete sorgsam einen Haufen Hölzer und Ziegel, die von einem 90-jährigen japanischen Wohnhauses stammten, das nahe Tokio auf den Abrissbagger wartete. Bengs hatte es auf einer Japan-Reise, entdeckt, zerlegen und nach Düsseldorf transportieren lassen. Hier lagerten die Teile in einer Bilker Halle während Bengs nach einem Verwendungszweck suchte.

Das kam Yehan Numata entgegen, der darüber nachdachte, das Holzhaus im japanischen Baustil wieder aufbauen zu lassen und mit Tempel zu einem Kulturzentrum zu machen. Die finanzielle Basis legte er 1985 durch die Gründung des Vereins „Buddhist Promoting Foundation“ (heute „Eko-Haus der Japanischen Kultur“). Dieser erwarb 1987 ein etwa 10 000 Quadratmeter großes Grundstück in Niederkasse.

1988 war die Grundsteinlegung für das Eko-Haus. Nach und nach wurden Tempel, Holzhaus, Gartenanlage und Glockenturm fertiggestellt. 1999 kam der letzte Baustein, das „Haus der Begegnung“ (Kyoseikan) dazu. Dort befindet sich ein Kindergarten, den zu Hälfte auch deutsche Kinder besuchen, Bibliothek, Leseräume Gästezimmer und ein kleiner Festsaal. Im Jahr 2000 war das aus einem „Haufen Holz“ entstandene japanische Kulturzentrum komplett

Tempel ist das Herz der Anlage

Herz der Anlage ist der Tempel, dessen massives Dach durch seine geschickte Bauweise den Betrachter im Unklaren lässt, ob es emporsteigt oder sich senkt. Das Spiel zwischen Schwere und Leichtigkeit, Erde und Himmel weist den Weg zu einer wesentlichen buddhistischen Erkenntnis: der wechselnden Bezogenheit aller Dinge. Weil das Eko-Haus eine Einrichtung des in Japan weit verbreiteten Shin-Buddhismus ist, steht im Zentrum der Verehrung Buddha Amida und die „Lehre vom Reinen Land im Westen“. Symbolisiert wird es durch das Licht, das im Altarraum über und über durch glänzendes Gold zum Ausdruck kommt. Übersetzt heißt „Eko“ gütiges Licht, das grenzenlos in alle Richtungen strahlt. Erster Priester und Direktor war Muneto Sonoda. 2002 ging er nach Japan zurück, an seine Stelle trat Takao Aoyama.

Neben dem Tempel ist der gepflegte japanische Garten ein Fixpunkt des Zentrums und eine Oase für Ruhesuchende. Er ist in zwei Typen unterteilt – in Teich- und Steingarten. Sinnbild für die „Insel der Seligen“ und „heiligen Berge“, die das Paradies spiegeln. So stellt der Garten eine göttliche Oase der Ruhe dar, die die Besucher nur mit „reinen Gedanken“ betreten sollten. Damit sie das auch beherzigen, müssen sie am „Arztkönigstor“, das den Eingang des Gartens markiert, über eine Schwelle steigen, bevor sie einen Fuß in den Garten setzen können.

In 30 Jahren hat sich das Eko-Haus zu einem Zentrum entwickelt, das nicht nur bestaunt wird, sondern im Sinne von Yehan Numata und dessen Sohn Toshihide von vielen Menschen besucht wird. Denn dort kann nicht nur die japanische Bevölkerung ihre vertrauten Bräuche feiern. Vielmehr haben abendländisch geprägte Menschen die einzigartige Möglichkeit, sie kennenzulernen – und auch daran teilnehmen. Darüber hinaus werden zahlreiche Veranstaltungen geboten wie Konzerte, Ausstellungen, Filmvorführungen und Seminare. Und wer Ikebana- und Kalligaphie-Kurse belegen oder sogar Japanisch lernen will, ist ebenfalls im Eko-Haus an der richtigen Adresse.

Ein besonderes Ereignis ist jedes Jahr das Silvesterfest (Joya-no kane), das auch die deutschen Nachbarn gern mitfeiern. Im Mittelpunkt steht die große Glocke, die jeder schlagen kann. Der tiefdröhnende Klang soll die Seelen von ihren Leiden erlösen und gleichzeitig um gute Gesundheit bitten. Weil geglaubt wird, dass der Mensch 108 Leiden habe, wird die Glocke genauso oft geschlagen. Beliebt sind auch die Tee-Zeremonien der „Urasenke-Schule“, die in den großen Räumen des Holzhauses zelebriert werden. Sie werden zusammengelegt, so dass 20 Personen an der Zeremonie teilnehmen können – allerdings nur mit vorheriger schriftlicher Anmeldung.

Besonders nachgefragt sind Gruppenführungen von Schulklassen. „50 Prozent der Besuchergruppen waren bisher Schüler aller Jahrgangsstufen und Schulformen, in deren Unterricht Japan thematisiert wurde“, sagt Michael Kuhl, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hauses. Er nehme sich gern Zeit, interessierten Besuchern im Rahmen einer Führung Aspekte von Gärten, Haus und Tempel des Eko-Hauses näher zu bringen.

www.eko-haus.de