Alter Kämpfer

Er ist Physiker, Ingenieur, Autor, Dolmetscher und hat mehrere schwarze Taekwon Do-Gürtel, so genannte Dans, im Schrank: Von einem typischen Rentnerdasein ist Edgar Geller meilenweit entfernt. Warum auch, wenn man im hohen Alter quasi noch Bäume ausreißen kann? Das nächste Projekt des 90-Jährigen: ein neuer Selbstverteidigungskurs für Senioren.

Erst mit 70 Jahren hat der Pempelforter laut eigener Aussage angefangen, sich für die Kampfsport zur Selbstverteidigung zu begeistern. Und bereits von Anfang an liefe es sehr gut.

„Gelernt habe ich in der Sportschule Lee in Hilden bei Großmeister Lee, Yoo-Young“, erzählt Edgar Geller, der im Dezember 1925 im rumänischen Câmpina zur Welt kam. „Anfangs wollte Herr Lee mich aufgrund meines Alters gar nicht aufnehmen, aber ich war gut und wurde von ihm schnell zu Meisterschaften geschickt.“

Beachtliche Pokalsammlung

Inzwischen hat Edgar Geller eine beachtliche Pokalsammlung sowie mehrere schwarze Gürtel vorzuweisen. Und gerne gibt er sein Können an andere Menschen weiter. „Auch eine 80-jährige Dame kann sich gegenüber jungen, starken Männern behaupten. Man braucht nicht viel Kraft, aber die richtige Technik.“ Im Neusser Polizeiverein habe Geller bereits jede Menge Senioren in Selbstverteidigung und -bewusstsein geschult. Senioren stärken.

Ob Kung-Fu, Judo oder Taekwon-Do: In seinen Kursen zeige er den Teilnehmern, was sie bei einem Angriff oder Überfall auf der Straße brauchen, um sich zur Wehr setzen zu können. „Anfangs sind gerade ältere Leute sehr skeptisch, aber nach den ersten Erfolgserlebnissen lassen sie nicht mehr locker. Und man muss auch dran bleiben.“ So trainiere auch Edgar Geller selbst täglich zu Hause.

Seit 35 Jahren lebt Edgar Geller bereits in Düsseldorf, und das mit seiner 25 Jahre jüngeren Frau Mariana. Und man könnte fast meinen, Edgar Geller und sie wären ein und derselbe Jahrgang. Was ihn jung halte? Er gehe früh schlafen, esse gesund und nicht übermäßig viel und – ob Schwimen, Tennis oder Skilaufen – er sei in seinem Leben stets sehr sportlich gewesen. Geller: „Ich genieße das Leben und habe neben vielen Dummheiten auch immer den Mund aufgemacht – und nichts runtergeschluckt.

Geistig halte sich das Ehepaar – Edgar Geller spricht fünf Sprachen – mit Dolmetschertätigkeiten fit. Zudem habe er einige technisch-wissenschaftlichen Veröffendlichungen und Bücher im In- und Ausland verfasst. Sein aktuelltes Werk heißt: das Buch „Alt werden – jung bleiben“.