Alles klar für Schneider Wibbel
09.07.2010 | 21:58 Uhr 2010-07-09T21:58:00+0200
Düsseldorf.An diesem Abend ist alles anders. Es ist heiß, die Probe ist verschoben. Regisseurin Dagmar Denkena ist übers Wochenende aus der stickigen Stadt geflohen. „Ihr seid so gut. Ihr kommt auch mal ohne mich klar“, sagte sie zum Abschied. Recht hat sie. Die Zeit wird natürlich genutzt.
Das Leitungsteam der Rheinischen Bühne Düsseldorf sitzt auch bei 35 Grad dampfend am Tisch der Zunftstuben, um Details zu besprechen. Susanne Kamp klappt den Laptop auf. Bitteschön, alles da: Von der Internetseite bis zu den Pressefotos. Bald sind die Kostüme fertig. Noch rund zwei Monate bis zur Premiere.
Alle zwei Jahre ein Stück
Für das neue Theater ist es das erste Stück. Zwölf Mitstreiter gibt’s, sechs stehen auf der Bühne. Wobei alle schon Schauspielerfahrung haben. Sie traten im Theater an der Luegallee auf, mit den Henkelanern und der Hubbelrather Schützenbühne. Erika Smauder, die Schneider Wibbels Gehilfen Mattes spielt, ist regelmäßig im Schnibbel Theater zu bewundern. Nach dessen Vorbild soll auch künftig Theater gemacht werden: Mundart - und Stücke mit Düsseldorf-Bezug. Alle zwei Jahre wird es eine Premiere geben. Bis zu 30 Vorstellungen jährlich sind geplant.
Alle sind mit Feuereifer bei der Sache. Vor einem Jahr gründete sich die Rheinische Bühne. Ein Stück war schnell gefunden. 2009 wäre der Düsseldorfer Hans Müller-Schlösser 125 Jahre geworden, Sein „Schneider Wibbel“ wurde schon lang nicht mehr aufgeführt. „Ein Volksschauspiel“, sagt Kamp, „anspruchsvollste Unterhaltung.“
Sie kümmert sich um das Marketing, Geschäftsführerin ist Heike Buchwald. „Seither hat sie sich zur Kameltreiberin entwickelt“, scherzt Kamp, und die zarte Frau Buchwald nickt vergnügt. Und was es nicht alles zu tun gab! Von der Sicherung der Rechte bis zum Auffinden eines guten Regisseurs. Denn eins stand für die Rheinische Bühne immer fest. Professionell oder gar nicht. Dann plötzlich ein Problem: Das Schauspielhaus zeigt in der Saison 2010/11 ebenfalls „Schneider Wibbel“. Inzwischen hat man sich geeinigt: Die Rheinische Bühne spielt die kleinere Version, eingerichtet von Oscar Schuh. Das Profi-Theater die große.
Eine Bühne fand sich in den Zunftstuben. Kostümbildner Claus Stump entwarf historische Kostüme, die gerade maßgeschneidert werden. Von Kunstmaler Erwin Grüneschild stammen Plakate und Karten. Mit Dagmar Denkena von der Freien Bühne Düsseldorf kam ein weiterer Profi dazu, der gleich Stimm- und Konzentrationsübungen ansetzte. „Genial, die Frau“, lobt „Mattes“ Smauder. „Was die aus uns herausgeholt hat!“ Seit Monaten wird regelmäßig geprobt, echt Mundart. Smauder: „Wir haben das Stück fast auf der Bühne.“
Günther Buchwald grinst sich eins. Er ist Handwerker und richtet die Bühne ein, ehrenamtlich wie auch die anderen Theatermacher. Heike Buchwald ist die gelernte Maskenbildnerin. 35 000 Euro hat die Rheinische Bühne investiert - ein Teil des Erlöses soll in Projekte für Jugendliche fließen. Erster Nutznießer ist „Pänz in de Bütt“. Danach profitieren weitere junge Talente von den Einnahmen.
Die Zeichen stehen gut. Der Vorverkauf läuft prima. Lohnt sich der Aufwand? Alle nicken. Weil’s Spaß macht. Was genau? Smauder übernimmt. „Man lebt auf der Bühne anders“, sagt sie. „Sonst steckt man immer in Zwängen. Im Theater kann man das verwirklichen, was man eigentlich leben will. Und außerdem bringe ich gern Menschen zum Lachen.“ Da bellt BB, der Theaterhund. Wow. Manchmal haben sie Recht, die Menschen.
Premiere am 17. September, 19.30 Uhr, Zunftstuben, Bilker Straße 36. Alle Infos www.rheinische-buehne-duesseldorf.de
0mitdiskutieren