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Alles geht aus dem Leim

03.10.2008 | 18:57 Uhr

PREMIERE. Eine fidele Gesellschaft: Das SeTa spielt im FFT Bertolt Brechts "Kleinbürgerhochzeit".

1919 war's. Der 21-jährige Bertolt Brecht hatte den "Baal" schon geschrieben, da drängte es ihn, der bürgerlichen Gesellschaft einen grotesken Zerrspiegel vorzuhalten. "Die Hochzeit" hieß der für Aufsehen sorgende Einakter damals, später wurde dann die "Kleinbürgerhochzeit" daraus. Vorab sei gesagt - Anstoß erregen kann das Stück heute nicht mehr, und auch als satirischer Fausthieb eignet es sich kaum, aber das SeTa, das Seniorentheater in der Altstadt, hat im FFT-Juta unter der Regie von Marlin de Haan daraus gemacht, was es hergibt - eine gute Stunde boulevardesker Komödie mit Niveau und etwas Klamauk.

Gelage mit Kabeljau

Da sitzt sie an der langen Tafel, die gar nicht so feine Gesellschaft, aber immerhin noch fidel, es wird, wie es sich für eine Hochzeit gehört, getafelt. Ein großer Plastikfisch ist Symbol für das Gelage mit Kabeljau. Der kauzige Vater der Braut (Gerd Hendricks) möchte dauernd Anekdoten erzählen, aber er vergisst immer alles, Zeit lässt man ihm auch keine, denn hier ist jeder mit sich selbst beschäftigt, vor allem das Brautpaar. Dass dies, der Natur des Seniorentheaters entsprechend, mit ebensolchen besetzt ist, könnte fast als Brechtscher Verfremdungseffekt durchgehen.

Die Braut (Gisela Lang) ist schwanger, mit leidensvoller Miene erträgt sie in fast schon chaplinesker Ergebenheit das sich anbahnende Chaos, am Ende dann allerdings auch nicht mehr. In dessen Mitte sitzt der Bräutigam (Erwin Gruber), der so stolz darauf ist, sämtliches Mobiliar eigenhändig hergestellt zu haben.

Selbst den Leim hat er persönlich angerührt. Das hätte er besser bleiben lassen, und so muss auch er mit Buster Keaton-Miene, also stoisch verzweifelt, mit ansehen, wie sich sein Werk auflöst. Wie im Laufe des Stücks Stühle, Schränke und Betten aus dem Leim gehen, so wenig hält auch die bürgerlichen Gesellschaft zusammen. Das zumindest wollte der Dichter wohl sagen.

Wirklich bösartig wirkt das alles nicht, und wenn der immer wieder als feiernde Meute auftretende Rest des Ensembles am Ende wie eine Horde Zombies über die Bühne wankt, dann wird das Bild schnell beendet, bevor es wirklich bedrohlich wird. Bleibt die Einsicht, dass aus BB auch ein recht erfolgreicher Schreiber von Boulevardkomödien hätte werden können. Herzlichen Beifall gab es vom fast ausverkauften Haus für die Leistung der Akteure und des Regieteams.

Nochmal heute, 4. Oktober, 20 Uhr, 5. Oktober, 15 Uhr, und 7.Oktober, 15 Uhr. FFT Juta, Kasernenstraße 6, Karten unter Tel: 876787-18 oder im Internet unter www.forum-freies-theater.de

THOMAS HAG

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