All wissend

Erkrath..  Der dreijährige David dürfte für die beiden Verantwortlichen der Sternwarte Neanderhöhe, Thomas Presper und Thomas Niemann, der Traum-Besucher schlechthin sein. Nachdem er eine gute halbe Stunde im Planetarium unter halbkreisförmiger Kuppel gesessen und „Peterchens Mondfahrt“ erlebt hat, stürzt er sich im Foyer auf die Bilder von Planeten. Sogar das Wort „Planeten“ spricht er schon laut und deutlich aus und zeigt in einem Flyer mit dem Fingerchen auf ihre Abbildung. „So sollte es sein“, sagt Presper. Das Bilderbuchmärchen, das mit bunten Darstellungen an die Leinwand projiziert wird, soll das Interesse am Himmel wecken und neugierig auf das Planetarium machen, das für jede Altersgruppe so viel zu bieten hat.

„Peterchens Mondfahrt“, die 100 Jahre alte Erzählung von Gerdt von Bassewitz, die schon unsere Eltern und Großeltern kannten, läuft seit drei Jahren im Planetarium im Bürgerhaus an der Sedentaler Straße, und zwar mit unverminderter Resonanz. Auch gestern waren alle 56 Sitze besetzt – vorwiegend mit Großeltern und ihren Enkeln. Die kamen nicht nur aus Erkrath, sondern auch aus Langenfeld und Düsseldorf. Eigentlich ist die Erzählung von Anneliese und Peterchen, die zusammen mit dem Maikäfer Sumsemann das verlorene sechste Bein seiner Spezies auf dem Mondberg suchen, ein bisschen aus der Mode.

Und im Planetarium wird die Geschichte sehr konventionell und ohne überflüssigen technischen Schnickschnack erzählt. Obwohl das Sternwarten-Team das ohne weiteres könnte. „Es ist eine entschleunigte Vorführung“, erklärt Presper. „Das finden auch viele Eltern gut. Würden den Kindern die Effekte nur so um die Ohren fliegen, würden sie bald das Interesse verlieren.“

Und so gibt es nur drei oder vier eindrucksvolle Überraschungen für die Zuschauer: zum Beispiel, wenn Peterchen und Anneliese plötzlich mit Sumsemann in den funkelnden Sternenhimmel abheben und der Erdball am Rand der Leinwand auftaucht. Wie Weltraumfahrer schweben die kleinen Zuschauer durchs All. Es geht ein Raunen durch den Raum. Und die vierjährige Marie fragt aufgeregt ihre erwachsene Begleitung: „Bewegen wir uns jetzt oder nur das Drumherum?“ „Das fragen übrigens auch manche Erwachsene bei anderen Vorführungen“, sagt Presper. Nein, antwortet er dann, „das hier ist auch keine optische Täuschung, sondern eine Illusion.“

Und die lieben auch die Kinder. Zum Beispiel wenn der düstere Mondwald – mit sechs Projektoren an die Kuppel gezeichnet – sie komplett umgibt. Dann hält es sie nicht mehr auf den Sitzen und sie drehen sich um sich selbst, um nur ja auch alles mitzubekommen.

Das packt auch die HD-verwöhnten jüngsten Fernsehgucker. Peterchens Mondfahrt in Erkraths Planetarium ist eine Mischung aus einer nostalgischen Bildergeschichte, die mit ruhiger Erzählstimme vermittelt wird, mit ein paar High-Tech-Einsprengseln. Marie und ihrer Schwester gefiel der Sternenhimmel am besten. Und der Schluss der Aufführung, als Torsten Niemann mit seinem Computer die Tierkreiszeichen an die Kuppen zaubert und die Jungen und Mädchen sich die Hälse nach Bär, Hund und Schlange verrenken.