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Alice im China-Land

22.11.2012 | 15:00 Uhr
Alice im China-Land
Studenten der Hochschule Niederrhein stellen im Hetjens Museum aus. Im Vordergrund die Arbeit „Fragile Fasade" von Ava Boemeke und Nils Sprenger.Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf. Die Atomkatastrophe von Fukushima ist Britta Rübenach und Katherina Pawlaschyk gut im Gedächtnis geblieben. „Obwohl das Thema aus den Medien völlig verschwunden ist“, bemerken die jungen Frauen kritisch. Sie haben mit Keramik ein Sinnbild gegen das Vergessen geschaffen: Kühltürme aus Steinzeug, Atemmasken aus Schälchen wie sie in Asien zum Essen benutzt werden. „Alltag und Katastrophe sind in Japan eng verknüpft“, erklärt Pawlaschyk. „Das Unglück wird verdrängt.“ Dagegen richtet sich der Blick ihrer Studienkolleginnen Zanele Ncube und Katharina Rzepka auf moderne Seelennöte. Ihre Exponate widmen sich dem Schönheitswahn. Ein Pokal, extrem tailliert, „Herr, gib mir die Kraft und den Mut, meinen Körper zu betrachten“, steht in seinem Innern neben dem Abbild einer dicken Frau. Eine Arbeit mit dem Titel „Magersucht“.

Von wegen altmodisch

Gestern herrschte im Ausstellungsraum des Hetjens Hochbetrieb. Rund 15 junge Leute präsentierten Keramikarbeiten. Zusammengeführt hat sie Gerhard Hahn vom Fachbereich Design der Krefelder Hochschule Niederrhein. Er betreute das Projekt, bei dem sich je ein Produkt- und ein Kommunikationsdesigner zusammenschlossen. Heißt: Von einem Studierenden stammt der Entwurf, der zweite kümmerte sich um Ausführung und Gestaltung.

Helen Wolters und Polina Oliger sind ein Dream-Team. Finden beide. Sie lernten sich beim einführenden Workshop kennen und entdeckten, „dass wir Lust haben, etwas ganz Ungewöhnliches zu machen.“ Auf ihrem Tisch dreht sich alles um „Alice im Wunderland“. Eine verrückte Welt, schief und schräg. Ein Riesentrichter zieht Alice mit Uhr, Lampe und Buch in die Tunneltiefe herab. Daneben klammern sich Kaffeekannen mit ihren Tüllen hilflos an rettende Möbelkanten.

Die Welt der Politik wiederum interessiert Nils Sprenger und Ava Boemeke. Sie schufen eine Pyramide aus Ton und tauften sie „Fragile Fassade“. Gemeint ist das moderne China, das Wirtschaftsmacht ist, „aber politisch rückständig“, sagt Sprenger. „Die Wirtschaft beruht auf der Unterdrückung der Unterschicht“. Systeme lasten aufeinander, scheinen sich zum Einsturz zu bringen, von außen sieht man brutale Szenen, Folter und Waffengewalt, die Sprenger und Boemeke wie Graffiti-Künstler mit Schablonen aufgesprüht haben.

„Sehr gestalterisch“ sind die Ergebnisse, lobte Professor Hahn. Ihm hat das Projekt großen Spaß gemacht, auch weil es den Jahrtausende alten Werkstoff Keramik aus der Muff-Ecke hole. Von wegen altmodisch: „Immer mehr junge Leute arbeiten damit.“ Für die Künstler gab’s ein dickes Kompliment. „Ihr habt einen Super-Job gemacht!“

Petra Kuiper



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