Aldi vertreibt Fiftyfifty-Verkäufer

Ab dem 1. Juni dürfen die Verkäufer von Fiftyfifty nicht mehr vor den Aldifilialen in Düsseldorf stehen. Diese Entscheidung habe man nicht leichtfertig getroffen, heißt es aus dem Unternehmen.
Ab dem 1. Juni dürfen die Verkäufer von Fiftyfifty nicht mehr vor den Aldifilialen in Düsseldorf stehen. Diese Entscheidung habe man nicht leichtfertig getroffen, heißt es aus dem Unternehmen.
Foto: fiftyfifty
Was wir bereits wissen
Kunden fühlen sich offenbar durch Verkäufer der Obdachlosenzeitschrift belästigt

Düsseldorf..  Von „aggressivem Verhalten“ gegenüber Kunden ist die Rede, vom wiederholten Verstoß gegen zuvor getroffene Vereinbarungen. Die Regionalleitung von Aldi Süd, die in Langenfeld sitzt, habe deshalb entschieden, den Verkauf der Zeitschrift Fiftyfifty nicht mehr zu genehmigen. „Diese Entscheidung ist keineswegs leichtfertig getroffen worden“, betonte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Vor allem, da man das Engagement der Obdachlosenhilfsorganisation sehr schätze und seitens der Regionalgesellschaft Fiftyfifty seit langem unterstütze. „Dieses Verhalten war für uns nicht länger hinnehmbar, viele Kunden haben sich beschwert.“

Hubert Ostendorf, Geschäftsführer der Düsseldorfer Hilfsorganisation, ruft dagegen seinerseits Aldi-Kunden zum Protest gegen das Verkaufsverbot auf, das ab 1. Juni gelten soll. „Wir hatten erst im Herbst mit dem Unternehmen neue Regelungen vereinbart, sogar spezielle Ausweise für die Verkäufer angefertigt, die vor Aldi-Filialen ihren Stammplatz haben“, sagt er.

Auch habe man dem Unternehmen eine Liste zur Verfügung gestellt, nach der für jede Filiale maximal vier Verkäufer zuzuordnen gewesen seien. „Es gibt immer mal Probleme mit Personen, die sich eine unserer Zeitungen besorgen, um sich als Fiftyfifty-Verkäufer auszugeben. Das wissen wir. Aber mit den Extra-Ausweisen und Listen konnte so etwas bei Aldi nicht mehr passieren“, sagt Ostendorf. Dass echte Fiftyfifty-Verkäufer Anlass für Beschwerden gäben, schließt er aus. „Die machen sich doch ihren Verkaufsplatz nicht kaputt, an dem sie Geld verdienen können.“

Dass sie sich von den Verkäufern gestört fühlen, konnten gestern Kunden des Discounters nicht bestätigen: „Ich gehe etwa einmal in der Woche bei Aldi einkaufen, bin also regelmäßig Kunde. Gestört haben mich Verkäufer von Fiftyfifty noch nie, selbst wenn sie mich mal angesprochen haben, um ihre Zeitung zu verkaufen“, sagt Marvin Hoffmann. Im Gegenteil: Es sei ihm lieber, dass Obdachlose sich mit dem Verkauf Geld verdienten, als nur vor dem Supermarkt zu betteln. „Mir ist auch noch nie etwas negatives aufgefallen. Natürlich habe ich die Verkäufer schon einmal registriert, aber was getan hat mir noch nie jemand“, sagt Herman-Josef Sabrowski, ebenfalls Kunde bei Aldi.

Auch vor anderen Supermärkten wie Lidl, Netto und Rewe verkaufen Obdachlose regelmäßig ihre Zeitschrift. Geduldet werden sie dort meist, wenn das Gelände um den Markt herum nicht dem Betreiber gehört, sondern der Stadt. Auf dem eigenen Gelände sei der Verkauf allerdings nicht erwünscht, hieß es gestern von einem Sprecher von Rewe. Die anderen beiden Supermarktketten waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.