Aldi bleibt beim Verbot für Fiftyfifty-Verkäufer

Ab Juni dürfen keine fifty-fifty-Verkäufer mehr vor den Filialen der Lebensmittelkette Aldi stehen.
Ab Juni dürfen keine fifty-fifty-Verkäufer mehr vor den Filialen der Lebensmittelkette Aldi stehen.
Foto: Andreas Bretz
Was wir bereits wissen
Trotz zahlreicher Proteste lenkt der Discounter im Streit nicht ein.

Düsseldorf..  Aldi Süd hält an der Entscheidung fest, den Verkauf der Obdachlosenzeitung Fiftyfifty auf dem Gelände der Filialen am 1.Juni nicht mehr zuzulassen (NRZ berichtete). Eine entsprechende Ankündigung der Regionalgesellschaft des Unternehmens hatte vergangene Woche eine Welle des Protests ausgelöst.

Man habe die Entscheidung nicht kurzfristig und aufgrund von einzelnen Fällen getroffen, in denen sich Kunden von den Verkäufern belästigt gefühlt hätten, teilte Aldi-Sprecherin Lina Unterbörsch auf Anfrage unserer Zeitung mit. Schon seit 2009 habe man ausführliche Gespräche mit der Obdachlosenhilfsorganisation Fiftyfifty gegeben, die den Verkauf des gleichnamigen Magazins durch Obdachlose organisiert. Trotz aller Gespräche sei es immer wieder zu Verstößen gekommen. Auch bei Aldi waren nach Bekanntwerden des Fiftyfifty-Verbots zahlreiche Protest-Mails und -briefe eingegangen. „Aber wir bekamen auch sehr positive Rückmeldungen von Kunden“, so Unterbörsch.

Viele Leser und Kunden reagierten nach der Berichterstattung empört. Neben dem Vorwurf an Aldi, allen obdachlosen Magazin-Verkäufern das Fehlverhalten einzelner anzulasten, war dabei aber auch immer wieder Kritik an Fiftyfifty geübt worden. Die Organisation gebe zu viele Verkäufer-Ausweise aus, schaffe so große Konkurrenz für die Magazin-Verkäufer.

Das Prinzip des Obdachlosenmagazins funktioniert, indem registrierte Verkäufer Zeitungen von der Organisation erhalten und selbstständig an Passanten verkaufen. Der Erlös wird dann zwischen den Verkäufern und der Hilfsorganisation geteilt. Hubert Ostendorf, Geschäftsführer von Fiftyfifty, weist den Vorwurf zurück, zu viele Verkäufer registriert zu haben. „Seit drei Jahren geben wir gar keine neuen Ausweise mehr aus.“ Das Problem seien vielmehr zumeist osteuropäische Bettler, die den regulären Fiftyfifty-Verkäufern eine Zeitung abkauften, mit der sie sich dann an gut frequentierte Plätze stellten um zu betteln. „Diese Leute belästigen in der Tat häufig Passanten“, sagt Ostendorf. So lange echte Fiftyfifty-Verkäufer die entsprechenden Orte besetzten, kämen die Bettler dort aber nicht hin. „Aldi tut sich keinen Gefallen damit, unsere Verkäufer wegzuschicken – auf das Verhalten von Bettlern, die sich unser Magazin bedienen, haben wir überhaupt keinen Einfluss.“ Und die würden wohl weiter versuchen, ihre Masche umzusetzen. Die registrierten Verkäufer habe Fiftyfifty mit Ausweisen ausgestattet, habe insbesondere jene in zusätzlichen Listen und nach Zeiten erfasst, die vor Aldi-Filialen standen.