Aktionsprogramm gegen Familienarmut gefordert

In Düsseldorf leben immer noch 16 607 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen.
In Düsseldorf leben immer noch 16 607 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Gewerkschaft mahnt an: In Düsseldorf leben immer noch 16 607 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen. Das ist jedes fünfte Kind.

Düsseldorf..  Die Gewerkschaft weist auf einen Missstand in der vergleichsweise reichen Landeshauptstadt hin. „Die Armut von Kindern wird in Deutschland oft beklagt, aber wenn es darum geht, sie zu bekämpfen, dann passiert wenig. Das passt nicht zusammen“, sagt Sigrid Wolf, DGB-Stadtverbandsvorsitzende in Düsseldorf. In der Landeshauptstadt leben immer noch 16 607 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen. Dies sind 21,7 Prozent aller in Düsseldorf lebenden Kinder unter 15 Jahren. Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern fast doppelt so stark verbreitet wie bei Menschen im Erwerbsalter. Dort liegt die Quote „nur“ bei 11,2%. Nach zehn Jahren Hartz IV ist die Armut von Kindern in Düsseldorf deutlich gestiegen. Die Zahl der Mädchen und Jungen mit Hilfszuwendungen ist von 14 000 in 2005 zuerst stark angestiegen auf über 16 000 angestiegen und verharrt seit 2012 auf diesem hohen Niveau.

Meist lange auf Hartz IV-Niveau

Besonders kritisch sei, dass gerade Kinder meist lange auf Hartz-IV-Niveau leben müssen. Die Armutsforschung zeige deutlich, dass gerade längere Lebensphasen in Armut bei Kindern deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig schädigen. In Düsseldorf sind 52,6% der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher vier Jahre oder länger ohne Job. Bei den sieben- bis 14-Jährigen sind es hingegen 62,5%.

Deshalb fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns für diesen Zweck aufwenden. „Mit regionalen Netzwerken, auch bei uns in Düsseldorf, sollte es dann unter Einschluss der Kommune, der Sozialpartner, Wohlfahrtspflege und Vereinen, umgesetzt werden“, betont Wolf. Ziel ist, dass kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Eltern dauerhaft keiner Erwerbstätigkeit nachgehen oder an einer Fördermaßnahme teilnehmen. Bei Alleinerziehenden sollte zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit das Ziel sein. „Hartz IV darf nicht zum ‚Lebensstil´ werden oder gar vererbt werden, sondern sollte endlich zu dem werden, was ursprünglich politisch intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“, so Wolf abschließend.