Ärger um S-Bahnlinie 8 - Fahrgäste in Düsseldorf abgewiesen

Der Ärger um die Züge der S 8 reißt nicht ab. Im Bild ein Praxistest am Haltepunkt Schwelm.
Der Ärger um die Züge der S 8 reißt nicht ab. Im Bild ein Praxistest am Haltepunkt Schwelm.
Was wir bereits wissen
Immer wieder verspätete und überfüllte S-Bahnen: Der Ärger um die neuen Züge der Linie reißt nicht ab. Jetzt werden Fahrgäste sogar abgewiesen.

Düsseldorf.. Der Ärger um die Züge der S 8 reißt nicht ab. Bereits während der Probeläufe der neuen S-Bahnlinie gab es Ende November große Irritationen um den erschwerten Ein- und Ausstieg, einige Wochen später gingen die Türen zum Teil gar nicht mehr auf. Dann die Enge in den Waggons, kaum ein Durchkommen für Mütter mit Kinderwagen. Und: ständige Verspätungen und gar Totalausfälle der S 8.

Pünktlich kommt die S 8 nur in Ausnahmefällen. Die Pendler toben. Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, kommt jetzt das nächste Problem hinzu: Weil gerade in der Rush-Hour die Wagen völlig überfüllt sind, werden immer mehr Fahrgäste an den Bahnsteigen durch Sicherheitspersonal abgewiesen. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof etwa ist das schon häufig passiert.

„Unhaltbare Zustände“

Peer Schiller hat das mehrmals erlebt. „Die Leute werden höflich, aber bestimmt am Einstieg gehindert“, berichtet unser Leser, der in Vennhausen lebt und die S 8 regelmäßig nutzt. „Die zeitweise totale Überfüllung der Züge war von vornherein abzusehen“, so Schiller. Denn: Bisher fuhren auf dieser Linie immer zwei Triebwagen mit jeweils vier Waggons, insgesamt also acht Waggons. Die neuen Triebwagen haben jedoch nur noch zweimal drei Waggons. „In den Abendstunden fährt dann nur noch ein Triebwagen mit drei Waggons“, so der 60-Jährige. Das sei zuletzt auch während der Zeit der Weihnachtsmärkte eine Katastrophe gewesen. „Zusätzlich“, so Schiller, „nehmen die neuen Toiletten weiteren Platz in den Fahrzeugen weg. Alles in allem sind das unhaltbare Zustände“.

Der Düsseldorfer hat einen Beschwerdebrief an die Deutsche Bahn geschrieben. Und eine unzureichende Antwort bekommen. Darin stünde, dass die neuen Züge noch nicht komplett ausgeliefert seien, dass dies aber bald geschehen werde. Zudem bedankt sich das Unternehmen darin, dass Herr Schiller die umweltfreundliche Deutsche Bahn weiterhin nutzen wolle. „Die haben meinen Brief gar nicht gelesen – unfassbar!“

Probleme mit behindertengerechten Einstieg

„Dass Fahrgäste nicht in die Bahn kommen, darf so nicht passieren“, sagt Sabine Tkatzik, Sprecherin beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Tatsächlich gibt es in den neuen Zügen nur 170 statt wie bisher 190 Plätze, „allerdings reicht nach unseren Berechnungen das Angebot aus, um alle Gäste mitzunehmen“. Der VRR kündigt an, eine weitere Fahrgastzählung durchzuführen, um die S 8 zu „optimieren“, wie es heißt. Zudem, so Tkatzik, werde man die „Liefernachweise der Bahn“ überprüfen. „Das heißt: Wie oft waren die Züge unpünktlich? Und hatten sie eine komplette Behängung?“

Das Problem mit dem nicht behindertengerechten Einstieg wird bei der S 8 bleiben, so lange sämtliche Bahnsteige in Düsseldorf nicht auf dem gleichen Höhenniveau wie die Waggons liegen. Die Züge sind 76 Zentimeter hoch, die Düsseldorfer S 8-Bahnsteige jedoch 96 Zentimeter. Deutsche Bahn und VRR wollen die Haltestellen sukzessive absenken, hieß es jüngst. Das kann Jahre dauern.

Streusalz sorgt für Defekt der Türen

Und die defekten Türen haken immer noch regelmäßig: Grund soll tatsächlich das vor vielen Wochen in Hagen und Wuppertal verwendete Streusalz sein. Damals wurde dort aufgrund von möglicher überfrierender Nässe an den Stationen gestreut, und die kleinen Körnchen von den Schuhen der Fahrgäste blieben auf den Trittstufen hängen. Die Automatik der Türen blockiert deshalb immer wieder.

Die neue S 8, die wegen ihrer Sprintstärke von den Betreibern als „Porsche unter den S-Bahnen“ betitelt wurde, hat mindestens ein Imageproblem. „Für mich ist es offensichtlich, dass der VRR und die Bahn ihren Beförderungsvertrag mit den Fahrgästen nicht mehr erfüllen“, so NRZ-Leser Peer Schiller.