Ärger um die neuen tiefergelegten S-Bahnzüge in Düsseldorf

Nur an der mittleren Tür kann eine Rampe ausgefahren werden.
Nur an der mittleren Tür kann eine Rampe ausgefahren werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit allergrößtem Tamtam wurden in der vergangenen Woche die neuen Züge der S-Bahnlinie 8 in Düsseldorf vorgestellt. Hochmodern werden sie sein, wenn sie am 14. Dezember flächendeckend auf Reise gehen. Doch beim jüngsten Probebetrieb schüttelten viele Rollstuhlfahrer fassungslos mit dem Kopf.

Düsseldorf.. Sprintstark sind sie auch, die neuen Bahnmodelle – der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) spricht vom „Porsche unter den S-Bahnen“. Dazu gibt’s den Antrieb auf allen Achsen, der störungsfreies Fahren auch bei schlechter Witterung ermöglicht. Ganz großes Plus jedoch: behindertengerechte Sanitäranlagen – seit langem Wunsch von Fahrgastverbänden, Senioren- und Behindertenvertretern. Das Problem ist nur, wenn der Rollstuhlfahrer gar nicht erst in die neue S 8 kommt - so wie es am Mittwoch auf dem Bahnsteig Flingern geschehen ist.

Der gehbehinderte Mann schaffte es mit seinem Rolli nicht, in die Bahn zu kommen und musste den Zug nach vielem Hin und Her am Ende fahren lassen. Grund: der tiefe Türeinstieg. Die neuen Züge sind auf 76 Zentimetern Höhe gebaut, sämtliche Stationen in Düsseldorf, an denen die S 8 hält, aber auf einem Niveau von 96 Zentimetern. Die höhere Bahnsteigkante erschwert schon den Einstieg mit Kinderwagen, für den Rollstuhlfahrer ist er unmöglich.

Das regte gestern nicht nur den Betroffenen selbst auf, sondern auch die anderen Fahrgäste. Schrilles Gelächter in den Waggons, als bei jedem Halt die Durchsage kam: „Bitte achten Sie beim Ausstieg auf den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante.“

Der Fahrer kommt zur Hilfe

Es hätte für den Mann im Rollstuhl eine Alternative gegeben. In der Mitte des Zuges befindet sich eine Tür, neben der das Rollstuhl-Symbol abgebildet ist. „Der Rollstuhlfahrer kann auf einen Schalter über dem Symbol drücken, dann kommt der Fahrer und bedient eine Rampe“, erklärt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik. „Das ganze Prozedere dauert keine zwei Minuten. Und da die neuen Züge sprintstark sind, holen sie die verlorene Zeit auch wieder auf.“ Die Rampen-Variante ist aber nur an dieser einzigen Tür möglich. Muss man erstmal wissen.

Die neuen Züge werden von der Industrie nur noch auf 76 Zentimeter Höhe gebaut, weil dem Vernehmen nach nur in diesen (tiefergelegten) Modellen der Einbau der behindertengerechten Toiletten möglich ist. Andere S-Bahn-Modelle, wie etwa die S 6 oder die private S 28, sind 96 Zentimeter hoch. Darüber hinaus haben die Bahnsteige unterschiedliche Höhen. Die Linie S 8 startet in Mönchengladbach und endet (ab Hagen unter der Bezeichnung S5) in Dortmund. 76 Zentimeter hoch sind die Bahnsteige aber nur im Bereich Wuppertal und linksrheinisch ab Neuss.

Problem ist der„Mischbetrieb“

Das Problem ist offensichtlich. „Man wird es in der Region Düsseldorf niemals schaffen – wie etwa in München –, das komplette S-Bahn-Netz einheitlich zu gestalten“, gesteht VRR-Sprecherin Tkatzik. Das habe mit dem Mischbetrieb von S-Bahn-, Regional-und Güterverkehr zu tun. Während etwa die Güterzüge auf der Höhe von 76 Zentimetern fahren, haben viele S-Bahnen eben noch einen Einstieg von 96 Zentimetern. Die VRR-Lösung: „Wir werden die Bahnsteige sukzessive auf 76 Zentimetern absenken. Das werden wir gemeinsam mit der Deutschen Bahn und dem Land NRW in die Hand nehmen.“

Die Rede ist allerdings von acht Stationen im Stadtgebiet, die – zwischen Erkrath und Düsseldorf-Hamm – tiefergelegt werden müssten.

Nach schneller Abhilfe für die Rollifahrer sieht das nicht aus.