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"Ärger über die dummen Musici"

13.08.2009 | 18:58 Uhr

Als Musikdirektor hatte Felix Mendelssohn Bartholdy 'schrecklich viel zu arbeiten'. Ausgewählte Notizen

Musiker, die sich im Orchester prügelten. Geiger, die „unter aller Würde geigten”. Ein Chor, der sich betrank. Und ein Dirigent namens Felix Mendelssohn Bartholdy, der aus Zorn die Partitur zerschlug! So temperamentvoll ging es zu im Düsseldorfer Musikleben des 19. Jahrhunderts. Zwei Jahre lang war der berühmte Komponist städtischer Musikdirektor. „Und so ein Tier hat schrecklich viel zu arbeiten”, schrieb er.

Als sein 20. Nachfolger hebt Andrey Boreyko am 4. September den Taktstock in der Tonhalle. Der neue Generalmusikdirektor dirigiert, die Düsseldorfer Symphoniker spielen das Violinkonzert e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Eine schöne Verbeugung vor dem großen Meister, der mit den Musikern in Düsseldorf nicht die besten Erfahrungen machte. „Vor Ärger über die dummen Musici” zerfetzte er die Noten. Ein sehr nützlicher Wutanfall, offenbar. Denn „daraufhin spielten sie gleich mit mehr Ausdruck.”

Perfekte

literarische Form

Joseph Anton Kruse, der soeben verabschiedete Direktor des Heinrich-Heine-Instituts, und Marianne Tilch haben den 200. Geburtstag Mendelssohns zum Anlass genommen, zu Beginn der Konzertsaison ein Büchlein mit ausgewählten Briefen herauszugeben.

Schöne Briefe als literarische Form - der Virtuose, Dirigent und Organisator war auch darin perfekt. 7000 solcher Schriftstücke hat er hinterlassen, manchmal brachte er es auf dreißig an einem Tag.

„Das war nicht nur pure Notiz und Meldung”, schreibt Kruse im Vorwort. Vielmehr seien die Briefe zur Weitergabe und zum Vorlesen bestimmt gewesen. „Leser und Schreiber gingen davon aus, den Briefen einen über den Augenblick hinausgehenden Wert beizumessen.” So wurden sie aufbewahrt und archiviert - viele davon liegen heute im Heine-Institut.

Jeder schriftliche Eindruck sei ein Lesegenuss, sagt Kruse: Selbst in kleineren Portionen entfalte er seinen Charme, habe eine Begabung zur Plauderei und fessele den Leser. Aber den eigenen Briefen gegenüber ist er sehr kritisch. „Verzeiht den schändlich schlechten Brief”, schreibt er 1829 an seine Mutter.

Der Enkel des berühmten Philosophen Moses Mendelssohn traf 1833, von London kommend, mit dem Dampfschiff in Düsseldorf ein. Sein Vater Abraham begleitete ihn „mit einer Nachtmütze unter der Mütze und sagte, er mache sich den Teufel draus, wenn sich die Düsseldorfer vor ihm fürchteten.”

„Skandalös

lustig”

Der 24-jährige Sohn war zuständig für das Konzertwesen mit Chor und Orchester, aber auch für Kirchenmusik, für die Auswahl der Sänger und Musiker und für das Theater, das Immermann soeben eingerichtet hatte. Sein Eindruck von der ersten Haydn-Messe: „Der Organist quintulierte fürchterlich auf und ab, die Messe war skandalös lustig.”

Seiner geliebten Schwester Fanny berichtet er von den Düsseldorfer Qualen: „Das ist meine Nachbarin im Nebenaus, die alle Tage zu meinem Unglück zwei Stunden Klavier übt und täglich dieselben Fehler macht.” Den rheinischen Frohsinn hat er wohl geschätzt. „Heute ist Kirmeß, ganz Düsseldorf trinkt Wein”, schreibt er 1934 und erzählt von einem „netten, konzen-trierten Leben.”

Felix Mendelssohn Bartholdy: „Verzeiht den schändlich schlechten Brief”. Ausgewählte Briefe. Droste-Verlag. 9,95 Euro.

Ursula Posny

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