Wrestling : Vorgetäuschte Kloppe
Düsseldorf. Gut schlägt Böse im Rather Dome. Unter dem lebensfrohen Motto „Rest in Peace” - Ruhe sanft. Die Welt ist an diesem Abend klar strukturiert, obwohl der Heroe einen tendenziell abschreckende Namen trägt: „Undertaker”, also „Bestatter”.
Die löbliche Wertevermittlung gestaltet sich im Wrestling folgenloser als im deutschen Märchen. Während da fehlbare Personen von kleinen Mädchen in heiße Backöfen geschubst werden, gibt es beim Schau-Ringen für den Fiesling vorgetäuschte Kloppe und eine saftige Portion Häme. Laut Veranstalter sind es zehntausend Zuschauer, die mit engagierten Buh-Rufen oder Applaus für Stimmung sorgen. Grauhaarige Damen halten ihre Fotoapparate parat, via Handy stellen Fans Videos live ins Internet. Batista mit seinen Mega-Muskeln oder die Wrestling-Damen wie Michelle, gegen die Lara Croft und Barbie unscheinbare Wesen sind. Wenn ein Kampf beendet ist, flitzen Mädchen im Grundschulalter mit fliegenden Zöpfen an den Ring und jubeln den Siegern zu. Die haben sich vorher vom Gegner den Körper verbiegen lassen, das Yoga als Körperertüchtigung für Warmduscher durchgeht.
Effektvolle Stunteinlagen
Es dauert, bis der Abend an Fahrt gewinnt. Die ersten Gladiatoren-Darsteller können unter dem Begriff „Gogo-Wrestler” verbucht werden. Wie die Animateure in Diskotheken präsentieren sie kommentierfähige Körperformen und effektvolle Stunteinlagen.
„Im Fernsehen kommt das besser rüber”, klagt ein Zuschauer. Auf den vorderen Plätzen ist genau zu sehen, wie die Choreografien der schweren Jungs funktionieren. Allein, wenn ein Kämpfer auf den Ringboden fällt, kracht es geräuschvoll durch die Halle.
Zuschauerliebling ist Rey Mysterio. Der kleine Mexikaner, der stets in Maske und einer Latexhose mit der Beinweite „HipHop” auftritt, ist durch seien David-Goliath-Effekt der Sympathieträger. Er hebt durch seine spektakulären Spünge den Unterhaltungswert des Abends ganz ungemein. Da kann der Undertaker in seinen Sarg stopfen, wen er will.



















