Rheinufertunnel : Viele Raser fallen auf neue Radarfallen herein

Düsseldorf. Im Rheinufertunnel wird jetzt rund und die Uhr geblitzt, ohne dass die Raser es bemerken. Gerade mal 24 Stunden ist die neue Anlage im Tunnel in Betrieb - schon sind 668 Raser geblitzt worden. Mit einer derart hohen Zahl hatte nicht mal die Ordnungsbehörde gerechnet.
Uwe Brand vom Ordnungsamt betrachtet das Radarfoto, das der KFZ-Zulassungsstelle an der Heinrich-Ehrhardt-Straße online übermittelt worden ist: der Spitzenreiter des Tages. Ein schöner weißer, PS-trotzender Porsche ist auf dem Abzug zu sehen. Schade nur für den Fahrer, dass er den schnittigen Sportwagen bald mehrere Wochen in der Garage stehen lassen muss. Ihm drohen jetzt zwei Monate Fahrverbot, vier Strafpunkte in Flensburg und 280 Euro Geldbuße. Und das deshalb, weil der Fahrer gestern früh um 6.07 Uhr den Rheinufertunnel wohl mit dem Nürburgring verwechselt, die Warnschilder missachtet und mit 127 Stundenkilometern ertappt wird - 57 km/h schneller als erlaubt.
Gerade mal 24 Stunden ist die neue Radarfalle im zwei Kilometer langen Tunnel in Betrieb - schon sind 668 Raser geblitzt worden. Mit einer derart hohen Zahl hatte nicht mal die Ordnungsbehörde gerechnet. Zumal gleichzeitig das Tempolimit von 60 auf 70 Stundenkilometer angehoben worden ist. Und trotzdem fahren noch viel zu viele viel zu schnell.
"Unverantwortliche Raser"
„Mich erstaunt und erschreckt das”, erklärt der kommissarische Amtsleiter Michael Zimmermann, als ihm die erste Bilanz vorgelegt wird. „Wir haben an allen Tunnel-Einfahrten deutlich sichtbar Schilder aufgestellt, die auf die Radarkontrolle hinweisen. Aber die sind gar nicht ernst genommen worden.”
Bei früheren sporadischen, mobilen Tempomessungen wurden immer wieder Autofahrer erwischt, die das Gaspedal durchgetreten hatten. Bis zur Ziffer 180 reichte die Tachonadel. Ordnungsdezernent Werner Leonhardt spricht von „unverantwortlichen Rasern, die nicht nur sich, sondern andere gefährden.” Wohl wissend, dass im Tunnel in der Regel nicht gemessen wird, weil Autofahrer nicht vom Blitzlicht aufgeschreckt werden dürfen.
Doch das war einmal. Eine neue Technik der Monheimer Software-Firma „Robot” sorgt dafür, dass man den dunkelroten Blitz fast überhaupt nicht wahrnimmt, Fahrer und Kennzeichen auf dem Digitalbild aber trotzdem gut zu erkennen sind. Auf eine solche technische Entwicklung hatte die städtische Unfallkommission schon lange gewartet.
"Jeder Verletzte weniger rechtfertigt die neue Anlage"
Seit Donnerstag sind die acht insgesamt 400 000 Euro teuren Kameras in den beiden Tunnelröhren in Betrieb: eine Überwachung rund um die Uhr. Die ist bitter nötig, davon ist Michael Zimmermann fest überzeugt. Über 80 Mal hatte es in den vergangenen beiden Jahren im Rheinufertunnel gekracht.: „Jeder Verletzte weniger rechtfertigt diese neue Anlage.”
Auch wenn die Radarfalle am Rhein zusätzliches Geld in die Stadtkasse spülen wird (allein 2008 kassierte die Behörde 4,2 Millionen Euro an Verwarnungs- und Bußgeldern aus der stadtweiten Geschwindigkeitsüberwachung), sei der „Vorwurf der Abzocke aberwitzig”, so Zimmermann.
Das zeige gerade das Beispiel Rheinufertunnel. Viele Autofahrer, die zu schnell fahren, „sind sich nicht bewusst, dass bei unvorhersehbaren Situationen ein rechtzeitiges Reagieren nicht mehr möglich ist.” Wer in der Tunnelröhre die Kontrolle verliert, kracht mit dem Auto schnell gegen die Wand.
Ob die permanente Tempokontrolle die Autofahrer langfristig bremst, darauf setzt das Ordnungsamt. In einem halben Jahr wird ein erstes Resümee gezogen. Michael Zimmermann ist zuversichtlich. Mit dem Bekanntheitsgrad der Kamera-Anlage wird die Verkehrsdisziplin steigen. Die meisten Düsseldorfer Autofahrer halten sich schon jetzt an dieses Tempolimit. Nur jeder fünfte Ertappte kam von hier.





















