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Prozess

76-jährige „Omi“ aus Düsseldorf als Drogenkurierin angeklagt

27.07.2012 | 07:00 Uhr
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76-jährige „Omi“ aus Düsseldorf als Drogenkurierin angeklagt
Weil sie in den vergangenen fünf Jahren rund eine Tonne Marihuana aus den Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt hat, steht eine 76-Jährige jetzt vor Gericht.Foto: Getty Images

Düsseldorf  Weil sie als Drogenkurierin rund eine Tonne Marihuana aus den Niederlanden eingeschmuggelt haben soll, steht eine 76-Jährige jetzt in Düsseldorf vor Gericht. Die Seniorin, die in der Szene als "Omi" bekannt ist, soll 180 Touren übernommen haben. An den Kurierjob war sie durch Zufall gekommen.

Eigentlich müsste man sagen, da sitzt eine ganz große Nummer vor dem Landgericht: Rund eine Tonne Marihuana hat die Angeklagte über fünf Jahre aus den Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt. Aber die große Nummer ist eine kleine Seniorin, 76 Jahre alt.

Aus Angst vor den Fotografen hat sie sich ein Kopftuch umgeschlungen, eine Sonnenbrille aufgesetzt. Darunter kommt dünnes, braun gefärbtes Haar hervor, braune Knopfaugen, die unsicher umherblicken. Flüssig erzählt sie ihren Lebenslauf: geboren 1936, eins von acht Kindern, Schule, ein Bürojob, Heirat. Sie zieht zwei eigene und zwei Pflegekinder groß. Nach der Scheidung mit 44 Putzjobs. Sie muss mehrmals in eine preiswertere Wohnung ziehen. Zur Minirente erhält sie Wohngeld, hat über 10 000 Euro Schulden.

„Ist das was Verbotenes?“

An ihren Kurierjob kam sie durch Zufall: Nach einem Einkauf in Venlo sei ihr alter Kadett nicht angesprungen. Zwei junge Männer hätten geholfen, ausländisch aussehen, deutsch sprechend. Sie fragten, ob sie mal was für sie tun könne, notierten ihre Telefonnummer. Ein halbes Jahr später riefen sie an.

Sie wurde nach Venlo gebeten. Dort hätten die Männer eine Tüte Lebensmittel und einen Waschmittelkarton in ihren Kofferraum geräumt. „Ich habe mir nichts dabei gedacht“, versichert die Angeklagte. „Ist das was Verbotenes?“, habe sie noch gefragt, die Männer hätten „Nein“ gesagt.

Sie erhielt einen Zettel mit einer Adresse in Bochum, „das war’s.“ Am Ziel habe ein Mann sie gefragt: „Hast du ein Paket für mich?“ Er habe den Waschmittelkarton genommen, ihr 50 Euro gegeben. Die Lebensmittel behielt sie.

Polizei beobachtete einen der Dealer

Nach Wochen kam der nächste Auftrag. Und dann noch viele. Von Drogen sei nie die Rede gewesen. „Sie haben sich doch was gedacht!“, glaubt die Richterin. Da räumt die 76-Jährige ein, einmal habe sie komischen Geruch bemerkt. Die Auftraggeber hätten zugegeben: „Das ist Marihuana.“

Pro Kilo habe sie 100 Euro erhalten, 200 Euro pro Fahrt, manchmal 500. Es meldeten sich weitere Auftraggeber, ihr Deckname in der Szene war „Omi“. Sie fuhr nach Dortmund, Hamburg und Nürnberg. 180 Touren wirft ihr die Anklage vor, mit Ladungen von drei bis acht Kilo. Bei Verkaufspreisen von 8 bis 10 Euro pro Gramm Stoff für rund 8 bis 10 Millionen Euro.

Weil die Polizei einen der Dealer beobachtete, kam sie „Omi“ auf die Spur. Der Prozess geht weiter.

Katharina Rüth

Kommentare
27.07.2012
14:49
76-jährige „Omi“ aus Düsseldorf als Drogenkurierin angeklagt
von CHerrmann57 | #2

Eigentlich ist der Prozeß ein beschämendes Abbild der sozialen Situation in unserem Lande: Die alte Frau hat ihr Leben lang gearbeitet, eigene (und fremde !) Kinder groß gezogen, erhält aber so wenig Rente, dass sie sich auf diese illegalen Kurierdienste eingelassen hat. Soviel zum Sozialstaat Deutschland !

27.07.2012
12:40
76-jährige „Omi“ aus Düsseldorf als Drogenkurierin angeklagt
von ruhrilein | #1

Wenn die Rente vorne und hinten nicht langt...

1 Antwort
76-jährige „Omi“ aus Düsseldorf als Drogenkurierin angeklagt
von Fabia | #1-1

Sagen sie diesen Satz mal Angehörigen von Drogenopfern ins Gesicht.

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