360 Streikbrecher fuhren Sonntag in Düsseldorf Pakete aus

Das Post-Verteilzentrum Fichtenstraße in Düsseldorf: Hier startete gegen 6.30 Uhr die Sonntags-Sonderschicht.
Das Post-Verteilzentrum Fichtenstraße in Düsseldorf: Hier startete gegen 6.30 Uhr die Sonntags-Sonderschicht.
Foto: Dirk Neubauer
Was wir bereits wissen
Nach elf Tagen Streik sind Berge von Post liegen geblieben. In Düsseldorf fuhren 360 Fahrer aus Nachbarstädten Sonntag gegen Prämie eine Extraschicht.

Düsseldorf.. Die DHL-Deutsche Post AG hat am Sonntag in großem Stil Streikbrecher eingesetzt, um die Düsseldorfer Paketberge abzutragen. Wer noch vor sieben Uhr morgens unterwegs war, sah ganze Kolonnen gelber Postautos in die Stadt einfahren.

Viele Streikbrecher kamen nach Beobachtungen von Betriebsräten und Mitglieder der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aus Essen. Offensichtlich kannte nur der Fahrer des jeweils ersten Fahrzeugs jeder Postkolonne die Fahrtziele: die Postverteilzentren an der Fichten- und der Kölner Straße. Nach Gewerkschaftsangaben waren 360 Fahrer und Fahrzeuge in Düsseldorf im Einsatz.

Post zahlt Streikbrechern Sonderprämie für Extraschicht

Seit dem 10. Juni sind die Postmitarbeiter im unbefristeten Streik und dies zeigt Wirkung. In den Verteilzentren stapeln sich Pakete, Päckchen und Briefe aus den vergangenen elf Tagen. Doch statt sich zurück an den Verhandlungstisch zu begeben, engagierten die Deutsche Post Streikbrecher samt Fahrzeugen aus den umliegenden Städten. Sie bekamen eine Sonderprämie dafür, dass sie sich gegen die streikenden Kollegen stellten. Zusätzlich kontrollierten Abteilungsleiter in zivilen Dienstwagen, ob alle Mitarbeiter aus ihren Teams samt Dienstwagen erschienen.

Vor einem Supermarkt an der Fichtenstraße stellten gelbe Transporter den gesamten Parkplatz zu. Die von Journalisten angesprochenen Fahrer reagierten unwirsch und wollten keine Auskünfte geben.

Gewerkschafter geht von nicht genehmigter Sonntagsarbeit aus

„Der Konzernvorstand führt derzeit einen Feldzug gegen die eigenen Beschäftigten und schreckt inzwischen auch vor ungesetzlichen Maßnahmen nicht zurück”, erklärte der Fachbereichsleiter Postdienste bei Verdi NRW, Uwe Speckenwirth.

Solche Sonntagsarbeit müsse vorab bei den zuständigen Aufsichtsbehörden angemeldet werden. Dass dies genehmigt wurde, bezweifelte er im Namen der Gewerkschaft Verdi. Gewerkschaftsmitglieder fotografierten sämtliche Nummernschilder der eingesetzten Postfahrzeuge, um deren Herkunft im Nachhinein feststellen und ihren Einsatz als Streikbrecher in Düsseldorf belegen zu können

Verdi befürchtet mögliche Spaltung der Belegschaft

Für Uwe Speckenwirth war die Aktion ein weiterer Teil des arbeitnehmerfeindlichen Kurses, auf dem sich vor allem der Vorstand der Deutschen Post AG befindet. Durch solche Provokationen und große Zeitungsanzeigen verschärfe sich die Situation immer mehr.

Speckenwirth forderte den Post-Vorstand auf, sozialpartnerschaftlich mit der Interessenvertretung der Beschäftigten zusammenzuarbeiten. Offenbar schrecke der Arbeitgeber auch vor einer Spaltung der Belegschaft nicht mehr zurück.