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18 Beine unterm Frühstückstisch

16.02.2010 | 18:55 Uhr
18 Beine unterm Frühstückstisch

Erkrath. Der kleine Jonas ist das siebte Kind der Erkrather Familie Lambert. Mutter Grit (38): „Alles eine Frage der Organisation”

Wenn Familie Lambert frühstückt, baumeln 18 Beine unterm Tisch. Für acht Personen ist gedeckt, der kleine Jonas kommt hinzu. Er ist zweieinhalb Monate alt und noch nicht firm im Umgang mit Messer und Gabel. Trotzdem ist er morgens mit dabei, zusammen mit Mutter Grit (38), Vater Thomas (45) und den Geschwistern Nadine (18), Celine (13), Christopher (11), Vanessa (9), Nico (6) und Nils (4).

„Sieben Kinder waren nie geplant”

Das klingt nach Stress. Nach Zankereien am Esstisch, Flecken auf der Decke und vielen, vielen geschmierten Broten. Doch die Eltern der sieben Jungen und Mädchen machen einen gelassenen Eindruck. Grit Lambert sagt: „Wir hatten nie schwierige Kinder. Keine schweren Schwangerschaften, keine Schreihälse.”

So hat das Paar stets gedacht: Eins geht noch. „Sieben Kinder waren nie geplant”, sagt die selbstständige Nagelpflegerin. Doch sieben Kinder ist besser als sechs. Für den siebten Sprössling übernimmt Bundespräsident Horst Köhler automatisch eine Patenschaft. Gestern überreichte Erkraths stellvertretende Bürgermeisterin Edeltraud van Venrooy der Familie die Urkunde und einen Blumenstrauß. 500 Euro gibt es oben drauf.

Sozusagen als Dankeschön, dass zumindest diese Familie dem demografischen Wandel entgegenwirkt. „Das ist eine Seltenheit”, weiß van Venrooy. Obwohl sich im Dezember eine Familie aus der Sandheide über ihr siebtes Kind freute – es kommt selten vor.

Das hängt auch damit zusammen, dass bereits Eltern mit einem Kind merken, wie empfindlich so ein kleiner Strampler ihre Freizeit einschränkt. Doch bei Familie Lampert gibt es auch nach dem siebten Kind noch Zeiten der Entspannung für die Eltern. So schildert es das Paar.

Die Große passt auf die Kleinen auf

„Alles eine Frage der Organisation”, sagt Mutter Grit, „Freizeit nehmen wir uns. Das muss sein.” Ohne die Unterstützung der 18-jährigen Nadine wäre das nicht möglich. Die passt auf die Jüngeren auf, wenn sich die Eltern eine kurze Auszeit im Restaurant gönnen. „Die Kleinen sagen manchmal schon Mama zu ihr”, berichtet Grit Lambert.

Für mehr Nachwuchs ist auf den 160 Quadratmetern Wohnraum im Ortsteil Kempen kaum noch Platz. „Wir sind voll”, sagt Vater Thomas. Klar, dass sich bereits Kinder die Schlafzimmer teilen müssen. Nur die Älteste und der Jüngste haben zurzeit Ruhe vor den Geschwistern.

Im Alltag sitzen bei Lamberts regelmäßig Kinder mit am Tisch, deren Gesichter sich nicht zu einem der sieben Fotos an der Wohnzimmerwand zuordnen lassen. Die 38-Jährige sagt: „Es sind ja noch ständig irgendwelche Freunde oder Freundinnen zu Besuch.” Zudem wuseln noch zwei Golden Retriever durch die Wohnung, gefolgt von zwei Möpsen. „Die sind aber nur zu Besuch”, grinst Grit.

Auf langen Mutterschaftsurlaub hat sie verzichtet. „Vier Tage nach der Geburt saß ich schon wieder im Nagelstudio.” So eine Schwangerschaft ist für die Erkratherin nichts Besonderes mehr. Dafür nimmt Industriekaufmann Thomas sich eine berufliche Auszeit für Jonas.

Ob es noch mehr Kinder werden, dazu äußert sich die Familie nicht. „Nach dem vierten Kind haben wir gesagt, dass es das gewesen ist. Jetzt glaubt uns keiner mehr.”

Daniel Neukirchen

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