100 000 Euro: Mutter verklagt Versicherung

Als junger Entdecker hatte ein Schüler im Mai 2011 im Alter von damals 13 Jahren ein leerstehendes Kaufring-Lager nahe dem Straßenverkehrsamt mit drei Kumpanen unbedingt erforschen wollen. Im Ergebnis ist das Gebäude niedergebrannt, der Schaden betrug rund 100 000 Euro, die Rauchwolke verfinsterte damals ganz Derendorf. Die Mutter des „Entdeckers“ will ihre Privathaftpflichtversicherung jetzt mit einer Klage vor dem Landgericht zwingen, diesen Brandschaden zu übernehmen. Ihr Junge habe das Feuer ja nicht vorsätzlich, sondern es allenfalls fahrlässig verursacht. Die Versicherung sieht das anders. Ein Urteil steht noch aus. 17 Jahre alt ist der Sohn der Klägerin inzwischen – und hat sich als Zeuge im Prozess seiner Mutter gegen die Versicherung gestern alle Mühe gegeben, sich an Einzelheiten zu erinnern. Damals habe er das leer stehende Gebäude des Kaufring-Lagers als eine Art Abenteuerspielplatz betrachtet, habe mit einem Kumpan über ein Fenster ein Flachdach erklommen – und dort draußen dann eine Rolle WC-Papier angezündet. Warum? „Das weiß ich nicht. Das hat aber nicht gebrannt, weil es zu windig war, es hat nur geglüht, also habe ich die Rolle in eine Rinne getan, die ich für eine Dachrinne hielt – damit halt nichts passiert. Ich dachte, das gäbe kein Feuer“, so der Junge. Erst später habe er erfahren: Die vermeintliche Regenrinne war eine Dachüberdeckung - und von dort fraß sich die Glut unaufhaltsam ins gesamte Gebäude. Die Versicherung findet: Wer so handelt, der zündelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich. Und bei Vorsatz müsse die Versicherung keinen Cent übernehmen. Der Richter wies darauf hin, dass die Versicherung die Zahlung nur verweigern dürfe, wenn der Schüler nicht nur beim Zündeln vorsätzlich gehandelt hätte, sondern auch bezüglich der Tatfolgen. Ob ein 13-Jähriger in einer solchen Situation allerdings so viel Übersicht aufbringt, um alle denkbaren Folgen zweifelsfrei einschätzen zu können, muss nun das Gericht per Urteil entscheiden.