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Tatort Dortmund

Zweiter Dortmund-"Tatort" - die Nordstadt als harter Filmstoff

09.11.2012 | 15:39 Uhr
Dr. House trifft Dirty Harry: Jörg Hartmann als Kommissar FaberFoto: WDR/Willi Weber

Köln/Dortmund.   Nur wenige Wochen nach seiner Premiere als Dortmunder „Tatort“-Kommissar ist Jörg Hartmann wieder auf Mörder-Suche. Der zweite Fall „Mein Revier“ spielt in der Nordstadt – und greift ein brisantes Thema auf, mit fast schon dokumentarischen Zügen.

Der Auftakt war ordentlich. Der Dortmunder „Tatort“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) platzierte sich bei seiner Premiere vor wenigen Wochen quotentechnisch im Mittelfeld der erfolgreichsten Krimi-Reihe des deutschen Fernsehens. Auch die Kritiker waren überwiegend milde gestimmt. Doch ausgerechnet das Revier, das endlich wieder auf der TV-Landkarte erscheint, fremdelt noch mit Jörg Hartmann als Kommissar Faber . Denn er ist kein Knuddel-Typ wie seine Kollegen Prahl und Liefers aus Münster. Doch genau das ist seine Stärke: Er ist in der immer beliebiger werdenden „Tatort“-Welt wiedererkennbar.

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Hartmanns Kommissar hat so viele Macken wie der geniale Medizinmann Dr. House. Der zweite Fall „Mein Revier“ macht auch klar, warum: Fahnder Faber verlor bei einem Unfall Frau und Tochter. Nach außen gibt sich der sensible Ermittler ruppig.

Am Ende des Falls stehen sich, wie beim Showdown im Western, die eigentlichen Gegner gegenüber: Faber zielt auf der Verkehrsinsel am Borsigplatz mit einer Zeigefinger-Pistole, ein direktes Clint-Eastwood-Zitat aus „Dirty Harry“, auf den türkischen Miet-Hai (Adrian Can), der den ganzen Fall überhaupt erst ins Rollen brachte.

Zweiter Dortmund-"Tatort" wirkt durch und durch glaubwürdig

Zu Beginn der atmosphärisch überzeugenden Geschichte wird ein drogendealender Lude (Yusuf Erdugan) tot in seinem Büro in der Nordstadt gefunden.

Dortmunder Nordstadt
Vielfältiges (Problem-)Viertel in Dortmund

Die Dortmunder Nordstadt ist über die Stadtgrenzen hinaus als Problemviertel bekannt. Doch seit Jahren wachsen dort auch soziale und kulturelle Initiativen heran. Hier finden Sie aktuelle Nachrichten und Hintergründe.

Und damit lösen Regisseur Thomas Jauch und sein Drehbuch-Autor Jürgen Werner ein Versprechen ein, dass der Auftakt-Film mit dem wohlfeilen Homosexuellen-Thema nicht hielt : Sie greifen ein brennendes Problem in der Stadt auf, Prostitution und Arbeiter-Strich von Bulgaren in der Nordstadt. Die Zuwanderer hausen auf engstem Raum in abbruchreifen Mietkasernen, zu Wucherpreisen.

Der Bezirksbeamte Polland und seine Ex-Sonja, die sich um die Prostituierten kümmert, leiden darunter. Matthias Komm und Tanja Schleiff machen ihre Seelenqualen fast körperlich spürbar.

Tatort
Einfach Kult - der Tatort

Der Tatort ist längst zur Institution in deutschen Wohnzimmern geworden. Auch das Ruhrgebiet hat seinen eigenen Tatort in Dortmund. Alle Informationen rund ums Thema finden Sie hier.

Obwohl die Geschichte komplett fiktional ist, trägt der Film mitunter dokumentarische Züge. Er wirkt durch und durch glaubwürdig. Zugleich balancieren Jauch und Werner geschickt auf dem schmalen Grat zwischen berechtigter Anwohner-Wut und dumpfer Ausländer-Feindlichkeit.

Dortmund-"Tatort" ist kein Imagefilm fürs Stadt-Marketing

Natürlich ist der Film kein Beitrag zum Stadt-Marketing. Aber das soll er auch gar nicht sein. Stattdessen ist der Krimi ein Beitrag zu einer Debatte um soziale Verwerfungen in unserer Gesellschaft.

Und noch etwas. Das Küken des „Tatort“-Teams, die Türkin Nora (Aylin Tezel), wohnt in der Nordstadt, und sie bleibt auch dort – und zwar gern.

Premiere Tatort Dortmund

Jürgen Overkott



Kommentare
12.11.2012
20:16
Zweiter Dortmund-
von nrw-buerger | #13

Hab ihn ganz gesehen
Fand ihn sehr autentisch .
Bis auf das eine Kriminal Beamtin die Müllabfuhr anruft und die dann auch noch den Müll entsorgt.
Hab Ich in Eving auch mal probiert .
Kaltes Lächeln und saudumme Sprüche , gepaart mit befliesenem Weiterleiten
.Das nächste Mal bitte mehr Realitätsinn.
Auch wenn der Herr Faber endlich mal in Aplerbeck eingeliefert würde ,währe sehr schön .
Ansonst ist ja nur Fernsehn
in diesem Sinne

12.11.2012
12:38
Zweiter Dortmund-
von michelino | #12

Eine authentische daher glaubhafte Story, weil sie realistisch die Verhältnisse in einem Teil der Dortmunder Nordstadt wieder spiegelt. Der Kommissar gefällt mir aber weiterhin überhaupt nicht und es stellt sich für mich die Frage, wie viel besser dieser Tatort mit einer anderen Besetzung hätte werden können.

12.11.2012
07:31
Zweiter Dortmund-
von captainkawa | #11

Sehr guter Tatort. Gerne mehr.

12.11.2012
00:27
Zweiter Dortmund-
von tunix | #10

Ich habe mich GUT unterhalten gefühlt und alles andere ist Plumpaquatsch,aber typisch Deutsch,man sucht hinter jedem Busch etwas.

12.11.2012
00:16
Zweiter Dortmund-
von knutknutsen | #9

Das war auf jeden Fall noch mal eine deutliche Steigerung zum ersten Dortmund-Tatort.
Guter Fall, überzeugende Schauspieler. Die Brücken Szene war super. Echte Gänsehaut!
Auch das ein brisantes Thema ohne Holzhammer-Pädagogik angepackt wurde (wie oft im Kölner Tatort) hat mir super gefallen.
Weiter so und ein kräftiges "Ruhrpott!!!"aus Gelsenkirchen!

11.11.2012
23:52
Zweiter Dortmund-"Tatort"
von FernerBeobachter | #8

Ich war überrascht von der meiner Meinung nach handwerklich gelungenen Kombination von inhaltlicher Dichte mit skurril-unterhaltsamer Weiterentwicklung der Charaktäre des Tatorts. "Interessant" die vielen Querverbindungen zwischen den Protagonisten: Auf der einen Seite der Medaille ist die wichtigste Zeugin eine geradezu stereotype Bordsteinschwalbe, auf der anderen Seite demonstriert die Kommisarin, dass auch sie in gewissen Stunden "recht tierlieb sein kann". Auf der einen Seite der erschossene Drogendealer als Anwärter auf den Award der "goldenen Nase", auf der anderen Seite der Kommissar, der sich vollaufen läßt, bis er versucht, von einer Brücke zu springen... "Leider" kein Happy-End: Die von der Handlung Gebeutelten stehen am Ende wieder da, wo sie vor dem Verbrechen herkamen, nämlich auf der Straße. Sympathisch zum auch Schluss der Vater und Ehemann, der, durch Fotos mit dem Verlust seiner Familie konfrontiert, mit einem "Baisy" den Schreibtisch zerlegt (Achtung: Querverbindung)

11.11.2012
23:04
Ich war . . .
von SchwarzerRitter | #7

. . . sehr gespannt - und bin jetzt sehr enttäuscht! Die krampfhaften Versuche, sich von anderen Krimis um jeden Preis zu unterscheiden, waren aus meiner Sicht hilflose Niveaulosigkeiten. Es fehlte jeglicher "Pfiff".

11.11.2012
22:42
Zweiter Dortmund-
von Stephen.Stockman | #6

Och, dieser viele Müll! Ist das auch in Duisburg so und wie kommt das?

11.11.2012
22:20
@ 3 und 4
von Forwhomthetollbells | #5

Kann Ihnen da nur 100%ig zustimmen !

11.11.2012
22:06
Zweiter Dortmund-
von xxyz | #4

Ich bin überrascht worden, wie viele Themen in 90 Minuten gepackt wurden, ohne dass der Film überfrachtet war. Ich hatte eine schlimme Folge erwartet und war jetzt sehr positiv überrascht worden.

Natürlich hätte man weniger oft betonen können, dass man in der Nordstadt ist.

Gelungen war der Abschluss, der zeigte, dass sich die Situation nicht ändert.



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