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Bravourstück

Zwei Schauspieler - sieben Rollen

13.04.2009 | 17:06 Uhr

Bei Jo und Stephan steht plötzlich Barney in der Tür - dankbar und glücklich, dass man ihn nicht ausgeschlossen und vergessen hat.

Dumm nur, dass auch Barneys Ex-Frau Biene erwartet wird - gemeinsam mit ihrem Neuem, Alex. Alex, stellt sich heraus, ist ein ziemlich schräger Vogel.

Das Missgeschick ist Stephan passiert. Er hat Barney auf der Straße getroffen und beim Abschied ein „bis morgen” gemurmelt. Bienes Trennung von Barney hatte er schlicht vergessen. Die Panne fällt erst auf, wenn Jo schon die Servietten verteilt und Stephan die Namen der Gäste übt. Für ihn sind eh alle gleich, alle „Chinesen”.

Auf der Probebühne 3 des Dortmunder Schauspiels, spät abends in der Reihe „Nachtexzess”, die sich mit Michael Frayns „Chinesen” von 1970 auch einmal Boulevard und Komödie erlaubt (Regie Mathias Frank), geht von diesem Augenblick an die Post ab. Ständig verstecken die Gastgeber Barney vor Nora, Peter, Biene und Alex und die vor ihm. Wenn Barney Alex hinter dem Vorhang entdeckt, hält er ihn für das Aupair-Girl, mit dem er ziemlich viel Zeit in der Küche verbringt.

Der Reiz des Stückes liegt in der Besetzung. Frayn, der später mit „Der nackte Wahnsinn” einen Welterfolg landete (1982), lässt nur zwei Schauspieler für die sieben Rollen zu. In Dortmund sind es Matthias Scheuring und Katja Quinkler, die kaum zu sich selbst und zum Atmen kommen dürfen. Tür auf, Tür zu, das Räderwerk der Farce verlangt Tempo und Rasanz; sicher werden Scheuring und Quinkler mit der Zeit noch zulegen. Immerhin gelingt der Schauspielerin schon jetzt ein kleines Bravourstückchen, wenn sie plötzlich zur nervenden Biene wird und man Barneys Rumtrauern gar nicht mehr glauben mag; eigentlich sollte er ihr fürs Weggehen immer nur Dankeschön sagen.

Am Ende herrschen hinter den verschlossenen Türen Schlaf und Chaos - und bei Jo und Stephan die Erkenntnis, dass es eigentlich ein ganz toller, ganz lebendiger Abend war.

Das Probebühnenpublikum teilt, am Applaus gemessen, offensichtlich diese Meinung.

Rainer Wanzelius

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