Zwei Freunde, zwei Vereine, ein Derby

Stanley und Mika sind beste Freunde. Die beiden Neunjährigen kicken in der E2-Jugend beim Hombrucher SV. Sie verstehen sich blind, haben die gleichen Hobbys. Doch bei einer Sache gehen die Meinungen weit auseinander. Es geht um den BVB, den FC Schalke 04 und um das Revierderby.

Dortmund.. "Ich bin Schalker, ich fühl das", sprach Arthur Stanley Feldbrugge, kaum dass er sprechen konnte. Sein Vater unternahm einen pädagogischen Versuch, um das Kind umzustimmen: "Werd doch Borusse. Wäre besser für Dich in Dortmund." Umsonst. Allerdings verschweigt Vater Rainer nicht, dass es sich um ein genetisches Problem handeln könnte. Er selbst ist nämlich auch Schalker.

"Ich kann nicht anders, ich bin in Dorsten geboren, wo alle Schalker sind, im Schatten vom Parkstadion", bekennt Rainer Kleinespel, 51, Schauspieler beim Dortmunder Kinder- und Jugendtheater, Vater von Arthur Stanley (9) und damit besagter Erbgut-Lieferant. Bei Stanleys bestem Freund Mika (9), Dortmunder wie sein Kumpel, fließt dagegen Schwarzgelb durch die Adern und nicht Blauweiß. Beide kicken gemeinsam beim Hombrucher Sportverein, in der E2-Jugend.

Heimatverein von Mario Götze

Es ist die Kaderschmiede, die schon Mario Götze formte. Und bevor der spätere Weltmeister seine fußballerische Heimat an die Bayern verriet, schenkte er Stanley und Mika Trikots, die beide mit Inbrunst unter dem Sportdress tragen. Aber Stanley in seinem Schalke-Outfit zieht vorsichtshalber eine Jacke darüber, wenn er in der U-Bahn sitzt. Er hat doch zu viel Angst vor Pöbeleien, die kein Mensch braucht.

"Foppen ist erlaubt zwischen Schalkern und Borussen, natürlich auch zwischen den Freunden, aber jegliche Form von Gewalt geht natürlich überhaupt nicht", sagt Rainer Kleinespel und macht klar: "Eltern müssen aufpassen, was sie ihren Kindern vorleben."

Klar, auch er hat als Fußball-Papa schon oft genug miterleben müssen, wie aus dem Spielfeldrand, auf den Rängen der Eltern, und aus dem Umfeld des Signal Iduna Parks, Kriegs-Ersatz-Schauplätze wurden. "In Hombruch ist das zum Glück nicht so der Fall", sagt der Fahrer vom Fußball-Nachwuchs, der genug andere Spielstätten kennt.

Das 146. Revierderby

Die "ziemlich besten Freunde", Arthur Stanley Feldbrugge, Mitglied bei Schalke, und Mika Samuel Heine, Mitglied bei Borussia, wollen nicht ins Stadion am Samstag. Wollen nicht live dabei sein, wenn das 146. Revierderby auf dem Rasen tobt. Angst? "Nöööööööö", meinen beide, aber dann: "Es könnte was passieren", sagt Stanley.

Drei Tipps

"Ach, die Polizei wird das schon verhindern", versichert Vater Rainer. Die Jungs, die sich kennen und lieben, seit sie Drei waren, gucken das Derby. Na klar. Aber im Vereinsheim auf dem Bildschirm.Und wie geht‘s aus? Da sind sich alle drei Fußball-Experten, die so innig verbunden sind, völlig uneinig:

› 2:1 für Borussia. Sagt Mika.
› 2:1 für Schalke. Sagt Stanley.
› 1:1. Sagt Vater Rainer.

"Das wäre für den allgemeinen Frieden am besten", hofft er. Und dass es alle Fans so locker sehen mögen wie die beiden Jungs: Fans ja, ganz Feuer und Flamme für den eigenen Verein, aber bitte immer in aller Freundschaft!