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Amtsgericht

Zwei Frauen und das liebe Geld

12.09.2012 | 18:03 Uhr
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Dortmund.   Wegen Betrugs muss eine 35-Jährige 600 Euro Geldstrafe zahlen, so lautete ein Urteil im Amtsgericht. Sie hatte sich 6000 Euro von ihrer Freundin geliehen und ihr vorgegaukelt, das Geld bald zurückzahlen zu können.

Früher sahen sie sich regelmäßig, tranken zusammen Kaffee, schütteten sich gegenseitig ihr Herz aus. Eine Frauenfreundschaft, auf die beide bauen konnten. Bis die eine Freundin Geldsorgen plagten und die andere ihr Geld lieh. Gestern im Amtsgericht würdigten sich die beiden kaum eines Blickes.

Wegen Betruges muss die 35-jährige Angeklagte jetzt 600 Euro Geldstrafe zahlen, so lautete das Urteil des Amtsrichters Sebastian Hans. Die Frau hatte sich im Sommer letzten Jahres rund 6000 Euro von ihrer damaligen Freundin geliehen, ihr das Geld aber bis heute nicht zurückgegeben. Was allein noch nicht strafbar ist. Doch nach Überzeugung des Gerichtes hat die attraktive Frau ihrer Freundin damals vorgegaukelt, das Geld schon bald zurückzahlen zu können.

Die Geschichte von Omas Häuschen

Schließlich sei häufiger die Rede von einer Erbschaft gewesen, von einem Haus der Großmutter, das noch verkauft werden sollte. In der Anklage ist nur von 4500 Euro die Rede, doch die Angeklagte sagte von selbst, ihr die Freundin etwa 6000 Euro geliehen hatte: Ersparnisse der Freundin, die einen Kiosk betreibt und finanziell wahrlich nicht auf Rosen gebettet ist.

Die Angeklagte wehrte sich vehement dagegen, ihre frühere Freundin bewusst getäuscht und hintergangen zu haben. „Frau M. wusste, dass meine finanzielle Situation chaotisch war, dass ich kein Geld hatte.“ Und sie fährt fort: „Sie wollte mir helfen, sie hat mir von sich aus angeboten, mir das Geld zu leihen. Sie wollte ja noch nicht mal etwas Schriftliches.“

„Sie tat mir leid, ich wollte ihr einen Gefallen tun“

Was die Freundin als Zeugin auch bestätigte. „Ja, sie tat mir leid, sie kam in meinen Laden und weinte, ich wollte ihr einen Gefallen tun.“ Sie habe auch gewusst, wohin ihre Ersparnisse fließen sollten: Auf das Konto des Lebensgefährten der Angeklagten, dem damals das Finanzamt im Nacken saß.

Verteidigerin Ina Klimpke sah „absolut keine Täuschung“ und forderte Freispruch. „Meine Mandantin hat zwar ein Haus erwähnt. Sie hat aber auch gesagt, dass ihre momentane Situation chaotisch ist.“

Per Gerichtsbeschluss muss Angeklagte das Geld in Raten zurückzahlen

Da war Amtsrichter Sebastian Hans anderer Meinung. Das Haus ist wegen Erbstreitigkeiten noch immer nicht verkauft – und auf diese Schwierigkeiten hätte die Angeklagte ihre Freundin hinweisen müssen. Per Gerichtsbeschluss bekommt die Frau ihre 6000 Euro nun zurück, die Freundschaft jedoch ist nicht zu retten.

Kathrin Melliwa

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