Zwangseinweisung für fast 1000 Menschen jährlich

Luftbild von der forensischen Psychiatrie Wilfried-Rasch-Klinik in Aplerbeck. In Dortmund werden jährlich zwischen 830 und 1000 Menschen in die Psychiatrie zwangseingewiesen.
Luftbild von der forensischen Psychiatrie Wilfried-Rasch-Klinik in Aplerbeck. In Dortmund werden jährlich zwischen 830 und 1000 Menschen in die Psychiatrie zwangseingewiesen.
Foto: Oscar Neubauer
Was wir bereits wissen
Zwischen 830 und 1000 Personen werden in Dortmund jedes Jahr in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Die Fallzahlen sind hoch, doch die Verweildauer ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen.

Dortmund.. Eine Frau terrorisiert ihre gesamte Nachbarschaft. Sie tut dies ganz augenscheinlich nicht bewusst, weil sie psychisch krank sein soll. Die Mittdreißigerin könnte an Traumata leiden. Vielleicht hat sie unvorstellbar Schreckliches in der Kindheit erlebt. Es gibt nur Vermutungen.


Die Nachbarn stehen seit fast vier Jahren mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes in Verbindung. Sie können nicht mehr schlafen, weil die Frau nebenan schreit. Oft die ganze Nacht durch. "Wir wollen ihr natürlich helfen", sagt Alexandra K., "sie muss dringend behandelt werden."

Zwangseinweisung nur bei Gefährdung

Ein Einzelfall? "Kein Einzelfall", sagt Dr. Ulrike Ullrich, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Aber ihr Team aus dem Amt ist machtlos: "Die fragliche Nachbarin will sich nicht helfen lassen. Wir schauen regelmäßig vorbei. Sie können niemanden gegen seinen Willen zwingen, sich behandeln zu lassen."

Es gibt die Möglichkeit der sogenannten Zwangseinweisung nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz, kurz Psych KG. "Nur, wenn Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt", ergänzt Dr. Ullrich.

Zunehmend ältere Menschen

In Dortmund werden jedes Jahr zwischen 830 und 1000 Menschen in die Psychiatrie zwangseingewiesen. 14 Prozent von ihnen stammen aus dem Kreis Unna, weil der auch zum Einzugsbereich der LWL-Klinik in Aplerbeck zählt. Unter den Zwangseingewiesenen sind immer mehr ältere, demente, allein lebende Menschen.

Die Fallzahlen seien so hoch, so Dr. Ullrich, weil die Verweildauer in der Psychiatrie von 169 Tagen vor 33 Jahren auf 20 Tage heute zurück gegangen ist. "Die Finanzierungsgrundlagen haben sich drastisch geändert." Das Ergebnis: Eine Psychiatrie als Drehtür, in der Menschen nur "anbehandelt" werden.