Das aktuelle Wetter Dortmund 14°C
Psychiatrie in Dortmund

Zwangseinweisung für fast 1000 Menschen jährlich

22.02.2013 | 11:43 Uhr
Zwangseinweisung für fast 1000 Menschen jährlich
Luftbild von der forensischen Psychiatrie Wilfried-Rasch-Klinik in Aplerbeck. In Dortmund werden jährlich zwischen 830 und 1000 Menschen in die Psychiatrie zwangseingewiesen.Foto: Oscar Neubauer

Dortmund.  Zwischen 830 und 1000 Personen werden in Dortmund jedes Jahr in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Die Fallzahlen sind hoch, doch die Verweildauer ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen.

Eine Frau terrorisiert ihre gesamte Nachbarschaft. Sie tut dies ganz augenscheinlich nicht bewusst, weil sie psychisch krank sein soll. Die Mittdreißigerin könnte an Traumata leiden. Vielleicht hat sie unvorstellbar Schreckliches in der Kindheit erlebt. Es gibt nur Vermutungen.

Die Nachbarn stehen seit fast vier Jahren mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes in Verbindung. Sie können nicht mehr schlafen, weil die Frau nebenan schreit. Oft die ganze Nacht durch. "Wir wollen ihr natürlich helfen", sagt Alexandra K., "sie muss dringend behandelt werden."

Zwangseinweisung nur bei Gefährdung

Ein Einzelfall? "Kein Einzelfall", sagt Dr. Ulrike Ullrich, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Aber ihr Team aus dem Amt ist machtlos: "Die fragliche Nachbarin will sich nicht helfen lassen. Wir schauen regelmäßig vorbei. Sie können niemanden gegen seinen Willen zwingen, sich behandeln zu lassen."

Es gibt die Möglichkeit der sogenannten Zwangseinweisung nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz, kurz Psych KG. "Nur, wenn Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt", ergänzt Dr. Ullrich.

Zunehmend ältere Menschen

In Dortmund werden jedes Jahr zwischen 830 und 1000 Menschen in die Psychiatrie zwangseingewiesen. 14 Prozent von ihnen stammen aus dem Kreis Unna, weil der auch zum Einzugsbereich der LWL-Klinik in Aplerbeck zählt. Unter den Zwangseingewiesenen sind immer mehr ältere, demente, allein lebende Menschen.

Die Fallzahlen seien so hoch, so Dr. Ullrich, weil die Verweildauer in der Psychiatrie von 169 Tagen vor 33 Jahren auf 20 Tage heute zurück gegangen ist. "Die Finanzierungsgrundlagen haben sich drastisch geändert." Das Ergebnis: Eine Psychiatrie als Drehtür, in der Menschen nur "anbehandelt" werden.

Ulrike Böhm-Heffels



Kommentare
23.02.2013
12:21
Zwangseinweisung für fast 1000 Menschen jährlich ....
von WattNuh | #1

... und eine Psychiatrie als "Drehtür", in der nur "anbehandelt" wird. Das unser Gesundheistsystem marode ist und dass Geld die Maxime dort geworden ist und der Begriff "Volksgesundheit" vermutlich schon auf der Liste der "politisch inkorrekten" bösen Worte steht, zeigt, wo diese Gesellschaft steht.

Aus dem Ressort
Das sind die Kandidaten für den Dortmunder des Jahres
Abstimmung läuft
Die drei Kandidaten stehen fest, ab jetzt zählt jede Stimme: Die Wahl zum Dortmunder des Jahres 2014 startet am Samstag. Das sind die drei Kandidaten für den wichtigsten Dortmunder Ehrenamtspreis.
Vierköpfige Bande überfällt Seniorenpaar zu Hause
Überfall
Überfall auf ein Ehepaar in Eving: Vier Männer sind am Donnerstag in die Wohnung eines Seniorenpaars eingedrungen. Sie erbeuteten laut Polizei einen "hohen" Geldbetrag. Der Fall erinnert an einen brutalen Raub vom Montag in Witten, bei dem eine 79-Jährige brutal überfallen wurde.
Tickets für Kraftklub und Thees Uhlmann an der Abendkasse
Visions-Festival
Am Samstag ist es soweit: Mit einem hochkarätig besetzten Festival in der Westfalenhalle feiert das Dortmunder Musikmagazin Visions sein 25-jähriges Bestehen. Thees Uhlmann, Royal Republic, Marcus Wiebusch und Kraftklub geben sich die Ehre. Für spontane Fans gibt es noch Tickets an der Abendkasse.
Brüder sollen BVB-Ordner im Stadion misshandelt haben
Gewalt
Beim Spiel des BVB gegen Augsburg im April 2013 sollen sich zwei Fans aus Ahlen mit einer Reihe Stadion-Ordner angelegt haben. Seit Freitag beschäftigt der Fall das Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Brüdern vor, die Ordner misshandelt zu haben. Die Fans haben eine ganz andere Version.
So würden Dortmunds Kliniken auf Ebola reagieren
Seuche
Keines der Krankenhäuser in Dortmund könnte im Fall der Fälle einen Ebola-Patienten behandeln, auch nicht das größte Krankenhaus in NRW, das Klinikum Dortmund. Zum Einsatz müsste ein Spezial-Rettungswagen kommen. Die Sicherheitsstandards für die Isolation eines Ebola-Kranken sind einfach zu hoch.
Fotos und Videos
Im Haus der kleinen Forscher
Bildgalerie
Fotostrecke
Martener Kindergarten hat neue Spielgeräte
Bildgalerie
Fotostrecke