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Naturkundemuseum

Zum Geburtstag ein Mammut

29.05.2012 | 17:06 Uhr
Zum Geburtstag ein Mammut
Das Naturkundemuseum feiert am 2. Juni 2012 seinen 100. Geburtstag. Heike Fischer im historischen Kostüm betrachtet den Riesenseeadler.Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Sie wollen mit Dr. Dr. Elke Möllmann den 100. Geburtstag des Naturkundemuseums feiern? Kein Problem: Kommen Sie am nächsten Sonntag doch einfach vorbei – der Eintritt ist frei. Sie wollen ein Geschenk mitbringen? Dann besorgen Sie schon mal ein paar Meter Geschenkpapier. Elke Möllmann wünscht sich nämlich ein Mammut

Sie wollen mit Dr. Dr. Elke Möllmann den 100. Geburtstag des Naturkundemuseums feiern? Kein Problem: Kommen Sie am nächsten Sonntag doch einfach vorbei – der Eintritt ist frei. Sie wollen ein Geschenk mitbringen? Dann besorgen Sie schon mal ein paar Meter Geschenkpapier. Elke Möllmann wünscht sich nämlich ein Mammut.

„Ein Kleines gibt es schon ab 100 000 Euro“, sagt Dr. Cornelia Bockrath (wissenschaftliche Mitarbeiterin). Allerdings nicht an jeder Ecke zu kaufen: Sie werden zum Beispiel noch aus dem Permafrost in Sibirien ausgegraben. Manchmal auch von anderen Museen weitergegeben. Und eines davon würde sich prima ins neue Konzept für die Dauerausstellung einpassen, findet Möllmann.

Aquarium zur Museumsnacht offen

Die steht in Grundzügen („Wir wollen das nicht mehr so streng systematisch erzählen, sondern Ökosysteme erlebbar machen. In der Biologie unter dem Motto „Stadt. Land. Fluss“). Der Zeitplan steht eben noch nicht. Denn zunächst braucht das Naturkundemuseum eine Grundsanierung, wird in diesem Zuge vielleicht schon ab 2013 für rund eineinhalb Jahre geschlossen. Dafür allerdings ist ein Ratsbeschluss erforderlich und der Ratssaal ist zurzeit so leer wie das Museums-Aquarium .

Möllmann kennt sich mit Baustellen im Haus inzwischen aus. 2009 waren die ersten Fische umgesiedelt worden – seitdem wird am Aquarium gewerkelt. „Ist halt schwierig bei laufendem Betrieb“, zuckt die Museumsleiterin mit den Schultern. Wanddurchbrüche bitte immer nur montags... „Wahrscheinlich zur Museumsnacht“ soll die neue heimische Unterwasserwelt präsentiert werden.

Geschätzt 255 000 Objekte

Dann ist das 100 Jahre alte Museum um eine dem Zeitgeist angepasste Attraktion reicher. „Das Sammlungskonzept heute ist ein anderes“, erklärt Dr. Bockrath. Früher waren es eher die exotischen Tiere, die bunten Minerale, die lockten. „Heute geht uns die heimische Natur verloren“. Darauf soll künftig das Augenmerk verstärkt gerichtet werden – aber natürlich: Die Sammlung bleibt, inklusive der historischen Objekte, die den Brandbombenangriff im Krieg überdauert hatten. Das Geweih eines Riesenhirsches gehört dazu, das Skelett des Höhlenbären. Und keine Sorge: selbst wenn Möllmann ein Mammut bekommen sollte – der Dino, noch Blickfang im Eingangsbereich, wird bleiben. „Aber der ist eben aus Kunststoff“. Und sowas gibt’s in jedem zweiten Vergnügungspark. „Wir haben die Originale, die echten Objekte. Und deshalb kommen die Menschen ins Museum“. Weil es Geschichte atmet, vier Milliarden Jahre alt bei den ältesten Fossilien im Museumsbesitz.

255 000 Objekte geschätzt umfasst die Sammlung heute. Kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs 1945 waren nahezu 90 Prozent des damaligen Bestandes im Bombenhagel über Dortmund zerstört worden. „Aber obwohl die Stadt in Schutt und Asche lag gab es sofort Menschen, die das kulturelle Erbe weiter pflegen wollten“, macht Möllmann einen kurzen Ausflug in die Geschichte.

Besucherstärkstes Museum

Genau heute vor 100 Jahre hatte das „Naturwissenschaftliche Museum“ erstmals geöffnet, damals noch in der Viktoriastraße. 1934: Umzug in die Balkenstraße, heute Friedensplatz. 1945 die Zerstörung; die Ausstellungsräume waren rasch notdürftig wieder hergerichtet worden. Im Mai 1980 dann war das Museum für Naturkunde an der Münsterstraße eröffnet worden und schaffte schon 1988 die Schallgrenze von einer Million Besuchern.

Heute wächst hauptsächlich die geologische Abteilung – durch geschenkte Mineraliensammlungen. Der Geo-Garten draußen wird zum Geburtstag vorgestellt, die Edelsteinschleiferei arbeitet, es gibt Spinnen zum Anfassen und und und. Kein Mammut. Aber ein Mammutprogramm.

Das Programm:

In 100 Jahre alten Kostümen begrüßen die Mitarbeiter des Museums (zwölf feste, etwa 15 Honorarkräfte plus Ehrenamtliche) die Besucher zur Geburtstagsfeier am Sonntag, 3. Juni.

  • 11 - 13 Uhr Festakt mit geladenen Gästen; Festrede: Dr. Bernd Herkner, Leiter des Senckenberg-Naturmuseums Frankfurt.
     Buntes Festprogramm für die ganze Familie von 13 bis 18.30 Uhr – unter anderem mit Wissenschaftsshows der Physikanten (14 und 16 Uhr), Steinzeitvorführungen, Gesteinsmemory.
  • Ehrengast ist der erste Museumsdirektor, Prof. Weinert (alias Andreas Beck), der um 13 und 15 Uhr historische Führungen durchs Museum anbietet.
  • Ab 19 Uhr: Konzert und Whisk(e)ybar – Irish Folk mit dem Mark Bennett-Duo.
    Eintritt: frei

Von Anja Schröder


Kommentare
29.05.2012
21:56
Zum Geburtstag ein Mammut
von xxyz | #2

Mich haben Naturkundemuseen immer wieder fasziniert.
Ich finde es auch wichtig, dass zumindest in Teilbereich das historische Konzept erhalten bleibt. Selbst die großen Museen wirken in vielen Bereichen verstaubt.

Insbesondere die heimische Welt vor Millionen von Jahren war faszinierend. Für mich haben solche Museen wesentlich mehr Wert als ein Elektromarkt-Museum mit vielen Monitoren, für das die Stadt horrende Summen ausgibt.

Ich bin bisher davon ausgegangen, dass der Artenreichtum in der Stadt zunimmt, da immer mehr wilde Tiere verstädtern. So viele Raubvögel wie in den letzten Jahren, habe ich noch nie in Dortmund gesehen, aber dafür fehlt der Spatz.

Vielleicht wird es ja noch etwas mit dem Mammut. Im vergleich zu manchen Rostflecken sind 100000 EUR ein Schnäppchenpreis.

29.05.2012
17:55
Zum Geburtstag ein Mammut
von erikwelter | #1

Es ist schon traurig, dass das Aquarium, welches immer eine Attraktion für die Kinder war, seit 2009 geschlossen ist. Bitter, wie so ein Museum, welches einen hohen Bildungswert hat, abgewirtschaftet wird, während in Dortmund andere kulturelle Highlights aus dem Boden gestampft werden. Ich habe nichts gegen solche Prestigeobjekte wie da U, aber man soll das Basisangebot, und dazu gehört einfach ein Naturkundemuseum, nicht vernachlässigen. Ansonsten sollten wir uns nicht wundern, wenn eines Tages kein Kind mehr die heimische Fauna und Flora kennt, da es bisher noch keine Naturkundemuseums-App gibt.

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