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DASA-Jugendkongress

Zukunft – zwischen Höhenflug und Balanceakt

19.09.2012 | 16:34 Uhr
Zukunft – zwischen Höhenflug und Balanceakt
Dasa Jugendkongress in Dortmund Dorstfeld. Abseits bekannter Pfade können sich heute und morgen Jugendliche über Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Ein Höhepunkt war für Viele das Klettern in luftiger Höhe über einen Seilparcour.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Sara ist eine Wackelkandidatin. Kurz vor dem Ziel gibt sie auf. „He, Du da! Kann ich runter!?“ Mirco Wickert schüttelt den Kopf. Abbrechen, an dieser Stelle? „Nein“. Eine klare Ansage. Sara beißt die Zähne zusammen und kämpft sich durch. Dann hat sie wieder Bodenhaftung: „Man sollte“, sagt sie atemlos, „sich nicht überschätzen“.

Der Kletterparcours vom Team 360 Grad – die Attraktion beim Dasa-Jugendkongress gestern. Eine mit Lerneffekt. „Teambuilding, Koordination, Selbsteinschätzung...“, zählt Mirco Wickert auf. „Wir machen das zur Persönlichkeitsstärkung“, sagt Wolfgang Eisenreich vom Mildred-Scheel-Berufskolleg und verfolgt atemlos seine Schüler. Sie alle holen, mit unterschiedlichsten Geschichten im Rucksack, den Hauptschulabschluss nach.

Veränderte Perspektive

Die eine Mutter geworden mit 16, der andere Schulabbrecher... Und für alle verändert sich auf dem zehn Meter hohen Gerüst plötzlich die Perspektive.

Tausende von Jugendlichen haben heute und morgen beim Jugendkongress die Möglichkeit, das Wort „Zukunft“ für sich selbst zu definieren. „Komm auf Tour – wo liegen Deine Stärken?“ fragen fast fünf Dutzend Aussteller und Anbieter, informieren über Berufsbilder, Ausbildungschancen und geben den Jugendlichen die Gelegenheit, sich selber auszuprobieren. Wie Jannis, einziger Junge unter den Mädchen am Stand der Konditoren, der mit Hingabe Marzipanfiguren formte. Hanan Smaali (22) wandte sich gezielt an Nadja Klapper, Auszubildende im 3. Lehrjahr und auf dem Weg zur Dessertchefin, die leidenschaftlich für einen süßen Beruf mit bitteren Arbeitszeiten warb. Die sind für Hanan zweitrangig: „Ich backe gerne“ – und das Praktikum in einer Konditorei hatte sie überzeugt. Sie sucht jetzt eine Lehrstelle.

Anbieter auf Augenhöhe

Die meisten Anbieter begaben sich auf Augenhöhe. Selbst die Agentur für Arbeit sandte Außerirdische aus, um für den „Planet Beruf“ zu werben. Das kam besser an als bundesministeriale Anzugträger hinter Bergen von Infomaterial. „Die Sachen zum Ausprobieren“, befanden auch Pia, Anne und Aylin, die hatten sie am ehesten angesprochen. Wie sie den Kongress finden? „Interessant“, urteilt Anne, die mit 15 ein klares Berufsziel vor Augen hat und sich deshalb auf den Bereich Gesundheit konzentrieren konnte. „Durcheinandergewürfelt“, stöhnen die kunstinteressierte Anne und Aylin, die Rechtsanwältin werden will.

Tatsächlich: Im riesigen Angebot konnte, wer sich keinen roten Faden gesponnen hatte, schnell den Überblick verlieren. Manche, aber eher wenige, machten sich auch erst gar nicht die Mühe. Standen mit Zigarette und coolen Sprüchen dumm rum und markierten Stärke. Ließen die Akteure auf der Talk-Bühne in einem vollen Saal allein. Die allerdings, auf Fragen zum Thema „Arbeiten im Ausland“ eingestellt, waren durchaus in der Lage schnell zu kontern und unaufgeregt Nachhilfe in Benimm zu geben.

Das Gros der jungen Menschen allerdings war wie Sara: bereit, die eigenen Höhenflüge kritisch zu hinterfragen. Und so fanden sich zwischen Infos aus erster Hand, Demonstrationen, Experimenten, Broschüren und Workshops letztlich lauter junge Menschen mit Blasen an den Füßen und der Erkenntnis, dass „Zukunft“ vielleicht ein Balanceakt, garantiert aber keine Einbahnstraße sein muss.

Anja Schröder


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