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"Zu alt" - Terrorzelle verschonte Dortmunder Unternehmer

16.01.2012 | 09:16 Uhr
"Zu alt" - Terrorzelle verschonte Dortmunder Unternehmer
Waffen, die im Wohnhaus der mutmaßlichen Täter der Neonazi-Mordserie in Zwickau sichergestellt wurden.Foto: Archiv/dapd

Dortmund.   Ein 60-jähriger türkischer Unternehmer aus Dortmund, der in das Visier der Zwickauer Terrorzelle geraten war, ist nach Medieninformationen verschont worden, weil er zu alt ist. Demnach wollten sich die mutmaßlichen Täter auf "unarische" Männer im zeugungsfähigen Alter beschränken.

Die Zwickauer Terrorzelle soll sich nach Informationen des "Spiegel" bei der Auswahl ihrer Opfer auf "unarische" Männer im zeugungsfähigen Alter beschränkt haben. Das habe die Auswertung von sichergestelltem Beweismaterial ergeben.

Aus diesem Grund hätten die rechtsextremistischen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt von der geplanten Ermordung eines 60-jährigen türkischen Unternehmer aus Dortmund abgesehen. Die "Person" sei zwar "gut, aber alt (über 60)", heißt es demnach in den Notizen.

Polizei prüft Bezug der Terror-Zelle zum Polizistenmord in Dortmund

Im Zusammenhang mit den Anschlagsvorwürfen gegen die Zwickauer Terrorzelle überprüfen die Behörden auch eine mögliche Verbindung zum Polizistenmord in Dortmund und Waltrop . Das teilte jüngst NRW-Innenminister Ralf Jäger im Landtag mit. Der mutmaßliche Nationalsozialist Michael Berger hatte im Jahr 2000 drei Polizeibeamte im Einsatz erschossen.

Auch der Tod von Mehmet Kubasik steht wieder im Fokus, zumal dieser 2006 in einer der Nazi-Hochburgen Dortmund stattfand. Und: Der Kiosk des Opfers lag nur wenige Meter entfernt vom Nazi-Treff „Deutscher Hof“ in der Nordstadt.

Auch der Anschlag mit einer Nagelbombe 2004 in Köln geht höchstwahrscheinlich auf das Konto der Zwickauer Terrorzelle zurück. Ermittler fanden Dateien auf einem der sichergestellten Computer, die eine Beteiligung der Neonazis nahelegen.

Bei den Ermittlungen wird zudem eine Verbindung zu einem ungeklärten Anschlag in Duisburg geprüft. Im Dezember 2003 war ein türkischstämmiger Gastwirt angeschossen worden – mit einem Schussapparat, wie er auch in der NSU-Wohnung gefunden wurde.

Das Neonazi-Trio plante seine Mordserie nach Angaben des "Spiegel" nach dem Vorbild amerikanischer Rassisten. In einem frühen Bekennervideo seien Kästchen zu sehen, die sich jeweils mit dem Datum eines Attentats füllen. Auffällig sei, so heiße es in einem aktuellen Ermittlungsbericht des Bundeskriminalamts (BKA), "dass bei den Einblendungen immer 14 umrahmte Felder zu sehen sind". Die Zahl 14 beziehe sich auf die ideologische Leitlinie eines amerikanischen Rassisten, die aus 14 Wörtern bestehe.

Der "Nationalsozialistische Untergrund"

Der "Nationalsozialistische Untergrund" ist eine rechtsterroristische Untergrundorganisation, die den deutschen Sicherheitsbehörden seit November 2011 bekannt ist. Die Terrorzelle flog auf, als Fahnder am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach zwei Leichen in einem ausgebrannten Wohnmobil fanden. Bei den Toten handelte es sich um die polizeibekannten Rechtsextremisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Ermittlungen zufolge hatte Mundlos zunächst Böhnhardt erschossen, dann das Wohnmobil angezündet und schließlich sich selbst getötet. Ihre mutmaßliche Komplizin, Beate Zschäpe, stellte sich am 8. November 2011 in Jena der Polizei. Zuvor hatte sie in einer gemeinsamen Zwickauer Wohnung eine Explosion verursacht. Das Haus wurde völlig zerstört.

Als gesichert gilt inzwischen, dass die Terroristen für Anschläge und mehrere Morde in ganz Deutschland verantwortlich sind. Die Ermittlungen gegen mögliche weitere Mitglieder und Unterstützer der Zelle dauern an - das Ausmaß der Taten ist noch unklar. Die Fraktionen im Bundestag wollen nach eigenem Bekunden die Rolle der Sicherheitsbehörden und etwaige Ermittlungspannen aufklären. Zudem sollen die Länder an der Aufklärung mitarbeiten. Die Innenministerkonferenz hat sich für ein neuerliches NPD-Verbotsverfahren ausgesprochen.

(Mit Material von dapd)

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