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Zirkusdirektor auf der Anklagebank

27.03.2008 | 21:37 Uhr

Der Zirkus "Apollo" ist sein Leben. Und erst seine Elefanten! "Sie lebten bei uns wie im Paradies", ruft der Zirkuschef pathetisch. ...

Da war die Welt noch in Ordnung: Der Chef des Familienzirkus "Apollo" mit seinem ganzen Stolz, den beiden asiatischen Elefantendamen "Indra" und "Rekka".

... Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Demnach soll der 72-Jährige zusammen mit seiner Ehefrau zwei Dickhäutern "wiederholt Leiden zugefügt haben". Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz saß die Doppelspitze des Familienunternehmens gestern auf der Anklagebank des Dortmunder Amtsgerichtes. Der Stein des Anstoßes, "Indra" und "Rekka", die beiden 47 Jahre alten Elefantendamen, genießen mittlerweile in einem Zoo im holländischen Arnheim ihren Altenteil.

Frische Brise statt Zirkusluft: Vor allem, als "Apollo" im Sommer und Herbst 2006 in Lünen gastierte - unter anderem in Gahmen und am Freibad - hatten besorgte Bürger immer wieder beim Ordnungsamt Alarm geschlagen. Nicht etwa, weil die Dickhäuter geschlagen oder misshandelt wurden. Vielmehr hatten "Indra" und "Rekka" keinerlei Auslaufmöglichkeiten, standen tagelang angekettet in fensterlosen Transportwagen, so lautet der Hauptvorwurf. Auch soll das Futter nicht üppig gewesen sein.

Ein Misstand, den eine Veterinärmedizinerin gestern als Zeugin bestätigte. Besonders Elefanten brauchten Abwechslung, brauchten Anregung, dürften keineswegs einfach angebunden vor sich hindämmern. "Die Möglichkeit, sich selbst zu bewegen, sich auch durch Scheuern der Haut selbst zu pflegen, ist immens wichtig", erklärte die Tiermedizinerin.

Eine Fachärztin für Zoologie, Schwerpunkt Elefanten, hatte die beiden Dickhäuter kurz vor ihrer Abreise nach Arnheim untersucht. Das alarmierende Ergebnis: Beide Elefantendamen seien in einem schlechten Gesundheitszustand, litten unter anderem unter Ödemen. Der Bewegungsmangel habe zudem dazu geführt, dass sie nur mit großer Mühe selbst aufstehen könnten. "Das sind eben alte Damen. Ich kann mich auch nicht mehr so fix wenden wie früher", sagt die Ehefrau des Zirkuschefs und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Auge. Ihr Mann dagegen fühlt sich auch auf der Anklagebank wie in der Manege. "Das ist alles gelogen. Zehn Polizisten haben meine geliebten Tiere gestohlen", wettert er, steht auf und ruft mit weit ausgebreiteten Armen: "Ehrenwerter Herr Richter, die Elefanten sind drei Meter hoch, die größten in Deutschland. Da haben schon Herr Genscher, Herr Kohl und Herr Weizsäcker drauf gesessen." Amtsrichter Helmut Kittel nickt beeindruckt. Und bemerkt: "Eine artgerechte Haltung war das trotzdem nicht." Doch sei die existentiell schlechte Situation des Zirkus sicher bedauerlich.

Wenn Mitte April der Prozess um Indra und Rekka weitergeht, wird auch Jürgen Hintzmann aus der Stabsstelle Umweltkriminalität im NRW-Ministerium für Umwelt und Naturschutz als aufmerksamer Beobachter wieder dabei sein. Ein Zeichen, wie wichtig Tierschutz in Düsseldorf genommen wird.

Von Kathrin Melliwa

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