Zeitreise in die Manderley-Ära
23.10.2008 | 20:15 Uhr 2008-10-23T20:15:59+0200"Sagt mir, wer sie sind, die Mächtigen in unserem Land. Zeigt mir die Gesichter, ruft die Namen laut hinaus." Klingt vertraut? Immerhin war "Manderley" in den 70er Jahren DIE deutsche Folk-Rock-Band. ...
... Jetzt gibt es ihr einziges Album auf CD: "...fliegt, Gedanken, fliegt". Und da sitzen sie, fast alle, im Cafe? des Fritz-Henßler-Hauses, die meisten Haare viel kürzer, verändert eben um über 30 Jahre: Pit Budde, Helga Rüzgar, Horst Stölzig, Lothar Kraft, Rudi Mika und Lutz Heffner. Aus den Augen verloren haben sie sich nie. Und ihre gemeinsame Geschichte ist alt.
Rückblende in das Jahr 1973. Inspiriert von Daphne du Mauriers Buch "Rebecca" gründen die Musiker "Manderley". "Das war eine ganz andere Epoche. Zu der Zeit war alles Neuland", erinnert sich Rudi Mika. "Wir waren so euphorisch. Alles veränderte sich und wir hatten das Gefühl, wir wirken daran mit." Es habe viele Möglichkeiten und kein Muss gegeben. "Wir wollten im Wesentlichen unsere eigenen Sachen machen", sagt Kraft. Und so nahm Manderley, nicht wie üblich in der Phase des Folk-Revivals, bekannte Songs und wandelte sie um. Die Band setzte auf eigene Ideen, eigene Kreativität, eigene Texte. Inhalte waren wichtig - Liebe bestand neben Politik. Und auch die Instrumentierung suchte das Ungewöhnliche: Geige oder Sitar wurden mit Gitarre und E-Bass kombiniert. "Wir waren eine der allerersten Bands, die Rock integriert haben", sagt Pit Budde. Manderley wurde bundesweit bekannt. Viele Konzerte, ein eigener Tourbus, viele Fans - bis sie sich 1978 trennten.
Ein gemeinsames Konzert gab es noch, Mitte der 80er im Henßler-Haus. Aber auch wenn alle Beteiligten immer wieder aufeinander trafen - ein Revival wollte niemand. "Manche Sachen muss man einfach so stehen lassen", findet Budde.
Trotzdem freuten sich die Musiker, als "Sireena Records" auf sie zukam, die sich auf die Wiederauflage alter deutscher Kultbands spezialisiert hat, um die CD zu erstellen. "Das ist ein bisschen, als ob es gar nicht wahr ist", sagt Helga Rüzgar, als sie das Werk in Händen hält. "Aber da kann man noch hinterstehen." Ein Erinnerungsstück - an das sich viele erinnern. Ein Veröffentlichungskonzert gibt es nicht. Einige der Musiker spielen als "Timeless" am 12.12. im Keuning-Haus.
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