Zeitarbeit bei AWO Dortmund „ist nicht unsozial“
08.11.2010 | 18:31 Uhr 2010-11-08T18:31:00+0100
Dortmund.Heute früh um 9 Uhr gehen die Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt auf die Straße. Sie streiken. Unter anderem wollen sie eine Begrenzung der Leiharbeiter-Einsätze erreichen. Dabei ist ihnen der Vorstand des AWO-Unterbezirks Dortmund längst zuvor gekommen. Und betont: „Zeitarbeit hat zwei Gesichter“.
Im Grundsatzpapier von Anfang Oktober ist das Wort sozial dick unterstrichen. Zeitarbeit – das sei auch in diesem Gremium ein hart umstrittenes Thema gewesen. Zumal nach den Praktiken, mit denen sich andere AWO-Kollegen in die Schlagzeilen katapultiert hatten. Dass bei der GAD, dem sozialen Personaldienstleister der AWO in Dortmund, die Uhren anders ticken, war gestern Thema bei Andreas Gora, AWO-Geschäftsführer im UB Dortmund, Anette Werst (GAD-Bereichsleiterin) und Rainer Goepfert (GAD-Geschäftsführer).
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, und zwar nach Tarif: 13,25 Euro – das verdient eine examinierte Altenpflegerin mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung bei der GAD. Die AWO zahlt bei gleicher Qualifikation 13,18 Euro. Das ist die simple Zahlenbasis für ein florierendes Geschäft. 2004 war die AWO-Tochter an den Start gegangen, um Langzeitarbeitslose im sozialen Bereich zu vermitteln. Das Projekt mit der Arbeitsagentur lief über zwei Jahre – mit 70-prozentiger Erfolgsquote. Andere Kunden außerhalb der AWO kamen hinzu, machen heute 30 % aus. „Inzwischen“, sagt Werst, „haben wir mehr Anfragen als Personal“.
Vorteil großer Pool
Wo die Vorteile der Zeitarbeit bei gleicher Bezahlung liegen? „Ich kann aus einem großen Pool von Leuten kurzfristig, auf den Tag genau, qualifizierte Beschäftigte bekommen“. Die auftragsabhängige Einstellung – ein Riesen-Pluspunkt. Und beschränkt auf maximal fünf % der Beschäftigtenzahl. Auch das hat sich der Dortmunder Unterbezirk auf die Fahne geschrieben. Von 480 Mitarbeitern sind neun Zeitarbeitnehmer. Unbefristete Arbeitsverträge, Qualifizierungen – sie wollen, sie sind weg vom Image „Zeitarbeit = unsozial“. Und weil Fachkräfte inzwischen zur Mangelware werden, können die sich auch hier, in der Zeitarbeitsfirma, ihre Arbeitszeiten aussuchen. Mit dem Projekt „Wunscharbeitszeiten“ wollen die GAD-Experten gerade Berufsrückkehrerinnen locken, die Job und Familie unter einen Hut bringen müssen.
„Wir haben“, bilanziert Goepfert, „insgesamt 750 Menschen eingestellt, 72 davon aus der Arbeitslosigkeit.“ 368 davon haben bei den entleihenden Firmen eine feste Stelle bekommen. Laufender Personalbestand der GAD: 80 bis 100 Mitarbeiter.
Dass Zeitarbeit eben auch Chance sein kann? Zeigt das Beispiel einer 40-Jährigen mit einer Bruchbiographie. Am 1. Oktober hat sie ihre Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin begonnen.
13:56
Ca. 4 Minuten gibt die Untergesellschaft DiesDas der AWO den Fahrern und Fahrerinnen zur Anfahrt zu weit entfernt lebenden Kunden und Kundinnen ihres Menü auf Rädern. Und ein paar Cent pro Lieferung. 4 Minuten brauchen betagte und gehbehinderte Menschen nicht selten, um an ihre Wohnungstür zu kommen, aufs Klingeln zu reagieren. Die AWO ist ein Abzockverein mit sozialem Anschein!
13:16
Hallo Robin G.,
diese Praxis ist absolut gängig. Bezahlt wird heutzutage nach der Art der Tätigkeit, nicht mehr nach der Qualifikation.
Im sozialen Sektor gibt es mehrere „Anpassungen“, die fast überall nur noch so praktiziert wird:
1. Einsatz von Nichtfachkräften. Dies ist so ausdrücklich erlaubt. Einfache Tätigkeiten (die Realität sieht manches Mal anders aus), werden von diesen ausgeübt, die Bezahlung unterscheidet sich natürlich auch hier.
2. Die Heimaufsicht gibt individuelle Quoten für die Einrichtungen vor - eine bestimmte Anzahl von Fachkräften“ muss in zumeist jeder Arbeitsschicht vorhanden sein, dies zur Ausgabe zum Beispiel von Medikamenten, der Dokumentation, dem Stellen von Medikamenten oder der fachlichen Pflege.
3. Fachkraftstellen werden zumeist nur als Erzieherstellen ausgeschrieben, dies ist legal.
4. Sozialpädagogen oder Heilpädagogen werden gern genommen, jedoch nur als Erzieher/Erzieherinnen bezahlt.
5. Bei den meisten Stellen handelt es sich nicht mehr um Vollzeitstellen, sondern um Teilzeitangebote - 0,5-Stellen-Anteile sind üblich, zuweilen gibt es 0,75-Stellen.
Wenn das Gehalt nicht ausreicht, wird eben vom Amt aufgestockt, damit Armut aufgefangen wird.
6. Zumeist werden darüberhinaus auch Anerkennungsjahrpraktikant/-innen gern genommen. Sie sind bereits staatlich geprüft, erhalten nur 50 Prozent des Gehaltes, arbeiten aber als 100-Prozent-Kraft in Vollzeit.
7. Meist kommt es bereits zum Einsatz von Zeitarbeitern, die manches Mal über betriebseigene Zeitarbeitsfirmen (Tochterunternehmen) eingestellt werden - selbst wenn diese fast annähernd den gleichen Stundenlohn erhalten, gibt es für diese Beschäftigten reduzierte Nachtarbeitszuschläge, Wechseldienstzuschläge, reduzierte Urlaubstage, keine Einzahlung in Betriebsvorsorge (wie der KZVK), weniger Wochenendzuschläge.
Ich habe es selbst erlebt: Menschen hangelten sich von einer Verlängerung zur nächsten, erhielten zuweilen 500 Euro (!) weniger Gehalt im Monat.
13:08
Die AWO als Abteilung der SPD war doch eine der ersten, die auch so genannte 1 Euro Jobber eingestellt haben und dadurch reguläre Vollzeitarbeitsplätze nach und nach gekürzt haben. Alle mit dem Argument der Wettbewerbsfähigkeit. Toller Wettbewerb! Soozialabbau durch soziale Einrichtungen... *würg*
12:32
Vielleicht ist nicht unbedingt die Zeitarbeit unterbezahlt - aber die DOBEQ als Untergesellschaft der AWO, die heute viel im Bereich der Betreuung an Grundschulen macht, wurde gegründet um unter Tarif bezahlen zu können. Ich weiß durch meine Tochter von Soziaplpädagoginnen (FH) die zum Erziehergehaltstarif eingestellt wurden ...