Zahl der Imker nimmt wieder zu
05.05.2010 | 18:39 Uhr 2010-05-05T18:39:00+0200
Imkerei zählt in Dortmund zu den eher raren Hobbys. Seit Jahren sinken die Zahlen der Imker, der Verband machte sich schon Sorgen. Umso erfreulicher, dass sie nun im Schwirrflug steigen. Um über zehn Prozent stieg sie im vergangenen Jahr.
Derzeit schicken 219 Imker aus neun Vereinen ihre 1146 Völker in die Bienenweiden der Stadt - soviel wie lange nicht. Für Rudolf Zenses (87) und Hans Giesenkirchen (80) ist das eine erfreuliche Entwicklung. Seit über 60 Jahren gehören sie dem Imkerverein Hörde-Wellinghofen an, und die Nachricht passt so richtig zum Jubiläum zum Anlass des 150-jährigen Bestehens, das der Verein im Herbst feiert.
Bei Giesenkirchen im Garten steht das Bienenhaus mit fünf Stöcken. Der alte Herr ist nicht besonders vorsichtig, als er einen Bienenkasten öffnet. Hundert laufen übereinander, keine fliegt. „Nix los”, sagt er. Ab zehn Grad Celsius erstarren die Bienen, gestern Morgen war es nicht allzuviel wärmer. Er klopft den Rahmen ab, träge stürzen die Insekten ab, eine umschwirrt ihn. „Jetzt wird 'se ungezogen”, sagt er.
Der Carnica-Rasse gehören sie an. Die Bienen gelten als ruhig, überdies wird bei der Zucht ebenfalls darauf geachtet, dass nur friedliche Völker in die Vermehrung kommen. Nicht zu vergleichen mit den Völkern der Landrasse, die sie aus ihrer Jugend kennen. „Die waren nicht so auf Sanftmut gezüchtet”, meint Zenses. Wenn da eine Kiste mal umfiel, „dann gab's Theater”.
»Imker sprechen über alles Mögliche, aber nicht übers Stechen«
Mit anderen Worten: Die Stiche, die er in Jahrzehnten verpasst kriegte, hat er nicht gezählt. „Imker sprechen über alles Mögliche, aber nicht übers Stechen” - aber ganz spurlos ist es auch nicht an ihr vorbeigegangen. Apropos Sprechen: Sie reden über das Imkerdorf im Süden, erinnern daran, dass früher Lehrer, Pastöre und Schutzleute häufig Imker waren. Warum das? „Weil die nicht so in Arbeit eingebunden waren - die konnten sich häufiger mal wegstehlen.”
Wo wir gerade über Zuchtergebnisse sprechen. Ein anderes ist, dass sich der Ertrag enorm gesteigert hat. Waren es früher vielleicht 7,5 oder acht Kilo Honig pro Volk, sind es jetzt 20”, sagt Zenses. Ein Ergebnis, das sich leicht auf einen Preis umrechnen lässt. „Ich hab' früher 200 bis 250 Kilo Honig im Jahr geschleudert - es ist ein Hobby, das auch noch Geld einbringt.” Er selber behielt kein Glas. „Nee”, brummt er, „ich ess' keinen - ich bin Diabetiker.”
Die Tür geht auf, eine junge Frau betritt das Geschäft für Imkereibedarf, das Giesenkirchen bereits in der dritten Generation führt. Sie hat eine außergewöhnliche Bitte - sie möchte drei Bienen. Eine Phobie gegen alles, was stechen kann, bedrängt sie. So etwas muss man ernst nehmen. Auf Anraten ihres Arztes nimmt sie nun an einer vorsichtigen Annäherung teil - sie schaut sich die Bienen in einer durchsichtigen Dose an, beschäftigt sich mit ihnen. „Vielleicht werd' ich ja noch Imkerin.” Das wär' dann noch eine mehr in der Statistik.
0mitdiskutieren