Wolfgang Ullrich aus Dortmund als Ehrengast bei Bundespräsident Gauck
10.09.2012 | 18:28 Uhr 2012-09-10T18:28:00+0200Dortmund. Für die Leser der WR ist er ein Held des Alltags. Für die Mitglieder im Verein „Return Sucht-Selbsthilfe“ ein Mutmacher. Und für Bundespräsident Joachim Gauck war er am Samstag ein Ehrengast: Wolfgang Ullrich aus Dortmund.
Für die Leser der WR ist er ein Held des Alltags. Für die Mitglieder im Verein „Return Suchtselbsthilfe“ ein Mutmacher. Und für Bundespräsident Joachim Gauck war er am Samstag ein Ehrengast. Wolfgang Ullrich gehörte beim Bürgerfest vor Schloss Bellevue zu den Menschen, denen der Bundespräsident Applaus zollte.
„Ich klatsche für Sie! ... weil Sie sich und unserem Land durch Ihre Arbeit Ehre machen“, dankte Gauck seinen Ehrengästen für ihr bürgerschaftliches Engagement in vielen verschiedenen Bereichen.
Nachwuchs gewinnen
Das schließlich mache ein Land stark, mache es, so Gauck, „lebenswert, lobenswert und liebenswert. 4000 stehen heute hier stellvertretend für Millionen Deutsche, die freiwillig engagiert sind“.
Einer davon: Der Dortmunder Ullrich. Er, der sich erst selbst aus dem Sumpf der Alkoholsucht gezogen hatte und jetzt anderen die Hand reicht. 2009 hatte er mit seiner Frau Lisa zusammen diesen Wendepunkt auch für andere Menschen als Selbsthilfe definiert. Mittlerweile gibt es sieben Return-Gruppen, der Verein hat 75 Mitglieder. Eine dieser Gruppen besteht aus jungen Menschen – und darauf sich die Ullrichs besonders stolz. „Dass wir deren Bedürfnisse erfasst haben.“ Deren Sprache sprechen. Und eben genau das schon geleistet haben, was der Bundespräsident am Samstag auch hatte anklingen lassen: „Wir dürfen uns nicht vormachen, mit ein paar bunten Plakaten hätten wir den Nachwuchs im Ehrenamt bereits gesichert. Das wird nicht funktionieren. Schon der demographische Wandel konfrontiert uns mit erheblichen Herausforderungen“. Die junge Generation, und das müssten die Älteren lernen, „lebt anders, hat andere Lebensstile und engagiert sich oftmals anders“. Diese jungen Menschen einzufangen, zu gewinnen für die gegenseitige Hilfe, das, sagt Ullrich, sei ihnen bei Return gelungen. „Vielleicht, weil wir sie da abholen, wo sie stehen. Weil wir authentisch sind.“ Und letztlich wissen, aus eigener bitterer Erfahrung, wo die Stolpersteine hin in ein abstinentes Leben liegen.
„Viele haben auch Angst vor dem nicht mehr konsumieren dürfen“. Der erste Kampf ist nicht der gegen die Sucht, er ist der gegen die Angst. „Man sagt immer so schön, wenn man sein Leben ändern will, muss man sein Umfeld ändern. Jetzt sagen Sie mal einem jungen Menschen, er soll einen Bogen um Disko und Co. machen...“ Stattdessen, wirft Lisa Ullrich ein, macht die Gruppe stark. „Die gehen zusammen in die Kneipe, gucken Fußball – und trinken alle eben nur Cola“.
Die Ullrichs haben, stellvertretend für alle „Returner“ das Wochenende in Berlin genossen. Mit Fingerfood und Feuerwerk, Informationen und Gesprächen. Und dem Gefühl, dass der freiwilligen Arbeit Anerkennung gezollt wird.
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