Woher Dortmunds Straßennamen kommen
10.10.2011 | 16:45 Uhr 2011-10-10T16:45:00+0200
Dortmund.„Dortmund will’s wissen“ – zum Beispiel, ob die eigene eine erste Adresse ist. Wir haben uns um die Herkunft Dortmunder Straßennamen bemüht und sind fünfen von insgesamt übrigens an die 3800 auf die Spur gekommen. Das übrigens nur mit Hilfe von Hermann Bausch vom Stadtarchiv, er ist der Fachmann.
Wobei: Das Gros der Schilder heute tut Allgemeines kund. Deutsche Dichter, Singvögel, Märchengestalten – „gerade bei einer verdichteten Bebauung gerät man sonst in Nöte, wenn man an Lokalem anknüpfen will“, sagt Hermann Bausch. Tatsächlich offenbart sich in manchem Straßennamen aber eben auch ein spannender Bezug zur Stadtgeschichte.
Warum der kleine Platz am Westrand des Westparks, heute quasi nur noch eine Verbreiterung der Rittershausstraße, „Aschenplatz“ heißt, fragt sich beispielsweise Thomas Vossen. Mit Fußball, soviel vorweg, hat das nichts zu tun. Tatsächlich existiert dieser Name nur volksmundlich und taucht Ende der 20er Jahre auf, als der Markt auf diesen Aschenplatz, damals eben ein unbefestigtes Gelände, verlegt wurde. Nach dem Krieg, weiß Bausch zusätzlich, hatten hier die sogenannten Schweizer Baracken gestanden: In den Trümmerjahren wurden durch Schweizer Spenden hier Kinder verpflegt.
Der Stortsweg in Eichlinghofen – Doris Hampel hat danach gefragt – geht auf einen alten Flurnamen zurück, die ältesten davon im Urkataster sind an die 200 Jahre alt. 1827 hieß es „Auf der Storte“. Eine mögliche Übersetzung: storten bedeutet soviel wie stürzen – und könnte ein steiles, abfallendes Gelände bezeichnen. „Könnte“ deshalb, weil die Bezeichnungen sich oft genug auf das gesprochene Wort beziehen. Das gilt jedoch in den meisten Fällen als verbindlich: Siepen zum Beispiel ist Synonym für eine feuchte Talschlucht, Loh meint das lichte Wäldchen, Knapp ist ein steiler Geländeanstieg. Und so können wir Irmgard Radegast auch ihre Adresse erklären: Am Hedreisch. Dreisch, das ist der ruhende Acker, der als Viehtrift (also als Weg zur Weide) genutzt wird. Hed ist in Sprachvarianten überliefert das Heidekraut. Was durchaus auf einem stillgelegten Acker wachsen könnte...
Ganz einfach übrigens ist die Frage von Thomas Vossen nach dem ehemaligen „Körner Platz“ am Westentor zu beantworten. Der hat nichts mit dem Ortsteil oder dem Bach zu tun. Er war stattdessen nach Karl Theodor Körne (1791 - 1813), einem Dichter und Dramatiker, benannt.
Gudrun Fraszczak hat nicht auf Sand, sondern auf Geld gebaut. Im übertragenen Sinne. Sie wohnt Am Münzenkamp und rätselt seit Jahren über diesen Namen. Stadtarchiv und Denkmalbehörde wissen’s: An der Grenze zwischen Asseln und Wickede wurden bei Rohrverlegungsarbeiten tatsächlich römische Kupfermünzen gefunden. Münzen plus Feld macht Münzenkamp. Die Straße wurde 1951 so benannt.
12:46
...Ganz einfach übrigens ist die Frage von Thomas Vossen nach dem ehemaligen „Körner Platz“ am Westentor zu beantworten.... aber nicht von dieser Redaktion!
Der Platz hieß eben nicht Körner Platz, mit Betonung auf Platz, was ja die Verbindung mit dem Ortsnamen nahlegte, sondern Körnerplatz mit Betonung auf KÖrner. Und - na - wie heisst der Dichter? Richtig:
Karl Theodor KörneR mit R am Ende, was man mit 3 Sekunden Recherche rausbekommt. Nur nicht Der Westen. Also nennt man die Serie vielleicht besser: Dortmund hätte es gern gewußt, aber wird es wohl nicht erfahren, wenn der Rest dieser auch so hochwertig recherchiert ist.