Wo Dortmunds City anbaut
20.06.2007 | 08:37 Uhr 2007-06-20T08:37:18+0200Die 5,2 Hektar große Union-Brache am Westentor schreit förmlich danach, zu einem lebendigen Stadtquartier entwickelt zu werden. Und während viele wie das Kaninchen vor der Schlange allein auf den U-Turm starren, bereitet die Verwaltung den Boden für Inves
25,5 Millionen Euro insgesamt hat sich die Stadt den Kauf der früheren Brauer-Brache kosten lassen. Viel zu viel für ein industriell genutztes Grundstück, winkten Kritiker ab. Und schüttelten den Kopf, als sogar CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg die Lanze für OB Langemeyer brach und "von einem Schnäppchenpreis" sprach.
Tatsächlich stehen die Chancen nicht schlecht, den Kaufpreis wieder reinzuholen. Zwar halten sich viele potenzielle Investoren noch im Hintergrund. Ihre Visitenkarten aber haben sie schon mal eingreicht: für Wohnungsbau und für Büro-Immobilien. Einer davon: die Essener Kölbl Kruse-Gruppe, die auch den Finger für das 3do-Hochhaus gehoben hatte. Die Essener, Entwickler der Hängebank auf "Minister Stein" in Eving, wollen auf einem 7000 qm großen Grundstück im künftigen Kreuzungsbereich Königswall/Rheinische Straße einen Büroriesen mit einer Bruttofläche zwischen 20 000 und 40 000 qm hochziehen. Was der Stadtkasse, je nach Größe des Gebäudes, Erträge zwischen 7 und 10,4 Millionen Euro brächte.
Sollte Kölbl Kruse den Vertrag einlösen - es wird nicht die einzige Baumaßnahme bleiben. Zurzeit bereitet die Verwaltung die Ausschreibung für die 1000 Plätze starke Tiefgarage im Norden des Geländes vor, für den Bau des Bosch-Kollegs, für das noch zu bestimmende (und vom Land) gewünschte Kreativzentrum und das "Welcome Center" für Dortmund-Touristen. Alles soll aus privater Hand gebaut werden. Bis Sommerende spätestens ist die Ausschreibung raus, im Frühjahr 2008 klar, welcher Investor Geld in die Hand nimmt. So der Zeitplan. Läuft alles glatt, könnten die Bauten 2010 stehen.
Ein einladend gestalteter Vorplatz soll das "U-Viertel" nahtlos an den künftigen Boulevard Kampstraße anknüpfen. Wie der Vorplatz (und auch der Platz zwischen U und Bürogebäude) beschaffen sein soll, werden die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs zeigen, den die Planungsverwaltung im Herbst auslobt - finanziert zur Hälfte von der Stadt und vom Land (je 75 000 Euro). Von den Ergebnissen wird eine weitere Investition abhängen: Zwar hegt man bei der Emschergenossenschaft keine konkreten Neubaupläne - aber die Option, sich dem Viertel architektonisch anzupassen, hält man sich ausdrücklich offen halten.
Hand in Hand mit der Platzgestaltung geht der Umbau der Brinkhoffstraße einher. Wie berichtet, soll die Brinkhoffstraße in Höhe des früheren (und inzwischen abgerissenen) Wohnhauses abgebunden und auf den Königswall geführt werden. Beginn: unmittelbar nach der Love Parade im Sommer 2008, die ihren Abschluss sinnigerweise unterm U finden soll.
Zur Neugestaltung des Straßenraums vor dem U (Brinkhoffstraße, Teile des Walls, Einmündung der Kampstraße, Rheinische Straße bis Möllerstraße sowie Umbauten im Bereich Humboldtstraße) werden, beginnend in 2008, insgesamt 9,5 Mio Euro investiert. Darin enthalten: 3,5 Mio. Euro für Grunderwerb und 750 000 Euro für passiven Lärmschutz. 7,5 Mio. Euro schickt das Land.
U-Turm: Fördergeld gilt als sicher
Dass Ministerpräsident Rüttgers, oberster Kulturchef des Landes, die Förderkasse für den Umbau des U öffnet - davon geht inzwischen fast jeder aus. Fraglich bleibt die Höhe der Zuschüsse. Schließlich war es das Land in Person von Staatssekretär Große-Brockhoff, das die Museumspläne von OB Langemeyer um eine "kreativwirtschaftliche Ausrichtung" anreichert. Der OB wollte aus der Industrieruine schlicht ein Museum formen - wofür es wohl keinen Cent gegeben hätte.
Und nun: Arbeiten Land und Verwaltung in Workshops an Konzepten, in welcher Form das U Kreativwirtschaft aufnehmen kann. Im Papierkorb liegen die Pläne zur Verlagerung des Ostwall-Museums aber nicht: Langemeyer geht weiter davon aus, auf drei bis vier Etagen zeitgenössische Kunst zeigen zu können.
Ob das magische Datum "Kulturhauptstadt 2010" zu erreichen ist (was Langemeyer unbedingt will) - daran glauben wohl nur noch die größten Optimisten. Zumindest aber soll die Fassade der Industrieruine bis dahin saniert sein. Längst hat der Rat die Ausgabe von 4,9 Mio. Euro beschlossen, aber: Der Auftrag kann frühestens im Juli raus. Weil die Verwaltung die Projektsteuerung in die Hände des Baucontrollers Assmann legen möchte - und ein unterlegener Bieter prompt Beschwerde bei der Vergabekammer eingereicht hat.
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