Wo die Rote Erde herkommt
09.11.2011 | 06:00 Uhr 2011-11-09T06:00:00+0100
Dortmund. Stammt der Begriff von der Erde, die für den Bergbau gerodet wurde? Oder kommt er von der eisenerzhaltigen Erde in Dortmund? Die Theorien schießen ins Kraut. Dirk Buchholz vom Stadtarchiv schildert die wahrscheinlichste Theorie.
Rote Erde, wo man nur hinhört in Dortmund: Das alte BVB-Stadion trägt diesen Namen, der Kirmes- und Schaustellerverein heißt so, der Sportverein ESV, Hotels und Gaststätten. Es gibt das Großwälzlager Rothe Erde. Und in den 1980er Jahren hieß sogar eine Fernsehserie „Rote Erde“, erinnert sich unser Leser Martin Goeke. Doch wo kommt der Begriff eigentlich her, will er wissen.
Wer sich auf die Suche begibt, stößt zunächst auf die unterschiedlichsten Versionen. Stadtführerin Annette Kritzler erzählt ihren Gästen immer von drei Versionen: Zum einen könne der Begriff aus dem beginnenden Bergbau stammen und der dafür gerodeten Erde. „Durch Verschlucken einiger Buchstaben könnte aus gerodeter rote Erde geworden sein“, sagt sie. Zweitens könne der Begriff von der tonigen, eisenerzhaltigen Erde stammen, drittens vom Abendrot. „Aber keine Theorie ist endgültig wahr“, sagt sie. Auch Hans-Peter Ahrens, Vorsitzender des Schaustellervereins, ist sich nicht sicher. Sein Urgroßvater habe bei der Gründung des Vereins 1897 eben einen geläufigen Dortmunder Begriff genommen.
Dirk Buchholz vom Stadtarchiv kennt ebenfalls unterschiedliche Deutungen der Roten Erde – inklusive der wahrscheinlichsten. Zum einen könne der Begriff eine Ableitung des durch die Schlacke der Eisenhütten geröteten Abendhimmels sein. „Aber das stimmt wohl nicht“, sagt Buchholz. Denn den Begriff habe es schon um das Jahr 1500 gegeben – da gab es aber noch keinen Bergbau. Auch die Theorie der roten, eisenhaltigen Erde hält er für nicht stichhaltig. Genauso sehe es mit der gerodeten, rauen Erde aus.
Wahrscheinlichste Version
Am wahrscheinlichsten sei folgende Version, sagt Buchholz. Die Rote Erde gehe auf das Femegericht des Mittelalters zurück. Das schreibe Luise von Winterfeld, zwischen 1916 und 1950 Leiterin des Stadtarchivs, in ihrer „Geschichte der freien Handelsstadt Dortmund“. Die ordentlichen Gerichte tagten auch damals schon in Gebäuden. Daneben gab es die Femegerichte im Freien.
Nach altem deutschen Recht durfte in der Zeit der Karolinger nur der Kaiser die Todesstrafe, den sogenannten „Blutbann“ aussprechen. Das verzeichne Meyers Lexikon von 1904. Die Femegerichte hatten aber das Recht, im Namen des Kaisers schlimme Verbrechen zu betrafen. Der Hauptsitz der Femegerichte im Umkreis war in Dortmund – am Freistuhl unweit des heutigen Hauptbahnhofes. Und in diesem Zusammenhang werde 1546 zum ersten Mal von der Roten Erde gesprochen, schreibe Luise von Winterfeld.
Straßenname als Erinnerung
Heute erinnert nur noch der Straßenname an die blutige Vergangenheit des Begriffs. Am Freistuhl standen damals zwei Linden und dazwischen urteilten Freigrafen und Freischöffen unter freiem Himmel über Leben und Tod der Angeklagten. Daher stamme auch der Begriff der Femlinde, so Dirk Buchholz.
Ob die Macher das wussten, als sie 1926 das Stadion Rote Erde eröffneten? Wohl kaum. In der Festschrift zur Einweihung des Stadion widmet Stadtbaurat Strobel das Stadion „Westfalens roter Erde“. Da war die Rote Erde wohl längt ein geflügeltes Wort.
17:01
also gerodete Wälder kenne ich ja, aber bitte was soll denn gerodete Erde sein?