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Baukunstarchiv NRW

Wird altes Ostwall-Museum für Seniorenheim abgerissen?

18.09.2012 | 19:24 Uhr
Ein Architekturbüro aus Münster möchte das ehemalige Ostwall-Museum kaufen und hochwertige Seniorenwohnungen bauen. Oder wird das Gebäude doch zur Heimat des Baukunstarchivs NRW?Foto: Kolfhaus & Beele

Dortmund.  Noch sind die Würfel fürs alte Ostwall-Museum nicht gefallen. Die Stadtspitze favorisiert zwar das „Baukunstarchiv NRW“ – aber ein Architekturbüro aus Münster möchte den Bau aus den späten 40ern abreißen, um Platz für Seniorenwohnungen zu schaffen.

Noch sind die Würfel um die Nutzung des früheren Gebäudes für das Ostwallmuseum nicht gefallen. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass die Immobilie künftig eine Karriere als „Baukunstarchiv NRW“ startet. Andere Interessenten, die bei den Liegenschaftlern ebenfalls Pläne für das städtische Gebäude vorgelegt haben, werden wohl nicht zum Zuge kommen.

Seit das Museum mit seinen Beständen 2009 in den U-Turm verlagert wurde, steht das Gebäude am Ostwall zum Verkauf. In der Hoffnung, die Stadtkasse um die eine oder Million aufzustocken, beschloss der Rat im Dezember 2010: Gebäude und Grundstück müssten schnellstens zu marktüblichen Konditionen verkauft werden.

16 Millionen Euro Investition

Also brachte die Verwaltung ein „Interessenbekundungsverfahren“ auf den Weg: Als die Liegenschaftler im Juli 2011 die Klappe fallen ließen und das Verfahren abschlossen, hatten eine Handvoll Interessenten ihre Projektmappen eingereicht. Nur: Entscheiden, wer den Zuschlag für die Ostwall-Immobilie bekommt, kann die Politik bis zum heutigen Tage nicht. Die Verwaltung hat noch keinen Beschlussvorschlag geliefert.

Grund: OB Ullrich Sierau und Jörg Stüdemann, Kämmerer und Kulturdezernent in Personalunion, bevorzugen die Pläne der Architektenkammer NRW, das Baukunstarchiv NRW anzusiedeln. Zwar hat CDU-Finanzsprecher Udo Reppin angemerkt, „dass es keine Vorfestlegung gibt“ und die CDU erst auf Basis gesicherter Zahlen und Fakten entscheiden werde. Vorsichtshalber fügt Reppin aber hinzu: Es spräche nichts dagegen, „eine weitere Kultureinrichtung vorzuhalten, falls die Protagonisten des Baukunstarchivs das finanziell lukrativste Angebot vorlegen.“

Mit Parteiaustritt gedroht

Mag sein, dass Reppin da an seinen früheren Stadtdirektor und Parteifreund Klaus Fehlemann (CDU) denkt, einen der Motoren des Projekts Baukunstarchiv. Fehlemann hat bereits mit Parteiaustritt gedroht, wenn seine Farben das Vorhaben durchkreuzen.

Die Frage: Guckt die Stadt bei dem Geschäft allein aufs Geld? Rein finanziell betrachtet, haben keineswegs die Befürworter des Baukunstarchivs die Nase vorn. Vielmehr haben die Liegenschaftler die Interessenten „Kolfhaus & Beele Grundstücks- und Verwaltungs GmbH“ aus Melle im Landkreis Osnabrück im April wissen lassen: Sie hätten „das höchste Gebot“ abgegeben und darüber hinaus einen Entwurf, der „alle geforderten Parameter erfüllt.“

Finanzierung aus der Stadtkasse

Kolfhaus und Beele wollen das Gebäude am Ostwall abreißen und für rund 16 Mio. Euro ein fünf-geschossiges Wohnhaus mit 55 seniorengerechten Wohnungen und einem Betreuungskonzept hochziehen. Reminiszenz an alte Museumstage: Im Erdgeschoss will man der Stadt eine 200 qm große „Kunsthalle“ mietfrei überlassen, Dass sich die Stadt dennoch so sehr auf das konkurrierende Baukunstarchiv kapriziert, sorgt in Melle für Grummeln - mit öffentlichen Kommentaren allerdings halten sich die Investoren zurück.

Unterdessen marschiert die Verwaltung weiter Richtung Baukunstarchiv. Inzwischen soll es ein Finanzierungskonzept geben, nach dem die Betriebskosten (gut 300.000 Euro) für die ersten fünf Jahre gedeckt sind - ohne, dass die Stadt einen Cent beisteuern muss. Auch der bis zu 3,5 Mio. Euro teure Umbau soll ohne Euros aus der Stadtkasse gestemmt werden - man baut auf eine Zusage des ehemaligen NRW-Städtebauministers Voigtsberger, der 2 bis 2,5 Mio. Euro in Aussicht gestellt haben soll. Die Architektenkammer soll eine noch ältere Zusage über höhere Fördermittel haben...

Umzug Ostwall-Museum

 

Gregor Beushausen



Kommentare
02.10.2012
16:42
Wird altes Ostwall-Museum für Seniorenheim abgerissen?
von profrawido | #7

Wenn die Entscheidung im Rat nur nach den Kriterien der Wirtschaftlichkeit sprich Haushaltssanierung fällt, dann steht sie leider in Tradition zu früheren Fehlplanungen, wie z.B. Abriß des Denkmals Stadt- und Landesbibliothek zugunsten des Kommerz! Das MAO sollte bleiben und das Baukunstarchiv aufnehmen. Zusammen mit der TU würde hier ein neues Kompetenzzentrum für Architektur entstehen und der Stadt Dortmund neues Renommé verleihen.

20.09.2012
00:59
Wird altes Ostwall-Museum für Seniorenheim abgerissen?
von boehmann | #6

Der Markt ist gesättigt. In der " OLPE " 8 - 10 stehen seit mehr als 2 Jahren neue Seniorenwohnungen LEER . Ca 30 Apartments und Seniorenwohnungen nach neustem Standard errichtet und in Top Lage für ältere Mitbürger. Welcher wohlhabende Rentner zieht in die Dortmunder Innenstadt ? Wieviel Miete müssen bei diesen Millionen pro Quadratmeter ² aufgerufen werden, die niemand hier bezahlen kann oder auch will. Hier ist eine unabhängige Analyse und ein Gutachten entsprechend der sich rechnenden Vermarktung die einzig richtige und auch günstigste Lösung , um im Nachhinein teuren Leerstand zu vermeiden.

19.09.2012
14:37
Wird altes Ostwall-Museum für Seniorenheim abgerissen?
von hassias | #5

Ein Verkauf und Abriss wäre ja in Ordnung, aber warum für ein Seniorenheim? Kommt am Ende eine 30er Zone auf dem Wall, um den Lärm einzudämmen?

19.09.2012
12:57
Lügengeschichten .....
von Drunsonst | #4

Fällt eigentlich niemand die widersprüchliche Begründung auf? Als der Umzug des Ostwall Museums in das Dortmunder U und damit der Umbau des Dortmunder U beschlossen wurde, hiess die Begründung, dass das Ostwall Museum, feucht, marode und nicht mehr in Stand zu setzen sei. Nun will man genau in dem Gebäude ein Baukunstarchiv-NRW einrichten? Wie gnadenlos verlogen - und dämlich - ist denn diese Begründung?

4 Antworten
Wird altes Ostwall-Museum für Seniorenheim abgerissen?
von baldinsoelde | #4-1

Nach dem Artikel soll das Gebäude für ein Baukunstarchiv umgebaut werden. Dabei wäre durchaus Möglichkeiten gegeben, die marode Bausubstanz durch neues zu ersetzen.

Nicht jeder Umbau beschränkt sich auf ein paar Leichtbauwände im Innern.

@ baldinsoelde
von Drunsonst | #4-2

.. und genau das war ja angeblich beim Ostwall-Museum unwirtschaftlich und mit eine wesentliche Begründung für den Umzug in das Dortmunder U.

Wer lesen kann...
von schwarzbart | #4-3

... ist klar im Vorteil. Nicht das Museum selbst ist feucht, die Archivkeller sind es, in denen die wertvolle Expressionisten-Sammlung lag und Schaden zu nehmen drohte.

Und wer Informationen hat - erst recht .....
von Drunsonst | #4-4

Auch die Luftfeuchtigkeit in den oberen Räumen des alten Ostwall-Museum lag nach den bauphysikalischen Messungen und Gutachten über dem Toleranzwert - was nicht wundert, wenn der Keller feucht ist und aufsteigende Feuchtigkeit auch über die Wände aufzieht. Allerdings kam das Museum im Dortmunder U vom Regen in die Traufe - bedingt durch die Fassadenproblematik des ehemaligen Kühlturmes - der Taupunkt verschiebt sich bei einem von innen beheizten Kühlschrank an die Innenwände - waren die Räume im U ebenfalls zu feucht, was nun mit dauerhaft hohen Kosten (!) durch eine Luftentfeuchtung aber behoben ist.

19.09.2012
07:28
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.09.2012
23:01
Wird altes Ostwall-Museum für Seniorenheim abgerissen?
von Lebende-Legende | #2

Recht so, man sollte das Grundstück lieber gewinnbringend verkaufen. Der Sinn eines Baukunstarchives mag zwar eine Bereicherung sein, aber so ein Archiv läßt sich bestimmt an anderer Stelle in Form einer Untermieterschaft günstiger realisieren.

18.09.2012
20:00
Blanker Irrsinn
von Drunsonst | #1

Da bahnt die Phalanx aus Phantasten und Unbelehrbaren dem nächsten Steuergeld-Millionengrab erkennbar den Weg. Statt hohe Einnahmen für die leere Stadtkasse zu erzeugen werden wie gehabt die bewussst zu niedrig angesetzten Baukosten des Baukunstarchives-NRW "explodieren" und hohe jährliche Betriebskosten werden den Haushalt belasten und dafür sorgen, dass an anderer Stelle dringend benötigte Investitionen nicht erfolgen können. Wem nutzt das Baukunstarchiv-NRW? Welche Vorteile bietet es für Dortmund in diesen finanziell schweren Zeiten?

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