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125 Jahre Philharmoniker

„Wir spulen nie ein Programm ab“

25.12.2012 | 07:00 Uhr
„Wir spulen nie ein Programm ab“
Mittlerweile hat Franziska BatzdorfFoto: Dietmar Wäsche

Sie ist die erste unter Gleichen: Franziska Batzdorf ist Solocellistin bei den Philharmonikern. Aber obwohl sie sagt: „Wir haben eine riesige Palette an Farben und Stimmungen – gerade als Streicher“, empfindet sie ihre Arbeit weniger als Kunst denn als Handwerk.

Sie ist die erste unter Gleichen: Franziska Batzdorf ist Solocellistin bei den Philharmonikern. In ihrem Arbeitsalltag zeigt sich das eher in den kleinen Dingen. „Wir Stimmführer sind für die Ab- oder Aufstriche zuständig“, erklärt die Musikerin ein winziges Detail im großen Getriebe des Orchesters.

Gemeint sind die Bogenführung beim Einsatz der Streicher: Ob die Musiker damit beginnen, den Bogen aufwärts über die Saiten gleiten zu lassen oder abwärts zu streichen. Wer aus dem Muster fällt, fällt nicht nur auf, sondern kommt seinem Nachbarn in die Quere.

Soloauftritte sind besondere Freude

Apropos auffallen: Als Solocellistin hat Franziska Batzdorf ab und an die Gelegenheit vor dem Orchester im Rampenlicht zu stehen: Beim ersten Wiener Klassik Konzert dieser Spielzeit spielte sie Joseph Haydn. Mit „Nonplusultra“ war das Konzert überschrieben und so in der Art könnte sich auch die Solocellistin geäußert haben: „Soloauftritte sind für uns Musiker natürlich etwas ganz besonderes, weil man mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat. Ich kann langsamer oder leiser werden, wenn ich es für angebracht halte“, erzählt sie. „Als Berufsmusiker habe ich die Fähigkeit Töne völlig verschieden klingen zu lassen. Ob schön oder hässlich, süß oder hart das hängt vom gesamten Bewegungsapparat ab, wie alle Muskeln zusammenspielen. Sowas kann man nur durch jahrelanges Musizieren lernen.“

Aber obwohl Franzsika Batzdorf sagt: „Wir haben eine riesige Palette an Farben und Stimmungen – gerade als Streicher“, empfindet sie ihre Arbeit weniger als Kunst denn als Handwerk. „Die Kunst haben die Komponisten gemacht.“ Doch diese Sichtweise schmälert ihre Liebe zu ihrem Beruf und Instrument kein bisschen: „Das ist es, was die Musik so großartig macht! Der Ausdruck, den wir in die Musik legen können. Wir spulen nie ein Programm ab.“

Besonderen Spaß machen Franziska Batzdorf Orchestereinsätze in der Oper, beim Ballett oder bei Musicalaufführungen des Theaters. „Es ist viel mehr Spannung dabei.

Wenn ein anderer Sänger bei einer Oper auf der Bühne steht, werden die Tempi anders“, beschreibt sie den praktischen Teil dieser Arbeit. Aber auch das Geschehen auf der Bühne ist für die Musiker spannend: „Beim ,Traum der roten Kammer‘ funktioniert die Stelle nie auf Anhieb, wenn der Kirschblütenbaum abgesägt wird. Das sorgt für Schrecken – oder bei uns für Gelächter. Sowas geht eben nur im Orchestergraben.“

Neben dem Spaß steht harte Arbeit. Davon zeugen dicke Hornhäute an den Fingerkuppen der Cellistin, in die tiefe Rillen eingegraben sind von den Stahlseiten ihres Instrumentes. „Man braucht Kraft, um die Saiten ‘runterzudrücken. Wenn ich forte spiele, drückt der ganze Oberkörper auf das Instrument. Bei Tremolo-Passagen ist man nachher sehr erschöpft, wenn man nicht so fit ist.“

Seit Franziska Batzdorf mit drei Jahren die Geige ihres älteren Bruders nahm, auf den Boden stellte und begann, erste Töne zu produzieren, ist sie ihrem Instrument verfallen. „Mein erstes Instrument war eine Bratsche mit Stachel dran, weil ich für das kleinste Cello noch zu klein war“, erzählt sie lachend. „Dass ich im Kindergarten gespielt habe, ist eine der ersten Erinnerungen an diese Zeit.“

Von Maike Rellecke



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