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Burnout

Wir arbeiten uns kaputt

24.01.2012 | 17:30 Uhr
Wir arbeiten uns kaputt

Dortmund  Burnout ist gewaltig auf dem Vormarsch. In den letzten zwölf Jahren hat das Ausgebranntsein von Beschäftigten um 83 Prozent öfter zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Diese Zahl nannte DGB-Chefin Jutta Reiter gestern bei einer Tagung zum Thema.

Burnout ist gewaltig auf dem Vormarsch. In den letzten zwölf Jahren hat das Ausgebranntsein von Beschäftigten um 83 Prozent öfter zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Diese Zahl nannte DGB-Chefin Jutta Reiter gestern bei einer Tagung zum Thema.

Bei den Gründen für eine Frühverrentung hat sich die psychische Erkrankung auf den ersten Platz vorgeschoben. Von zehn Arbeitsunfähigen müssen vier wegen Burnouts vorzeitig aufhören: Männer durchschnittlich mit 49 Jahren, Frauen mit 48, so Reiter bei der Tagung für Betriebsräte und Vertrauensleute.

Gefahr der Ausbeutung

„Arbeitsschutz braucht eine stärkere Beachtung“, sagte Reiter, die forderte: „Wir brauchen Kontrollen!“ Das Beispiel Envio zeige, dass Unternehmer nicht ihren Aufgaben zum Schutz der Arbeitnehmer nachkommen.

Günter Schneider, Landesgeschäftsführer für politische und soziale Bildung, unterstrich die Gefahr, dass Menschen sich am Arbeitsplatz ausbeuten oder ausgebeutet werden: „Die Statistik der Rentenversicherer zeigt, dass die psychischen Erkrankungen der Arbeitnehmer in den letzten 20 Jahren vom achten Platz auf den ersten Platz gestiegen sind.“

Trotzdem werde das Thema „Burnout“ noch immer stiefmütterlich behandelt und auch tabuisiert. Wer mit einer Grippe fehle, brauche sich nicht zu schämen , wer ausgebrannt fehlt, möchte nicht darauf angesprochen werden.

Herausforderungen für die Politik

Woran liegt die Überforderung in Zeiten großer gewerkschaftlicher Errungenschaften und hohen Arbeitsschutzes? Für Jutta Reiter ist klar: „Wo Arbeitsplätze abgebaut werden, steigt bei den Verbliebenen die Arbeitsbelastung und der Druck: Wielange bleibe ich noch?“ Das berufliche Umfeld bestimme die Lage der Beschäftigten.

Betroffen seien alle Branchen - vor allem in der Dienstleistung werde aber bis zur psychischen Erschöpfung gearbeitet. Reiter zählte auf: Leiharbeit, Werkverträge, geringfügig Beschäftigung, Mindestlohn - „das sind die Herausforderungen“. Herausforderungen, denen sich die Politik verstärkt annehmen müsse. Aber auch die Betriebsräte, die noch professioneller werden müssten.

Eine Gelegenheit dazu war die Tagung. Es handelte sich dabei übrigens um die zweite Auflage einer völlig überbuchten Erstveranstaltung im November - insgesamt wurden 300 Vertrauensleute erreicht.

Gerald Nill

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Kommentare
26.01.2012
12:37
Wir arbeiten uns kaputt
von los-gelassen | #1

Das fatale am Stellenabbau ist, dass letztlich Leistungsträger übrig bleiben. Das ist gut fürs Unternehmen, schlecht für manchen Leistungsträger. Leistungsträger arbeiten gerne viel, haben berufliche Ziele, möchte für sich und das Unternehmen Erfolge erzielen. Sie nehmen gerne zusätzlich Aufgaben, Projekte an, da es für sie eine Chance darstellt, ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen. Sie steigen dann in einen fatalen Kreislauf ein. Sie arbeiten immer mehr, bekommen dafür aber keine zusätzliche Anerkennung. Wenn überhaupt. Fällt Wertschätzung besonders in Krisenzeiten in Unternehmen unter den Tisch. Sie fangen dann an, an sich und ihrer Leistung zu zweifeln, bekommen vielleicht auch Panik, die nächsten zu sein, die gehen müssen. Dadurch arbeiten sie noch mehr. Unternehmen fahren damit sehr gut. Sehen sie doch, dass es mit weniger Personal doch sehr gut funktioniert. Warum sollte man dann wieder aufstocken? Unter dieser permanenten Arbeitsbelastung brennen manche Leistungsträger aber aus, brechen zusammen, bis manchmal nur noch eine Auszeit oder Kündigung ihrer Seite bleibt. Dann verlassen wertvolle Mitarbeiter dieses Unternehmen und mit ihnen KnowHow. Meiner Meinung nach sollten Unternehmenleitungen von Anfang an zukunftsorientiert, nachhaltig und langfristig planen und danach handeln. Insbesondere auch verantwortungsvoll mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern umgehen, die den Erfolg des Unternehmens ausmachen. Kurzfristiger Aktionismus schadet meiner Meinung nach langfristg.
(Ich freue mich auch über Ihren Besuch auf meinem Blog zum Thema Burnout www.los-gelassen.com)

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